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Thema: Verschiedene Labore

  1. #1
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    Standard Verschiedene Labore

    Hallo ihr Lieben,
    Ich war schon sehr lange nicht mehr hier, fühle mich auch gut eingestellt.
    Ich bin auf der Suche.... bin aber noch nicht fündig geworden.
    Ich weiß, dass man die Prozentwerte nur im gleichen Labor vergleichen kann und nicht zwei verschiedene.
    Anderes Laborsystem, Referenzbereiche, Einheiten, Messsystem.
    Kann mir bitte jemand von euch mit einfachen Worten erklären, warum das so ist?
    Recht lieben Dank

  2. #2
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    Standard AW: Verschiedene Labore

    Ich versuche es mal.

    Du bekommst deine Laborergebnisse für fT4 und fT3 als Gramm pro Flüssigkeitsvolumen (z.B. ng/l) oder als Anteil der atomaren Verbindung pro Flüssigkeitsvolumen (pmol/l). Wirklich gemessen werden aber nicht deine fTs in Gramm oder Mol.

    Es läuft, stark vereinfacht, so ab(am Bsp für fT4) deine Blutprobe wird auf einen Träger getan, der Antikörper gegen ft4 enthält. Antikörper binden an ihr spezifisches Antigen (das freie T4 in deiner Blutprobe), darum bleiben die ungebundenen (=freien) Anteile des T4 aus deiner Blutprobe an dem Träger kleben. Jetzt wird noch ein zweiter Hilfsstoff dazu getan, der an diesen festgeklebten Ft4-Teilen anbindet. Darin ist etwas, das chemisch reagieren kann, mit einer Flüssigkeit, die wiederum zur Probe kommt. Durch diese Reaktion gibt es ein Leuchten unterschiedlicher Stärke. Die Lichtintensität kann man messen. Das kann man umrechnen auf einen Wert von fT4 in ng/l oder pmol/l.

    Für die Messverfahren gibt es aber unterschiedliche Hersteller. Die benutzen unterschiedlich hergestellte Antigene (um dein freies T4 aus einer Probe zu fischen, in der auch gebundenes ist), unterschiedliche Marker, damit das rausgefischte freie T4 dann leuchtet und unterschiedliche Berechnungen, woraus sie bestimmen, welche Lichtintensität wieviel ng entspricht.

    Da das jeder Hersteller anders macht (bei allen drei Schritten), kannst du die Absolutwerte nicht vergleichen.

    Wenn man jetzt dieselbe Population mit unterschiedlichen Messverfahren testen würde, sollten sie doch bei den Prozenten vergleichbar sein? Das ist leider nicht so. In einem Bereich von 45% des Referenzbereichs zeigen die unterschiedlichen Verfahren in Prozent des Ref-Bereichs halbwegs ähnliche Ergebnisse. Aber wenn du dich aus diesem Bereich herausbewegst, zeigen einige tiefere und andere höhere Absolutwerte. (Stell dir zwei Geraden mit unterschiedlicher Steigung vor, die sich etwa auf 40% des Ref.-Bereiches schneiden: der Abstand wird umso größer, je weiter du davon wegkommst. )

    Einfach war das jetzt nicht. Und konkreter wird es noch komplizierter.
    Geändert von Ness (10.07.20 um 23:49 Uhr)

  3. #3
    Benutzer mit vielen Beiträgen Avatar von panna
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    Standard AW: Verschiedene Labore

    Zitat Zitat von Lilo0314 Beitrag anzeigen
    Anderes Laborsystem, Referenzbereiche, Einheiten, Messsystem.
    Kann mir bitte jemand von euch mit einfachen Worten erklären, warum das so ist?
    Die wirklich technischen Einzelheiten sind mir zu kompliziert, ich ergänze Ness' Ausführung nur, bevor sie weiterschreibt, durch das, was ich in der "Schilddrüsenbibel" thyroidmanager.org fand (und jenseits technischer Details auch verstand).

    Die freien Anteile von T4 und T3 sind winzigst. 99,9 Prozent des Gesamt-T4 und 99,7 Prozent des Gesamt-T3 ist proteingebunden. Diese winzigen freien Anteile physisch zu separieren und zu messen ist eine Herausforderung, und auch wenn machbar, wäre das exzessiv teuer und daher nicht realistisch im Labor-Alltag. Die heute am meisten verwendeten Messmethoden sind alle sog. "indirekte" Methoden, anders gesagt: Schätzungen (gemessen wird also eigentlich etwas anderes, und daraus schließt man an den freien Anteil, s. Ness oben). Um zu solchen Schätzungen zu gelangen, benutzt man, wie Ness oben anfing auszuführen, unterschiedliche Ingrendienzen, Antikörper, Methoden und Verfahren. Dass diese Schätzungen allein infolge der Unterschiedlichkeit der eingesetzten Mittel dann eher kaum einheitliche Ergebnisse bringen können, leuchtet schon mal ein, glaube ich.

    Und hier kommt ein Satz, den ich wörtlich übersetze, weil ich glaube, dass das zentral wichtig (und gleichzeitig einfach) fürs Verständnis ist:

    Currently, most FT4 and FT3 immunoassays display significant negative or positive biases that exceed the intra-individual biological variability
    Gegenwärtig zeigen die meisten fT3- und fT4-Immunassays [=meistverwendetes indirektes Messverfahren in vielen Messkits] bedeutsame positive oder negative Verzerrungen, die wesentlich größer sind als die intraindividuell übliche Variabilität der Werte [d.h. die innerhalb einer Person vorkommenden üblichen individuellen Hormonschwankungen].

    Ganz platt: Die eine Methode schätzt höher, die andere niedriger, und das in einem größeren Umfang, als die normal üblichen kleinen Schwankungen im Serum - da kann man nicht nur, man *muss* sich die Prozente zum Vergleich von Werten schenken, wenn man nicht irregeführt werden will.

    **

    Und der Vergleich von Werten im selben Labor? ja, in der Regel schon etwas realistischer, aber:
    https://www.ht-mb.de/forum/showthrea...rgung-zu-haben
    https://www.ht-mb.de/forum/showthrea...aunliche-Werte
    Geändert von panna (11.07.20 um 21:13 Uhr)

  4. #4
    Benutzer
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    Standard AW: Verschiedene Labore

    Verstanden!

    Ich danke euch recht herzlich!

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