KURZFASSUNG

Blutentnahmen ohne vorherige Hormoneinnahme (s.u.) zur Bestimmung von TSH, fT3 und fT4 sind immer wieder nötig, um die richtige Dosis zu finden (vgl. Wertekontrolle). Eine regelmäßige Kontrolle der Antikörper ist nicht nötig, da diese Werte keine Auswirkung auf die Behandlung haben.

Bei einer Blutentnahme, bei der die Schilddrüsenhormonwerte fT3 und fT4 bestimmt werden sollen, werden die Schilddrüsenhormone erst nach der Blutentnahme eingenommen, da andernfalls die Werte verfälscht sein können. Grund dafür ist, dass nach der Einnahme kein Verteilungsgleichgewicht herrscht, sondern die Hormone erst durch die Blutbahn an ihre Verbrauchsorte gelangen; bei der Messung nach der Hormoneinnahme ergibt sich daher ein "peak", der nicht die dauerhaft verfügbare Hormonmenge darstellt, sondern nur dem noch nicht hergestellten Verteilungsgleichgewicht geschuldet ist (s.a. --> Pharmakokinetik von Schilddrüsenhormonen, --> Peak )


LANGFASSUNG

Warum kommt es durch vorherige Hormoneinnahme zu einer Verfälschung der Messwerte?

Eine gesunde Schilddrüse schüttet die Hormone verteilt über den Tag aus. Im Gegensatz dazu erfolgt bei einer Hormonsubstitution i.d.R. eine einmalige Einnahme der Hormone. Nach der Einnahme der SD-Hormone müssen die Hormone im Darm resorbiert werden und durch die Blutbahn an ihre Verbrauchsorte gelangen. Statt eines regelmäßigen Transports geringer Mengen zur Verfügung gestellter Hormone durch die Blutbahn - wie beim Gesunden - kommt es daher beim Kranken durch die Hormoneinnahme zu einem sprunghaften Anstieg der Hormonmenge im Blut. Dieser sprunghaft Anstieg wird auch als "peak" (engl. Spitze) bezeichnet.

Misst man daher nach der Hormoneinnahme, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Werte den "peak" und somit ein noch nicht hergestelltes Verteilungsgleichgewicht abbilden. Eine Nüchternmessung (24 Stunden ohne Einnahme von Hormonen) dokumentiert hingegen die Hormonmenge, die vorhanden ist, wenn sich das Verteilungsgleichgewicht eingestellt hat.


Warum ist es für die Vergleichbarkeit der Werte wichtig, dass die Messung ohne vorherige Hormoneinnahme erfolgt?

Dass alle Wertekontrollen "ohne Hormoneinnahme vorher" durchgeführt werden ist eine der Voraussetzungen dafür, dass die Werte miteinander verglichen werden können (Werteverlauf).

Der Einwurf, dass man ja auch dann vergleichbare Werte erhalte, wenn man immer mit vorheriger Hormoneinnahme messe, ist unzutreffend, denn es ist bei einer Messung unter vorherigere Hormoneinnahme ja immer ungewiss, in welcher Phase der "peaks" gemessen wird. So kann es sein, dass die Messung entsteht, bevor der peak voll ausgebildet ist, auf dessen Hochpunkt oder nach Erreichen des Hochpunktes. Was man durch die Messung abbildet, weiß man aber nicht. Da unter vorheriger Hormoneinnahme keine vergleichbaren Bedingungen erreichbar sind, sind auch die Ergebnisse nicht miteinander vergleichbar.


Wer ist davon betroffen?

Jeder, der Schilddrüsenhormone nimmt, sollte darauf achten, eine 24-stündige Karenz vor Durchführung einer Kontrollmessung einzuhalten, wenn bei dieser Messung fT3 und fT4 bestimmt werden sollen. Dabei ist es unerheblich, ob man T4-, T3-, Kombipräparate oder natürliche Schilddrüsenhormone nimmt. Leute, die ihre Dosis splitten und eine Abenddosis nehmen, sollten am Abend vor der Kontrolle darauf verzichten.

Soll nur der TSH bestimmt werden, kann die Kontrolle auch nach vorheriger Einnahme der Schilddrüsenhormone passieren. Allerdings beschreibt der TSH allein mitunter die Versorgungssituation nicht in adäquater Weise.


Was sagen Fachleute dazu?

  • Schäffler (im Deutschen Ärzteblatt) schreibt kurz und bündig: "Die Blutentnahme für fT4 sollte am frühen Vormittag vor der Einnahme von L-Thyroxin erfolgen." http://www.aerzteblatt.de/archiv/79374
  • Sanofi-Aventis Deutschland GmbH äußert sich wie folgt: "Soll zur Überprüfung der Schilddrüsenfunktion lediglich der TSH-Wert bestimmt werden, so kann die Tabletteneinnahme auch vor der Blutentnahme erfolgen. Sollen jedoch die so genannten Schilddrüsenhormon-Spiegel (T3 oder T4 oder FT3 oder FT4) bestimmt werden, so muss die Tabletteneinnahme nach der Blutentnahme erfolgen, weil sonst die Hormonspiegel falsch hohe Werte liefern können." http://www.ht-mb.de/forum/showthread...=1#post1448093
  • Prof. Wahl schreibt: "wenige Stunden vor der Bestimmung von Schilddrüsenhormonen im Serum sollten keine Schilddrüsenhormone eingenommen werden, denn nach deren Einnahme muss sich zuerst wieder ein Verteilungsgleichgewicht zwischen dem gebundenen Anteil der Schilddrüsenhormone, den freien Schilddrüsenhormonen und deren Abstrom aus der Blutbahn ins Gewebe einstellen können." http://www.ht-mb.de/forum/showpost.p...17&postcount=7
  • Prof. Hotze - und das war immerhin einer der angesehendsten SD-Spezialisten (leider inzwischen verstorben) ) wies auf seiner homepage ausdrücklich darauf hin, dass die Patienten zur BE ohne vorherige Hormoneinnahme erscheinen sollen.
  • Fr. Dr. Brakebusch empfiehlt: "Nehmen Sie am Tag des Arztbesuches die Schilddrüsenhormone erst nach der Blutabnahme ein. Zuvor eingenommene Hormone könnten die Blutwerte verfälschen." http://www.hashimotothyreoiditis.de/...tbesuch-achten
  • L. Thomas, Labor und Diagnose, 6. Auflage, S. 1392-1393
    "Es ist zu empfehlen Blutproben für die Bestimmung von Schilddrüsenhormonen frühestens 12 Stunden, besser 24 Stunden nach der letzten Einnahme eines Schilddrüsenhormonpräparats zu entnehmen. Zusätzlich muss beachtet werden, dass zahlreiche Erkrankungen und Medikamente die Konzentration peripherer Schilddrüsenhormone beeinflussen. So kann es unter anderem unter Therapie mit Heparin und Acetylsalicylsäure zur Verdrängung von T4 aus der Proteinbindung kommen mit konsekutiver Erhöhung des freien T4 (FT4)." (Schriftverkehr liegt sofalümmler vor, siehe
    http://www.ht-mb.de/forum/showthread...=1#post2623514)



Beispiele für den Unterschied zwischen den Werten vor und nach Hormoneinnahme

Ein Beispiel für den Unterschied zwischen Nüchternwerten und Werten unter Hormoneinnahme zeigt der folgende Thread, bei dem nach den Nüchterwerten 3 Male an drei aufeinanderfolgenden Tagen Werte unter Hormoneinnahme abgenommen wurden: http://www.ht-mb.de/forum/showthread...=1#post2591129 .

Ein weiteres Beispiel für die Unterschiede, die sich zwischen einer Blutentnahme ohne vorherige Hormoneinnahme und mit vorheriger Hormoneinnahme ergeben können, findet sich hier : http://www.ht-mb.de/forum/showthread...=1#post2492111

Daraus darf aber nicht geschlossen werden, dass man die Werte lediglich mit einem Faktor verrechnen muss, um an die Werte "ohne" zu kommen. Eine derartige Umrechnung ist nicht möglich, da dafür zuviele unwägbare Faktoren eine Rolle spielen! (siehe auch Präanalytik)


Fazit

Bei einer Blutentnahme, bei der die Schilddrüsenhormonwerte fT3 und fT4 bestimmt werden sollen, sollen die Schilddrüsenhormone erst nach der Blutentnahme eingenommen werden, da andernfalls die Werte verfälscht sein können. Die bei der Nüchtern-Blutentnahme gemessenen Hormonwerte stellen den Gleichgewichtszustand zwischen Serum und Gewebe dar und sind daher für die Kontrolle einer Therapie wahrscheinlich am aussagekräftigsten.[/QUOTE]