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Thema: ETA-Richtlinien für die Therapie des Morbus Basedow, 2018

  1. #1
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    Standard ETA-Richtlinien für die Therapie des Morbus Basedow, 2018

    Die European Thyroid Association hat Richtlinien für die Behandlung von MB zusammengestellt. Ich übersetze nur ausgewählte Punkte darin, diejenigen, die neu oder bis jetzt nicht wirklich so bekannt waren. Was uns hier so allgemein bekannt ist und/oder in den MB-Einführungsbeiträgen (oder sonstwo unter meinen eigenen Themen) bereits erwähnt ist, führe ich hier nicht mehr an. Einiges, auf das man sich bei Ärzten beziehen kann, wenn sie Abweichendes empfehlen, übersetze ich auch.

    Schilddrüsenhemmer-Therapie

    • PTU (das ja aus sonstigen Gründen bis auf Ausnahmefälle nicht mehr eingesetzt werden sollte) hemmt die Umwandlung nur bei höherer Dosis.
    • TSH alleine ist nicht geeignet für die Verfolgung des Therapieerfolgs, da es bei MB lange Zeit nicht mit den freien Werten gekoppelt ist. Zur Dosisanpassung sollten die freien Werte zugrunde gelegt werden.
    • Optimale Dauer: 12-18 Monate. Bei andauernd hohen TRAK kann Fortsetzung der Therapie für ein weiteres Jahr erwogen werden (dies für Ärzte, die nach einem Jahr absetzen wollen).
    • TRAK-Spiegel sollte vor Absetzen auf jeden Fall nochmal gemessen werden.
    • Nach Rezidiv wird standardmäßig eine definitive Therapie nahegelegt, allerdings *kann* eine niedrig dosierte Langzeitbehandlung nach einem Rezidiv erwogen werden bzw. manchmal eine bessere Alternative als eine RJT sein, dafür spricht nicht zuletzt die vergleichsweise hohe Wahrscheinlichkeit von EO (Ausbruch oder Verschlechterung) nach RJT.
    • Bei latenter Überfunktion im Zuge eines schwach ausgeprägten MB kann abgewartet werden - bis auf ältere Leute, die wegen des hohen Risikoprofils einer latenten ÜF behandelt werden sollten.


    Radiojodtherapie, RJT

    • Es gibt sehr wenige prospektive Studien mit gutem Studiendesign über RJT, viele Fragen über Indikation, Dosis, Wirksamkeit und Nebenwirkungen bleiben offen.
    • Ionisierende Strahlen bewirken in den Zellen genetischen Schaden, Mutationen oder Zelltod. In der Folge reduziert sich die Schilddrüsenfunktion und/oder die Größe der Schilddrüse. Es gibt weder zuverlässige Messmethoden für die Schätzung der individuellen Strahlensensitivität, noch kann man den klinischen Erfolg voraussagen.
    • Was die Dosis angeht: Es gilt das Prinzip so wenig wie möglich (für den gewünschten Effekt), allerdings ist dies ein schwer konkretisierbares Erfordernis, so dass viele Ärzte die Vorab-Kalkulation der Dosis aufgegeben haben und fixe, von der Größe der Schilddrüse abhängige Dosierungen bevorzugen (185, 370, or 555 MBq).
    • Patienten sollten informiert werden, dass es in vielen Fällen weitere RJT notwendig werden. Eine dosisabhängig starke Hypothyreose tritt bei 5 und 50 % der Behandelten nach einem Jahr (merke: es ist nicht von kompletter Zerstörung die Rede, d.h. Rezidivgefahr nicht klar ausgesprochen, aber implizit). In späteren Jahren erreichen weitere 3-5% der Behandelten eine nicht mehr von der Strahlendosis abhängige Hypothyreose. Niedrigdosierte Strahlung erhöht das Rezidivrisiko. (Und jetzt der Hammer - ich fasse es nicht Eine vergrößerte Schilddrüse und/oder ektopes Gewebe (=außerhalb der normalen Schilddrüsenposition, im Brustkorb) stellen keine Kontraindikation dar. (also nicht wirklich wärmstens empfohlen, aber auch nicht verboten ... ist hier das Prinzip "eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus" wirksam, frage ich mich?)
    • Vor und nach der RJT sollten Hemmer für eine Woche abgesetzt werden, sie hindern die Aufnahme des radioaktiven Jods.
    • Es ist nicht gut möglich, bei Überfunktion nach RJT zwischen Misserfolg vs Folge der Therapie zu unterscheiden. Wenn 3 Monate nach RJT noch immer erhöhte Hormonwerte gemessen werden, ist die RJT gescheitert.
    • In ca. 3-20 % der Behandelten ist eine eintrende Unterfunktion vorübergehend, nicht endgültig. Dennoch sollten Hormone verabreicht werden, um eine EO durch die UF nicht zu begünstigen.
    • In 15-33 % Prozent der Behandelten gibt es nach RJT ein Neuauftreten von EO oder eine Verschlechterung einer bestehenden EO.


    Thyreoidektomie

    • Thyreoidektomie (Totaloperation) anstatt beidseitiger subtotaler Operation ist die Methode der Wahl, weil das Risikoprofil gleich ist, das Rezidivrisiko hingegen nur bei Totaloperation bei Null liegt.
    • Eine Totaloperation sollte durch einen in dieser speziellen Prozedur hochgradig erfahrenen Chirurgen durchgeführt werden (empfehlen wir hier immer, steht jetzt so in den Richtlinien).


    Schwangerschaft

    • 2-4 % der Föten von Müttern, die Hemmer (insbesondere zwischen den Schwangerschaftswochen 6-10) nehmen, erleiden schwere Missbildungen.
    • Jede Frau mit autoimmuner Thyreopathie (d.h.: *auch Hashis*!) sollte bei Eintreten einer Schwangerschaft die TRAK kontrollieren lassen, und wenn erhöht, sollte der Wert auch bei Nicht-MB-Kranken nochmal um die Mitte der Schwangerschaft kontrolliert werden (dies ist wegen der möglichen Beeinflussung der kindlichen Schilddrüsenfunktion auch dann, wenn die Mutter asymptomatisch ist oder Hashimoto hat).


    Volltext-Quelle: https://www.karger.com/Article/FullText/490384
    PS
    Ausgegrautes in der Übersetzung ist von mir.
    Geändert von panna (13.08.18 um 14:30 Uhr)

  2. #2
    Benutzer mit vielen Beiträgen Avatar von RalfWei
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    Standard AW: ETA-Richtlinien für die Therapie des Morbus Basedow, 2018

    Danke panna. Sehr hilfreiche Texte.

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