KURZFASSUNG

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis (syn. autoimmune Thyreoiditis, lymphozytäre Thyreoiditis) handelt es sich um eine chronisch verlaufende Autoimmunerkrankung, bei der aufgrund einer Fehlfunktion der körpereigenen Abwehr das Schilddrüsengewebe bzw. Bestandteile der Schilddrüse zerstört werden. Es sind zwei verschiedene Verlaufsformen bekannt:
  • hypertrophe Verlaufsform: SD vergrößert sich, Strumabildung;
  • atrophe Verlaufsform: SD verkleinert sich.




LANGFASSUNG

Was ist eine Hashimoto- Thyreoiditis?

Bei der Hashimoto- Thyreoiditis (auch autoimmune oder lymphozytäre Thyreoiditis) handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der aufgrund einer „Fehlprogrammierung“ die körpereigene Abwehr das Schilddrüsengewebe zerstört wird, wobei zwei verschiedene Verlaufsformen (hypertroph --> SD vergrößert sich, Strumabildung; atroph--> SD verkleinert sich) bekannt sind (Umfrage: Atrophe oder hypertrophe Form? ). Sowohl bei der atrophen wie auch der hypertrophen Form kommt es auf Dauer zu einer Schilddrüsenunterfunktion, wobei sich am Beginn der Erkrankung – bedingt durch die ablaufenden entzündlichen Prozesse – auch Phasen der Überfunktion zeigen können.

Streng genommen wird nur die hypertrophe Form der Thyreoiditis als Hashimoto-Thyreoiditis bezeichnet, jedoch hat sich dieser Begriff im deutschsprachigen Raum inzwischen auch für die atrophe Form (eigentlich: Ord-Thyreoiditis) eingebürgert.

Bei einer Hashimoto- Thyreoiditis handelt es sich nicht in erster Linie um eine Erkrankung der Schilddrüse, sondern um eine Erkrankung des Immunsystems, das die Schilddrüse in Mitleidenschaft zieht.


Häufigkeit von Hashimoto

Hashimoto ist die häufigste Autoimmunkrankheit des Menschen. Konservativen Schätzungen zufolge leiden ca. 5 % der Bevölkerung an Hashimoto; neuere Studien, die die neuen Grenzwerte zugrundelegen, sehen den Anteil sogar bei 8-10 (-12) %. Frauen erkranken sehr viel häufiger als Männer (Verhältnis ca. 8 : 1). Die Veranlagung für Hashimoto wird vererbt, es kommt jedoch nicht zwangsläufig in jedem Fall zum Ausbruch der Krankheit. Bisherige Beobachtungen zeigen, dass Hashimoto häufig im Zusammenhang mit hormonellen Umstellungen (Pubertät, Entbindung, Wechseljahre), aber auch infolge von Belastungssituationen (Stress) ausbrechen kann.


Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf ist bei einem Großteil der Erkrankten leicht, doch sind auch mittlere und schwere Verläufe bekannt. Die Symptome sind vielfältig und – gerade am Beginn der Erkrankung - schwer zu fassen. Dazu kommt, dass die Vielzahl und Variationsbreite der Symptome und der oft schleichende Verlauf es sowohl für den Patienten wie auch den behandelnden Arzt schwierig machen, sie der Autoimmunerkrankung und der durch sie verursachten Schilddrüsendysfunktion zuzuordnen. Neben körperlichen können auch eine Reihe psychischer Symptome in Erscheinung treten. Nicht selten werden Patienten wegen der unklaren Symptomlage als Hypochonder abgestempelt oder ihre Beschwerden als psychisch oder psychosomatisch eingestuft, ohne dass eine ausreichende Abklärung einer möglichen Schilddrüsen-Funktionsstörung erfolgt.


Symptome

Beim Auftreten von mehreren oder gar einer Häufung der nachfolgend aufgeführten Faktoren und Symptomen sollten weitergehende diagnostische Schritte zur Abklärung einer Schilddrüsenerkrankung erfolgen:

  • Werte und (Vor-)Diagnosen:


  • TSH > 2,5
  • Stark schwankender TSH-Wert
  • Diagnose Jodmangelstruma und Behandlung über einen längeren Zeitraum ohne Besserung



  • Häufige körperliche Symptome:


  • „Kloß im Hals“, Druckgefühl am oder im Hals, Strangulationsgefühl (auch nur phasenweise),
  • Häufiges Räuspern und Hüsteln, heißere oder belegte Stimme (auch nur phasenweise),
  • Kalte Haut,
  • niedrige Körpertemperatur (Basal-Temperatur),
  • verstärktes Kälteempfinden,
  • Körperliche Schwäche, häufig auch verbunden mit Muskelschmerzen,
  • Wassereinlagerungen / Schwellungen im Bereich der Augen, im Gesicht, im Bereich der Extremitäten
  • Verstopfung,
  • Müdigkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis (Achtung: auch Eisenmangel abklären),
  • Trockene Haut (ggf. Ekzeme),
  • Spröde und struppige Haare, Haarausfall,
  • Ausfall der Brauen,
  • Gewichtsveränderung im Unverhältnis zum Kalorieninput und zur Bewegungsintensität,
  • Verminderung des Hörvermögens (in seltenen Fällen Tinnitus)
  • Verspannungen im Bereich des Halses, des Schultergürtels, der Rückenmuskulatur
  • Erhöhte Lichtempfindlichkeit,
  • Trockene Schleimhäute,
  • Atemnot, Kurzatmigkeit
  • Pulsfrequenz stark erhöht (>100) oder stark verringert (< 60).
  • Karpaltunnelsyndrom
Da die Symptome nicht nur bei Schilddrüsenerkrankungen auftreten können, ist eine qualifizierte Differenzialdiagnostik erforderlich.



  • Psychische Symptome


  • Gedächtnisschwäche, Konzentrationsprobleme, Wortfindungsstörungen,
  • Fehlende oder zurückgehende psychische Belastbarkeit,
  • Depressive Verstimmung, Depression
  • Zunehmende Schreckhaftigkeit,
  • Angst- und Panikattacken,
  • Überforderungsängste,
  • Motivations- und Antriebslosigkeit.
Da nicht in allen Fällen körperliche Symptome auftreten, kann es mitunter zu Fehldiagnosen (z.B. endogene Depression) kommen.


Eine Hashimoto- Thyreoiditis kann (muss aber nicht) schubweise verlaufen, so dass die o.g. Symptome u.U. nur phasenweise auftauchen.



Diagnostik


Ob eine Hashimoto- Thyreoiditis vorliegt, kann nur durch eine angemessene Differenzialdiagnostik geklärt werden. Bestandteil dieser Diagnostik sind:

TSH (Thyreoidaeastimulierendes Hormon)
freies T4
freies T3 (Trijodthyronin)
Anti- TPO,
Anti-TG,
TRAK sowie
ein Sonogramm der Schilddrüse (Größe, Gewebestruktur).


Eine Schilddrüsendiagnostik, die sich ausschließlich auf dasTSH und fT3 und fT4 stützt – ist aus verschiedenen Gründen (mögliche Supprimierung durch TRAK, kurzfristige Übergangsphasen zwischen Über- und Unter-funktion) u.U. nicht aussagekräftig. Auch normwertiges TSH und normwertige fT- Werte sind – insbesondere beim Vorliegen von Symptomen (s.o.) - kein Ausschlusskriterium für Hashimoto. Häufig bringen erst die Bestimmung der Antikörper und ein Sonogramm Klarheit. In unklaren Fällen kann es erforderlich sein, einen TRH-Test durchzuführen.

Eine präzise Diagnostik ist insbesondere wichtig zur Abgrenzung gegenüber der Jodmangelstruma, einer Diagnose, die – außer bei extremen Vegetariern (Veganern) – aufgrund der starken allgemeinen Jodierung (vgl. Jodierung des Tierfutters) inzwischen eher unwahrscheinlich ist (Prof. Hotze, 2006: „Die Jodmangelstruma ist in Deutschland im Aussterben begriffen)“. Sie gilt als die häufigste Fehldiagnose bei Hashimoto und kann zu Fehlbehandlungen führen.

Unterfunktions- Symptome können bereits bei subklinischen (noch im Normbereich liegenden) Wertekonstellationenauftreten auftreten, weil der individuell Wertespielraum, bei dem Wohlbefinden erreicht wird, i.d.R. sehr viel kleiner ist als das statistische, interindividuelle Referenzwertspektrum (vgl. Hehrmann 2002). Selbst subklinische Wertekonstellationen können daher bereits eine Minderung der Lebensqualität nach sich ziehen, die behandlungsbedürftig sein kann. Beim Vorliegen von Symptomen behandeln fortschrittliche SD-Experten bereits ab einem TSH von 2,5, nicht zuletzt, um möglichen Folgeschäden (Geschlechtshormone, Herz-KreislaufErkrankungen) vorzubeugen.

Insbesondere in der Anfangsphase der Erkrankung kann die Unterscheidung zwischen Hashimoto und Morbus Basedow (eine Autoimmunerkrankung, die zur Überproduktion von Schilddrüsenhormonen führt) schwierig sein, da auch bei Hashimoto anfängliche Überfunktionsschübe auftreten können.


Therapie

Die Hashimoto- Thyreoiditis selbst ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht heilbar; die Unterfunktion der Schilddrüse kann (muss) jedoch therapiert werden. Ein Verzicht auf Therapie kann auf Dauer nicht nur zum Verlust der Lebensqualität, sondern bei schweren Verläufen zu lebensbedrohlichen Zuständen (Koma) führen. Die Therapie erfolgt durch (einschleichende) Substitution von Hormonen, wobei vor Beginn der Hormoneinnahme die Funktion der Nebennierenrinde abgeklärt werden sollte. Zudem wird die Gabe von Selen empfohlen.

Da eine Schilddrüsenunterfunktion häufig mit einem Mangel an Spurenelementen, Eisen, Magnesium und Vitaminen (z.B. B6, B12, D) einhergehen kann, kann sich eine diesbezügliche Abklärung lohnen. Jod ist zu meiden, da es die Aktivität der Schilddrüse erhöht, was die Angriffe des Autoimmunsystems verstärken kann. Jod- und Jodkombipräparate sind daher kontraindiziert. Sie sind beim Vorliegen einer Hashimoto-Diagnose bzw. erhöhtem Antikörper-Titer als ärzlicher Kunstfehler anzusehen. Es wird zudem empfohlen, auf jodiertes Speisesalz zu verzichten und den Konsum von Seefisch einzuschränken. „Normale“ Jodkonzentrationen in Lebensmitteln verursachen i.d.R. keine Probleme, wobei individuell höhere Empfindlichkeiten gegenüber Jod möglich sind.

In der Einstellungsphase sollten die maßgeblichen Werte alle 8-12 Wochen kontrolliert werden, im späteren Verlauf sind bei stabilem Befinden halbjährliche oder jährliche Kontrollen meist ausreichend. Da die Schilddrüse sich im Lauf der Erkrankung verändert, sind meist schrittweise Anpassungen der Hormondosis erforderlich.

Bei der Behandlung ist sehr viel Geduld erforderlich. Je länger eine Unterfunktion andauert und je schwerer sie ist, umso langwieriger ist es i.d.R., einen befriedigenden Hormonstatus und Wohlbefinden zu erreichen. Auch Schwankungen oder Schübe können zum Krankheitsbild gehören und stellen erhöhte Anforderungen an Patient, Arzt und Umfeld. Stellt sich auch auf Dauer keine Besserung ein, muss eine weitergehende Abklärung erfolgen (z.B. Schwäche der Nebennierenrinde, Umwandlungsstörung, Dysbalance der Geschlechtshormone, Vorliegen weiterer Autoimmunerkrankungen etc).


Sonstiges

Hashimoto-Patienten haben - gegenüber Gesunden - eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, an Krankheiten mit gesichertem oder vermutetem autoimmunen Hintergrund zu erkranken (z.B. Morbus Addison, endokrine Orbitopathie, Zöliakie, perniziöse Anämie, Diabetes, Sarkoidose, Endometriose, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Vitiligo, Rosacea, Lupus erythematodes, PCO- Syndrom u.a.m).


Weiterführende Informationen
10 Tipps zum Umgang mit HT
http://www.hashimotothyreoiditis.de/
http://www.kit-online.org/Hashimoto-Thyreoiditis
http://www.kit-online.org/acc/KIT-Hashimoto.pdf (ausdruckbar)
Erste Informationen
Info für neue Mitglieder
http://www.thyroidresearch.com/
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi
http://highwire.stanford.edu/
http://www.thyroidmanager.org/



Erfahrungsberichte

Links zu Erfahrungsberichten
Mut-mach-thread
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