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Thema: Depression, Fibromyalgie bei Hashimoto - welche Rolle spielt der Autoimmunprozess?

  1. #1
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    Standard Depression, Fibromyalgie bei Hashimoto - welche Rolle spielt der Autoimmunprozess?

    Hallo zusammen,

    ich lese hier immer wieder von Fibromyalgie-diagnostizierten oder auch depressiven Störungen. Ich selbst bin ebenfalls von Fibromyalgie und Depression betroffen, das ganze trat bei mir aus dem nichts mit 19 Jahren auf (inzwischen bin ich 27). Also habe ich zur Ursachenforschung mal wieder die Literatur durchforstet und dachte ich teile mit euch, was ich gefunden habe. Vielleicht gibt es euch auch ein bisschen Hoffnung. Denn es gibt schon einiges als Literatur, was den Autoimmunprozess bei Hashimoto als potentielle Ursache für allerlei Symptome nahelegt. Das hilft mir insofern, als dass ich eine mögliche Erklärung für meine Symptome habe und dies im Hinterkopf behalten kann, wenn von Mitmenschen oder Ärzten die Symptome als eingebildet oder psychisch abgestempelt werden.

    Ich möchte mit meinen recherchieren Artikeln nicht in Frage stellen, dass eine schlechte SD-Einstellung oder auch Nährstoffmängel bei vielen Nutzern hier für ihre Symptome verantwortlich sind. Ich beziehe mich eher auf Personen, die trotz adäquater Hormoneinstellung weiter unter Symptomen unerklärter Ursache leiden.





    Zunächst einige Artikel, welche einen Zusammenhang von erhöhten SD-Antikörpern ( aka Schilddrüsenautoimmunität) und Symptomen oder verringerter Lebensqualität nachweisen konnten:

    Thyroid peroxidase antibody positivity is associated with symptomatic distress in patients with Hashimoto's thyroiditis
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22285302

    ‘In contrast, TPO-Abs positivity, defined as TPO-Abs >100 IU/l, significantly predicted poorer psychosocial well-being in all of the three SCL-90-R global indices after three years, even after correction (all p≤0.02). In conclusion, high TPO-Abs are associated with poor physical and psychological well-being and appear to predict future health perception in HT patients.’

    --> Müssig et. al. zeigten bei 64 euthyreoten Hashimoto-Patienten eine signifikante Korrelation zwischen der Höhe der TPO- Antikörper und körperlichen Symptomen, Depression und Zwangssymptomen.


    Cognitive functioning and quality of life in patients with Hashimoto thyroiditis on long-term levothyroxine replacement
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29959689

    ‘QoL was impaired in patients. There was a significant negative correlation between antibodies (TPOAb, TgAb) and quality in life (total SF36 score).’

    -->Djurovic et. al. verglichen die kognitive Funktion und die Lebensqualität von 130 Hashimoto-Patienten und 111 gesunden Kontrollen. Die freien Schilddrüsenhormonlevel unterschieden sich in den beiden Gruppen nicht, der TSH-Wert war allerdings in der Hashimoto-Gruppe höher (allerdings noch in der Norm). Die Lebensqualität der Hashimoto-Patienten war signifikant eingeschräkt. Dabei zeigte sich eine negative Korrelation zwischen der Höhe der Antikörper und der Lebensqualität, das heißt, je höher die Antikörper waren, desto schlechter war die Lebensqualität.

    Autoimmunity affects health-related quality of life in patients with Hashimoto’s thyroiditis
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27523457

    'As all patients were euthyroid, there was a significant negative cor- relation between each domain score and the antibody levels, individually. Patients who had higher anti-TPO and anti-Tg levels had significantly lower quality of life domain scores (p < 0.001). There was statistically no significant correlation between the antibody levels and thyroid function tests (p > 0.05).'

    -->84 euthyreote Hashimoto-Patienten in der Türkei wurden in die Studie eingeschlossen. Patienten mit höheren Anti-TPO und Anti-TG-Titern zeigten eine geringere Lebensqualität. Es zeigte sich dabei keine Korrelation zwischen der Höhe der Antikörper und den Schilddrüsenwerten.


    Thyroidectomy Versus Medical Management for Euthyroid Patients With Hashimoto Disease and Persisting Symptoms: A Randomized Trial.
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30856652

    'Total thyroidectomy improved health-related quality of life and fatigue, whereas medical therapy did not. This improvement, along with concomitant elimination of serum anti-TPO antibodies, may elucidate disease mechanisms.'

    -->Bei 150 euthyreoten Hashimoto-Patienten mit persistierenden Symptomen und TPO-Antikörpern, welche höher als 1000 IU/ml waren, wurde entweder die Schilddrüse entfernt oder die SD-Hormonsubstitution unter Euthyreose fortgeführt. Ergebnis: Nach Thyreodektomie verbesserten sich Fatigue und die Lebensqualität, in der anderen Gruppe nicht.


    Hashimoto's thyroiditis affects symptom load and quality of life unrelated to hypothyroidism: a prospective case-control study in women undergoing thyroidectomy for benign goiter.
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21186954

    The mean number of reported symptoms was significantly higher in patients with anti-TPO levels >121.0 IU/mL than in the other group (6.7 ± 2.5 vs. 4.1 ± 2.8; p < 0.001). There were no differences in preoperative thyroid-stimulating hormone levels (1.7 ± 1.3 vs. 1.5 ± 1.4 μU/mL, respectively; p = 0.155). Chronic fatigue, dry hair, chronic irritability, chronic nervousness, a history of breast cancer and early miscarriage, and lower quality-of-life levels were significantly associated with anti-TPO levels exceeding the cut-off point (p < 0.05).

    --> Bei Patientinnen, bei welchen die SD aufgrund einer benignen Struma entfernt werden sollte, wurden Symptome und die perioperative Höhe der TPO-Antikörper in Bezug gesetzt. Erhöhte TPO-Level zeigten dabei eine Korrelation mit verringerter Lebensqualität und diversen Symptomen.

  2. #2
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    Standard AW: Depression, Fibromyalgie bei Hashimoto - welche Rolle spielt der Autoimmunprozess

    Anschließend noch einige Fälle von psychischen Einschränkungen vor allem Depression, die wahrscheinlich SD-autoimmun bedingt waren und durch eine Therapie mit hochdosierten Steroiden zurückgebildet haben:

    Steroid responsive encephalopathy associated with autoimmune thyroiditis (SREAT) presenting as major depression
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4895894/

    --> Fall einer 50-jährigen euthyreoten Hashimoto-Patientin mit einer Therapie-refraktären Depression von über 2 Jahren. Die Höhe der TPO-Antikörper lag bei 804 IU/ml. Eine Hashimoto-assoziierte Enzephalopathie als Ursache wurde vermutet. Nach Steroidtherapie bildete sich die Depression und die damit verbundenen kognitiven Einschränkungen bei der Patientin vollständig zurück und die Antikörper sanken.


    Encephalopathy associated with autoimmune thyroid disease (Hashimoto's thyroiditis) presenting as depression: a case report
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21762998

    --> 46-jähriger Hashimoto-Patient mit plötzlich aufgetretenen Angstzuständen und Agitation und Symptomen einer Depression. Die Anti-TG-Ak lagen bei 154.07 IU/ml und die Anti-TPO-AK bei 1697.8 IU/ml. Allerdings war der Patient hypothyreot mit einem TSH von 66.7 und einem T4-Wert unter der Norm. Eine Liquorpunktion zeigte ein entzündliches Geschehen im zentralen Nervensystem, allerdings ohne Zeichen einer Infektion. Es traten unspezifische Veränderungen im EEG auf. Unter Kortisonstoßtherapie bildeten sich die Symptome schnell und vollständig zurück. Es wurde die Diagnose einer Enzephalopathie durch Schilddrüsenautoimmunität gestellt.


    The Misdiagnosis of Steroid-Responsive Encephalopathy Associated with Autoimmune Thyroiditis as Masked Depression in an Elderly Euthyroid Woman
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23453127

    --> 72-jährige Patientin mit fortschreitender Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Fatigue, Gedächnisstörungen, Verlangsamung, Wortfindungsstörungen ohne subjektive depressive Stimmung. Die Patientin wurde seit 5 Jahren mit L-Thyroxin behandelt aufgrund einer Schilddrüsenunterfunktion und die Schilddrüsenwerte zeigten sich allesamt im mittleren Normbereich. Der Anti-TPO-Titer lag bei 1097.1 IU/ml und der Anti-TG-Titer bei 180.8 IU/ml. Die Patientin wurde mit Steroiden und Hydroxychloroquin (Immunsuppressivum) behandelt, nach circa 2 Wochen verbesserten sich die subjektiv berichteten kognitiven Einschränkungen. Der Anti-TPO-Titer war auf 314 IU/ml gesunken. Im Verlauf kam es zu einem Wiederaufflammen der Symptome, unter immunsuppressiver Therapie mit Steroiden und Cyclophosphamid kam es wiederum zu einem Rückgang der Symptomatik.


    Autonomic alterations as a clinical manifestation of encephalopathy associated with autoimmune thyroid disease
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29806619

    --> 59-jährige Hashimoto-Patientin mit Gangstörungen, wiederkehrenden Stürzen, Sprachstörungen, verminderter Konzentration und Schläfrigkeit stellte sich wiederholt im Krankenhaus vor. Die Schilddrüsenwerte zeigten dabei immer eine Euthyreose oder eine subklinische Hypothyreose. Die Anti-TPO-Antikörper waren immer positiv, allerdings nie mehr als das zehnfache über den Normbereich erhöht. Bereits innerhalb der ersten 24 h nach Einleitung einer Therapie mit hochdosierten Steroiden verbesserten sich die Symptome drastisch, nach 2 Wochen waren die neurologischen und kognitiven Symptome vollständig verschwunden, sodass die Diagnose einer ‚ENCEPHALOPATHY associated with autoimmune thyroid disease‘ gestellt wurde (andere Ursachen wurdem zudem ausgeschlossen).


    A selective memory deficit caused by autoimmune encephalopathy associated with Hashimotothyroiditis.
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22960439

    --> Fall einer 45-jährigen euthyreoten Hashimoto-Patientin mit Gedächtnisproblemen und verschlechteter Konzentration über 2 Jahre. Unter Dexametasontherapie kam es zu einem vollständigen Rückgang der Symptome.


    LG, Twiix

  3. #3
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    Standard AW: Depression, Fibromyalgie bei Hashimoto - welche Rolle spielt der Autoimmunprozess

    Schon recht interessant, Twiix, danke fürs Einstellen.

    Hohe TPO-AK vergesellschaften sich auch sonst gerne mit Unliebsamem (Postpartale-Thyreoiditis- und Fehlgeburt-Wahrscheinlichkeiten). Allerdings nicht zwingend.

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