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Thema: Leidet gerade jemand an einem Burnout?

  1. #1
    Benutzer mit vielen Beiträgen Avatar von Finchen1986
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    Standard Leidet gerade jemand an einem Burnout?

    Hallo zusammen!

    Ich bin gerade in einer für mich seltsamen und neuen "Gefühlslage", bzw. Gesundheitszustand.

    Kurz zu mir:
    Ich habe Hasimoto seitdem ich circa 14 Jahre alt bin. Inzwischen bin ich 35 Jahre alt. Damals wurde ich krank als ich noch Schülerin war. Keiner hatte mich und meine Symptome ernst genommen. Bis es mir gesundheitlich so schlecht ging, dass ich im Internet auf die Suche ging.

    Ich habe Hasimoto, Endometriose und PCO.

    Ich nehme Thyroxin, Thybon, Metformin (kein Diabetes, sondern wegen PCO). Ich schmiere Progesteron und nehme vom Neurologen Paroxetin und Opipramol (wegen Depressionen und anderer "Zipperlein".

    Ich hab mich aus dem tiefsten gesundheitlichen und psychischen Zustand wieder zurück ins Leben gekämpft und arbeite seit 3 Jahren Vollzeit in einem tollen Job. Ich hätte damals nie gedacht, dass das je möglich sei.

    Seit Corona habe ich mich überarbeitet und war auch seit Februar 2020 auch nicht mehr krank. Üblicherweise habe ich oft schwere Erkältungen oder Magen-Darm-Grippe.

    Und nun?

    Ich schlafe nur noch 4 bis 6 Stunden am Tag (früher wären es locker 8 bis 12 Stunden gewesen). Ich werde nicht mehr krank. Kann kaum noch schlafen. Arbeite wie ein Hamster im Rad.

    Gut ist das für mich nicht. Ich hatte im März diesen Jahres einen "Zusammenbruch" und war seither auch schon zwei mal in der Psychiatrie. Helfen konnten die mir nicht wirklich (die Krankenhäuser sind aber derzeit auch total überlastet, hinsichtlich der Psychiatrie).

    Das alles ist für mich sehr ungewohnt. Und irgendwie komm ich damit auch nicht so recht klar. Ich wollte immer fit sein und arbeiten. Jetzt bin ich so, aber finde keine richtige Ruhe.

    Kennt jemand etwas ähnliches und möchte sich hier mit mir austauschen?

    Viele Grüße

  2. #2
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    Standard AW: Leidet gerade jemand an einem Burnout?

    Hallo Finchen,

    bis ich selbst einen burnout hatte, dachte ich so mehr oder weniger, das sei so eine Modeerscheinung. Und obwohl recht reflektiert (vielleicht auch gerade deshalb , also recht verkopft), kam ich selbst nicht drauf. Dachte zunächst, das sei eine Depression. Die kannte ich ja immerhin. Das war im Winter 2018. Für mich kam sie wie aus heiterem Himmel (was sie so natürlich mitnichten war) und da sie mit einer sehr schweren Grippe einherhing mit Rückfall, ging ich erst einmal nicht arbeiten, war zu dem Zeitpunkt noch Freiberuflerin. Zwischen den Grippezuständen ging ich natürlich wieder arbeiten. Keine gute Idee. Danach war ich völlig ausgeknockt und es war ungelogen tiefschwarz in mir. Nahm dann ärztliche Hilfe in Anspruch und konnte auch langsam wieder arbeiten gehen. Zeitgleich "buchte" ich einen Akutklinikaufenthalt, weil mir langsam dämmerte, dass es das wohl nicht gewesen ist, meine Freude war auch noch nicht zurückgekehrt, hielt mich irgendwie noch aufrecht, MUSSTE natürlich arbeiten. Auf den Klinikaufenthalt, auf den ich dann allerdings in meiner bevorzugten Wunschklinik, die ich von früheren Aufenthalten kannte, noch bis in den Sommer hinein warten musste, arbeitete ich sozusagen hin.

    Erst in der Klinik und insbesondere während eines Vortrags zum Thema "burnout" kam mir ganz langsam zu Bewusstsein, dass ich zum Thema "Arbeit" eine Menge zu sagen (und mir angetan) hatte und ganz langsam fielen die Scheuklappen, was ich all die Jahre da mit mir veranstaltet hatte. Es gab de facto NUR noch die Arbeit in meinem Leben; ich brauchte sie tatsächlich, um zu leben. Ich heulte Rotz und Wasser und war zugleich erleichtert, dass das Kind einen Namen hatte. 7-Tage-Woche war normal für mich, Überstunden sowieso, Einspringen für KollegInnen, ich saß sogar im Auto auf der Fahrt in den Urlaub und arbeitete noch schnell was weg. Es gab auch sonst nichts, was mir viel wert war, fiel mir auf. Übel.

    So langsam fing ich nach dem Klinikaufenthalt wieder an zu arbeiten, gemäßigt - nicht mehr freiberuflich, sondern festangestellt. Dennoch machte ich den gleichen Fehler noch einmal etwa ab dem Herbst 2019, ich arbeitete wieder bis zum Umfallen und konnte NICHT MEHR abschalten (untrügliches Zeichen!), bis ich dann Ende 2019 kapitulierte, mit den Stunden runterging, aber da war's dann eigentlich schon wieder zu spät. Mitte März (pünktlich zu Corona) ging ich in den Krankenstand für lange Zeit. Muss dazu sagen, dass ich da nicht die tollste Stelle mit den hellsten Kerzen auf der Torte erwischt hatte. Trotzdem. War auf meinem Mist gewachsen. Zu dem Zeitpunkt war ich wieder mal fix und alle, allerdings längst nicht mehr so depressiv dabei, was ja nur gut war. Mit der ersten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hatte ich ganz schreckliche Angst, weil ich mir ein Leben ohne Arbeit einfach nicht vorstellen konnte, leistungsorientiert wie ich war.

    Was passierte, hat mich einigermaßen verblüfft: Fast mit dem ersten Tag der AU, an dem ich nicht mehr arbeiten musste, spürte ich eine riesengroße Erleichterung und Zentner fielen von meinem Herzen, so erschöpft und ausgebrannt war ich. Ich brauchte Monate, mich davon zu erholen. Ich habe viel gelernt in dieser Zeit. Momentan bewerbe ich mich und führe Vorstellungsgespräche - mit einer recht klaren Vorstellung dessen, was ich kann und was ich vor allem NICHT mehr will. Das tut sehr gut.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn es einem nicht mehr gelingt, sich zu erholen, sondern im ständigen Erschöpfungszustand bleibt, wenn man nicht mehr abschalten kann, wenn die Kontakte reduziert werden und flöten gehen (mithin der Kontakt zu sich selbst) - sind das recht sichere Zeichen für einen Burnout. Wenn zudem der Selbstwert wie bei mir über Arbeit und Leistung definiert wird, ist es höchste Not - mit einem Hang zur Perfektion (liegt in meinem Wesen, äußerste Genauigkeit mit Kontrolle, sehr zum Leidwesen meiner Mitmenschen) und man außerdem selbstkritisch bis zur Halskrause ist und hohe Ansprüche an sich und den Arbeitgeber stellt bei scheinbar hoher Belastbarkeit und Durch-, besser Aushaltevermögen, so sind auch das untrügliche Zeichen. Bei mir waren es eindeutig irgendwann Überforderungsgefühle und meine Differenzierungsfähigkeit ließ nach - schmiss alles nur noch in einen Topf, negative Gefühle zur Arbeit waren mein Tagesgeschäft.

    Was mir geholfen hat? Die Bewusstwerdung dazu, eine Phase der Trauer, die Kontakte zu ähnlich tickenden Menschen, die ähnliches erlebt haben, also letztlich auch Verständnis von außen. Mich wieder mehr MIR selbst zuzuwenden - und die Konsequenzen im Arbeitsleben, mich Schritt für Schritt auszuprobieren, was immer noch andauert, ohne den früheren übersteigerten Anspruch und Einsatz.

    Mir hat zudem eine Formel in dem damaligen Vortrag geholfen:
    statt Hungry --------------------> anhalten,
    statt Angry ---------------------> innehalten,
    statt Lonely --------------------> sich halten lassen,
    statt Tired ----------------------> sich aushalten.

    Dies kann ich auch nicht immer und ich vergesse es häufig, aber es hilft, sich das ab und an wieder ins Gedächtnis zu rufen, wenn ich in die falsche Richtung fahre ... denn burnouten kann man ja auch im normalen Leben außerhalb der Arbeit.
    Geändert von joia (18.06.21 um 23:59 Uhr)

  3. #3
    Benutzer mit vielen Beiträgen Avatar von Finchen1986
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    Standard AW: Leidet gerade jemand an einem Burnout?

    Ich danke Dir sehr herzlich für Deinen langen Text!

    Ich finde mich in Deinen Worten wieder.

    Ich werde mir die Formel anschauen und vieles das du schreibst beherzigen. Einiges ist mir ja bereits klar, es ist wohl nur noch nicht verinnerlicht.

    Alles Gute Dir bei einer passenden Stelle! Ich denke die habe ich bereits, ich muss nur wieder zurück finden. :-)

  4. #4
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    Standard AW: Leidet gerade jemand an einem Burnout?

    Kannst du denn am Wochenende mal richtig ausschlafen? Also geht das?

    Nur 4-6h Schlaf auf Dauer sind auf Dauer nicht gut.

  5. #5
    Benutzer mit vielen Beiträgen Avatar von Finchen1986
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    Standard AW: Leidet gerade jemand an einem Burnout?

    Ich könnte schon ausschlafen. Aber mein Körper lässt mich nicht. Nach 4 bis 6 Stunden bin ich wach. Bin dann den ganzen Tag über kaputt und müde, aber schlafen kann ich trotzdem nicht.

    Ich denke das liegt aber auch daran, dass ich in Überfunktion bin.

    Hab jetzt 5 Tage keine Hormone mehr genommen, nachdem ich sowieso schon reduziert hatte. Solangsam schlafe ich fast 7 Stunden. :-)

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