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Thema: Wichtig: HASHIMOTO Infos für neue Mitglieder - BITTE ZUERST LESEN, DANN POSTEN!

  1. #1
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    Ausrufezeichen Wichtig: HASHIMOTO Infos für neue Mitglieder - BITTE ZUERST LESEN, DANN POSTEN!

    Willkommen im Forum!

    Bitte lest euch diesen Beitrag durch, bevor ihr Fragen im Forum stellt. Die anfänglichen Fragen und Probleme ähneln sich erfahrungsgemäß, aus diesem Grund stellen wir euch die grundlegenden Informationen in kompakter Form bereit.

    Bitte unbedingt beachten:

    Die vorliegenden Informationen bieten einen ersten Überblick und sind von Laien verfasst worden. Sie ersetzen keinen Arztbesuch. Für Diagnose und Behandlung sind Fachärzte zuständig.

    Die Verfasser haben sich bemüht, korrekte Informationen bereitzustellen. Eine fachliche Kontrolle oder Korrektur findet jedoch weder im Forum, noch bei diesem Beitrag statt. Die im Impressum genannten Ärzte sind für die Inhalte außerhalb des Forums verantwortlich (http://www.hashimotothyreoiditis.de), jedoch nicht für die Inhalte der Forenbeiträge und auch nicht für diesen Einführungsbeitrag.



    Folgende Themen werden angesprochen:

    1. Was ist Hashimoto?

    2. Gibt es typische Symptome?

    3. Diagnose [klick]
    a) Blutuntersuchung
    b) Ultraschall
    c) Habe ich nun Hashimoto oder nicht?

    4. Wann wird behandelt? [klick]

    5. Wie wird behandelt?

    6. Die Einstellung mit Schilddrüsenhormonen [klick]

    7. Gibt es Dinge, die man als Hashimoto-Betroffene/r nun immer beachten oder gar meiden muss?

    8. Tipps zur Nutzung des Forums




    1. Was ist Hashimoto?

    Die Hashimoto Thyreoiditis ist eine autoimmune Entzündung der Schilddrüse. D.h., der Körper betrachtet die Schilddrüse als Fremdkörper und zerstört das Schilddrüsengewebe. Es gibt eine hypertrophe Form, bei der sich die Schilddrüse vergrößert (die eigentliche Hashimoto Thyreoiditis), und eine atrophe Form, bei der die Schilddrüse kleiner wird (heißt korrekt Ord-Thyreoiditis). Die atrophe Form ist in Europa häufiger als die hypertrophe, beide Formen werden in der Regel "Hashimoto-Thyreoiditis" genannt. Betroffen sind ca. 6 - 10 % der Bevölkerung, Frauen etwa zehn mal häufiger als Männer.

    Besonders zu Beginn der Erkrankung kommt es häufig durch die Freisetzung zerstörten Schilddrüsengewebes zu Überfunktionsphasen (Hashitoxikose), aber auch im Verlauf der Erkrankung kann es immer wieder Zerstörungsschübe geben. Mit fortschreitender Zerstörung des Schilddrüsengewebes kommt es dann meist zur irreversiblen Unterfunktion (primäre Hypothyreose).

    Nach derzeitigem Wissensstand sind die Ursachen der Hashimoto Thyreoiditis nicht bekannt, und sie gilt insofern als unheilbar, als man weder die normale Funktion der Schilddrüse wiederherstellen, noch den Autoimmunprozess grundsätzlich verhindern kann. Hashimoto ist eine Krankheit, die, wenn sie therapiert wird, eine normale Lebensführung in der Regel nicht beeinträchtigt, keine Behinderungen auslöst und die Lebenserwartung nicht verkürzt.


    2. Gibt es typische Symptome?

    Die möglichen Symptome sind vielfältig und unspezifisch, oft entwickeln sie sich schleichend. Sie erscheinen mitunter widersprüchlich, es kann bspw. Heißhunger auftreten oder Appetitlosigkeit, der Puls kann erniedrigt oder auch erhöht sein. Häufig wird von Müdigkeit, Leistungs- und Konzentrationsschwäche, Gewichtszunahme, Frieren, depressiver Gemütsverfassung, Antriebslosigkeit, Haarausfall, Gelenk- und Muskelbeschwerden, Infektanfälligkeit, Schlafstörungen, Angst- und Panikattacken, Gelenk- und Muskelschmerzen, Menstruationsbeschwerden usw. berichtet. Die Symptome können einzeln oder gemeinsam, schubweise oder auch ständig auftreten.

    Es kann also zu einer Vielzahl von belastenden Beschwerden kommen, ohne dass diese eindeutig und zweifelsfrei der Schilddrüse zugeordnet werden können bzw. ein typisches Bild ergeben. Dass die beschriebenen Symptome auch andere Ursachen haben können, kann dazu führen, dass die Schilddrüse gar nicht oder spät, häufig erst nach einer Ärzte-Odyssee, gründlich untersucht wird. Es empfiehlt sich also, selbst aktiv zu werden und sich zu informieren, um sowohl mit der Krankheit als auch mit Ärzten souverän umgehen zu können.
    Geändert von Dini (03.04.18 um 20:25 Uhr)

  2. #2
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    Standard 3. Diagnose

    3. Diagnose

    a) Blutuntersuchung

    Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung wird der Hausarzt i.d.R. zunächst TSH bestimmen lassen. TSH ist ein Steuerungshormon, das von der Hypophyse ausgeschüttet wird und die Schilddrüse zur Produktion von Hormonen anregt.

    Die eigentlichen Schilddrüsenhormone sind T3 und T4, deren freie Anteile fT3 und fT4 gemessen werden.
    fT3 = stoffwechselaktives Hormon, wird im Körper hauptsächlich durch Dejodierung (= Umwandlung) aus T4 gebildet und nur zu einem geringen Teil von der Schilddrüse selbst ausgeschüttet.
    fT4 = "Speicherhormon", das in T3 umgewandelt wird.

    Für die Blutwerte gibt es sog. Referenz- oder Normbereiche, d.h. Mindest- bzw. Höchstwerte, die meist in Klammern auf dem Laborzettel angegeben sind. Die Normbereiche für die freien Werte sind labor- bzw. verfahrensabhängig, man kann fT3 und fT4 daher nur auf der Basis der "mitgelieferten" Referenzwerte beurteilen.
    Folgende diagnoserelevante Wertekonstellationen gibt es:

    • Euthyreose (= normale Funktion): TSH und freie Werte sind innerhalb der Normbereiche.
    • Latente Unterfunktion (latente Hypothyreose): TSH erhöht, freie Werte innerhalb der Normbereiche.
    • Manifeste Unterfunktion (manifeste Hypothyreose): TSH erhöht und fT4 erniedrigt. Meist ist fT3 noch normal und fällt erst bei sehr schweren Unterfunktionen unter die Norm.
    • Latente Überfunktion (latente Hyperthyreose): TSH erniedrigt, freie Werte innerhalb der Normbereiche.
    • Manifeste Überfunktion (manifeste Hyperthyreose): TSH erniedrigt, ein oder beide freien Werte erhöht.


    Antikörper:
    Auch die Normbereiche für die Antikörper sind labor- bzw. verfahrensabhängig. Gemessen werden sollten
    • TPO-AK (= MAK): "typisch" für Hashimoto
    • TG-AK (= TAK): häufig bei Hashimoto
    • TSH-AK (= TRAK = TSH-R-AK): bei Hashimoto möglich, sprechen aber eher für Morbus Basedow.

    Auch Gesunde können TPO-AK und/oder TG-AK aufweisen, in Ausnahmefällen auch TRAK. Die Diagnose "Hashimoto Thyreoiditis" wird erst anhand deutlich erhöhter Antikörper gestellt. Umgekehrt kann Hashimoto nicht ausgeschlossen werden, wenn man keine Antikörper findet. Aus abrechnungstechnischen Gründen werden in einem Quartal nicht alle drei Arten von Antikörpern bestimmt. In der Regel verzichtet man auf die weniger spezifischen TG-AK.
    Die Antikörper entstehen beim Autoimmunprozess, haben selbst jedoch keine Auswirkungen und verursachen keine Symptome. Die Höhe der Antikörperspiegel kann sehr stark schwanken, eine Bedeutung für den Verlauf der Krankheit ist unklar.

    Die Hashimoto-Diagnose auf Basis der Blutuntersuchung bringt Probleme mit sich:
    • Normwerte sind statistische Größen, sie beschreiben relativ große Bereiche, die für die Mehrheit passen. In welchem Teilbereich sich der Einzelne wohl fühlt, lässt sich so nicht vorhersagen. Man kann das mit Schuhgrößen vergleichen - die meisten haben eine Schuhgröße zwischen 36 und 50. Trotzdem wird jemandem mit Größe 39 ein Schuh der Größe 44 nicht passen, außerdem gibt es Menschen mit kleineren und solche mit größeren Füßen. Auf TSH, fT3 und fT4 übertragen heißt das, dass scheinbar normale Blutwerte bei den Betroffenen bereits durch die Krankheit verändert sein können und kein individuelles Optimum mehr darstellen, wie dies bei Gesunden der Fall wäre. Andererseits können auch scheinbar auffällige Blutwerte (am oberen oder unteren Rand bzw. darüber hinaus) für den Einzelnen das individuelle Optimum sein.
    • Schilddrüsenhormone werden nicht bei Routineblutuntersuchungen bestimmt, sondern erst bei Verdacht oder im Rahmen eines Check-up. Der Arzt muss sie also ausdrücklich anfordern. Da das Budget von Hausärzten begrenzt ist, bleibt es u.U. bei der Messung von TSH. Ist das in der statistischen Norm, wird möglicherweise nicht weiter untersucht. Fachärzte (Endokrinologen und Nuklearmediziner) haben ein größeres Budget und lassen i.d.R. alle relevanten Werte bestimmen.




    b) Sonographie

    Bei der Sonographie wird mittels Ultraschall das Schilddrüsengewebe untersucht und die Größe der Schilddrüse ermittelt. Typisch für Hashimoto ist inhomogenes und/oder echoarmes Gewebe.

    Die Messung der Schilddrüsengröße hängt von der Qualität der verwendeten Geräte und vom Diagnostiker ab, man muss also mit untersuchungsbedingten Schwankungen rechnen. Für die Diagnose ist ohnehin nur eine vergrößerte Schilddrüse (hypertrophe Form) relevant. Es gibt keine offizielle Untergrenze, ab der eine Schilddrüse als zu klein gilt. Bei der atrophen Form wird die Schilddrüse daher lediglich als "eher klein" umschrieben.

    Die Sonographie sollte von einem Facharzt durchgeführt werden, weil sie fachkundiger und ihre Geräte meist moderner sind.


    c) Habe ich nun Hashimoto oder nicht?

    Die Diagnose ist nicht immer eindeutig. Oft steht im Facharztbefund nur "Verdacht auf Hashimoto Thyreoiditis" oder "Zustand nach..." Meist wird Hashimoto nach dem Auftreten der Unterfunktion entdeckt, weil man wegen der Symptome einen Arzt aufgesucht hat. Zu diesem Zeitpunkt können aber die Antikörper - auch wenn sie mal deutlich erhöht waren - schon wieder gesunken sein. Die Blutuntersuchung zeigt dann nur die Unterfunktion an, nicht aber das Autoimmungeschehen.

    Bei der atrophen Form kann die Sonographie den Befund einer (eher) kleinen Schilddrüse mit unauffälligem (= gesundem) Gewebe ergeben, weil das zerstörte Gewebe abgebaut wurde. Da "zu klein" aber kein Diagnosekriterium ist, würde auch hier die Diagnose nicht gestellt werden.

    Allerdings ist Hashimoto die wahrscheinlichste Ursache einer auffällig kleinen Schilddrüse und auch eine wahrscheinliche Ursache einer Unterfunktion. Die andere klassische Unterfunktionsursache wäre Jodmangel. Dieser würde aber zu einer Vergrößerung der Schilddrüse (Jodmangelstruma bzw. Kropf) bei intaktem Gewebe führen. Außerdem werden in Deutschland seit Jahren Nahrungs- und Futtermittel mit Jod angereichert, so dass Jodmangel unwahrscheinlich ist.


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    Geändert von Dini (03.04.18 um 20:27 Uhr)

  3. #3
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    Standard 4. Wann wird behandelt? 5. Wie wird behandelt?

    4. Wann wird behandelt?

    Es wird nicht die Hashimoto Thyreoiditis an sich behandelt, sondern nur die Folge des Autoimmunprozesses, die Unterfunktion. Das heißt, die fehlenden Hormone werden ersetzt. Die Behandlung beginnt also idealerweise dann, wenn die Schilddrüse nicht mehr genug Hormone produzieren kann. So einfach und logisch das klingt, so schwierig kann es werden, denn um eine Unterfunktion festzustellen, bedient man sich der Normwerte (siehe oben).

    Normwerte sind statistische Größen, sie beschreiben relativ große Bereiche, die für die Mehrheit passen. In welchem Teilbereich sich der Einzelne wohl fühlt, lässt sich so nicht vorhersagen. Man kann das mit Schuhgrößen vergleichen - die meisten haben eine Schuhgröße zwischen 36 und 50. Trotzdem wird jemandem mit Größe 39 ein Schuh der Größe 44 nicht passen, außerdem gibt es Menschen mit kleineren und solche mit größeren Füßen. Auf TSH, fT3 und fT4 übertragen heißt das, dass scheinbar normale Blutwerte bei den Betroffenen bereits durch die Krankheit verändert sein können und kein individuelles Optimum mehr darstellen, wie dies bei Gesunden der Fall wäre. Andererseits können auch scheinbar auffällige Blutwerte (am oberen oder unteren Rand bzw. darüber hinaus) für den Einzelnen das individuelle Optimum sein.

    Man kann sich daher nicht nur an den Schilddrüsenwerten orientieren, sondern muss das Befinden, die Symptome und ggf. weitere Blutwerte berücksichtigen, die für oder gegen eine Unterfunktion im individuellen Fall sprechen. Danach erst kann man entscheiden, ob man trotz scheinbar guter Schilddrüsenwerte einen Behandlungversuch unternimmt oder trotz scheinbar schlechter Schilddrüsenwerte unter regelmäßigen Kontrollen abwartet.

    Die Diagnose Hashimoto führt nicht zwingend zur Hormonersatztherapie. Es gibt Betroffene, die erst nach Jahrzehnten oder auch nie eine behandlungsbedürftige Unterfunktion entwickeln. Regelmäßige Kontrollen sind jedoch dringend empfehlenswert. Von einer frühzeitigen Therapie erhofft man sich, dass die Schilddrüse durch Hormonzufuhr entlastet wird und sich dadurch der Autoimmunprozess beruhigen könnte.


    5. Wie wird behandelt?

    Es wird das in der Unterfunktion fehlende T4 durch Levothyroxin (LT) ersetzt. LT ist identisch mit dem vom Körper produzierten T4. Normalerweise nimmt man die Hormone in Tablettenform (seltener als Tropfen) einmal täglich, und zwar morgens nüchtern mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit Wasser ein. Die Hormoneinnahme erfolgt dauerhaft (= i.d.R. lebenslang).

    Hashimoto sollte keinesfalls mit Jod oder mit Jod-LT/T4-Kombinationen (z.B. Thyronajod oder Jodthyrox) behandelt werden, da Jod den Autoimmunprozess verstärken kann. Ausnahme: Schwangerschaft - zur Versorgung des Kindes.

    Neben der sog. Monotherapie mit LT/T4 ist auch die Gabe von T3 möglich. Hierzu gibt es Präparate, die nur T3 enthalten (Thybon) und die zusätzlich zu LT/T4 genommen werden, sowie T3+T4-Kombinationspräparate. Diese sind:

    • Novothyral: enthält LT und T3 im Verhältnis 5:1
    • Prothyrid: enthält LT und T3 im Verhältnis 10:1.

    Beide Kombinationspräparate haben im Vergleich zur natürlichen T3-Produktion einer gesunden Schilddrüse sehr hohe T3-Anteile. Alternativ wäre noch natürliches Schilddrüsenextrakt (aus Schweineschilddrüsen gewonnen) zu nennen, dessen T3-Anteil allerdings noch höher ist.

    Häufig wird Selen empfohlen, weil Selen für die Hormonproduktion eine zentrale Rolle spielt. Der Nutzen von Selen über die Behandlung eines Selenmangels hinaus ist jedoch umstritten. Bei Seleneinnahme sollte der Selenspiegel kontrolliert werden, um Überdosierungen zu vermeiden.


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    Geändert von Dini (03.04.18 um 20:27 Uhr)

  4. #4
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    Standard 6. Die Einstellung mit Schilddrüsenhormonen

    6. Die Einstellung mit Schilddrüsenhormonen

    Bei der Einstellung ist v.a. Geduld gefragt, denn man muss sich an die passende Hormondosis herantasten und sollte dabei eher in Monaten als in Wochen denken. T4 hat eine biologische Halbwertzeit von ca. acht Tagen. Bis sich nach einer Dosisveränderung wieder ein stabiler Hormonspiegel eingestellt hat, dauert es daher ca. sechs Wochen.

    Normalerweise beginnt die Behandlung und damit auch die Einstellung mit Monopräparaten, also mit LT/T4. Erfahrungen im Forum zeigen, dass es häufig sinnvoll ist, die Hormone einzuschleichen. In der Regel wird mit der Hälfte der verordneten Dosis begonnen und nach einer Woche auf die volle Dosis gesteigert. Nach 4 - 6 weiteren Wochen wird eine Blutentnahme empfohlen. Je nach Ergebnis dieser wird dann ggf. die Dosis angepasst.

    Die Präparate verschiedener Hersteller unterscheiden sich in ihrer Bioverfügbarkeit - sie wirken trotz gleicher Hormonmenge unterschiedlich stark. Deshalb sollte man den Hersteller nicht (unnötig) wechseln bzw. im Falle eines Wechsels bedenken, dass dieser wie eine Dosisveränderung wirken kann und dass man seine Dosis evtl. anpassen muss.


    Am Tag der Blutentnahme nimmt man die Schilddrüsenhormone besser erst nach der Blutentnahme ein. In den ersten 2 - 5 Stunden nach der Einnahme kommt es zu einem sog. Peak (= einem einnahmebedingt erhöhten Spiegel an Hormonen im Blut), eine Messung würde dann nur zeigen, dass die Tablette genommen wurde, aber nicht, wie gut oder schlecht die Hormonversorgung ist. Auch sind die Werte verschiedener Blutentnahmen so nicht vergleichbar. Nimmt man die Hormone erst nach der BE, misst man den hormonellen Tiefststand der letzten 24 Stunden. Der ist zwar auch nicht repräsentativ für die tatsächliche Hormonversorgung, aber zumindest sind unter diesen Bedingungen ermittelte Werte vergleichbarer als gemessene Peaks.

    Idealerweise hält man die Bedingungen der Blutentnahme konstant: gleiche Tageszeit, dasselbe Labor, dieselbe Messmethode. Damit sind die Ergebnisse verschiedener Messungen vergleichbar und der Werteverlauf aussagekräftig.


    Es sollten TSH und die freien Werte gemessen werden. Zumindest anfangs reicht die alleinige Bestimmung von TSH nicht aus:

    • Eine gesunde Schilddrüse schüttet rund um die Uhr bedarfsgerecht geringe Mengen Hormone aus. Bei der Hormoneinnahme gelangt morgens dagegen eine vergleichsweise hohe Hormondosis ins Blut. Das kann den hormonellen Regelkreis so beeinflussen, dass TSH übermäßig sinkt und den Hormonbedarf nicht mehr korrekt anzeigt.
    • Wenn TSH aufgrund der Hormoneinnahme sinkt, nimmt infolge des gesunkenen TSH auch die Eigenproduktion der Schilddrüse ab - möglicherweise mehr, als zu Beginn der Behandlung Hormone von außen zugeführt werden. Dadurch kann es zum gleichzeitigen Sinken von TSH und freien Werten kommen, also letzten Endes zur Verstärkung der Unterfunktion und der zugehörigen Symptome.


    Ziel der Einstellung ist das Finden einer individuell passenden Hormondosis, bei der keine Unterfunktionssymptome mehr bestehen. Die Blutwerte und v.a. ihre Entwicklung in Kombination mit der Beobachtung des Befindens geben Hinweise darauf. Je näher man der passenden Einstellung kommt, desto kleiner sollten die Dosisveränderungen ausfallen und desto länger sollte eine Dosis konstant gehalten werden.

    Manche Betroffene berichten, sich erst mit einer Hormondosis wohl zu fühlen, bei der TSH erniedrigt oder gar supprimiert ist (fachsprachlich: latente Überfunktion). Ob dies langfristig als unbedenklich angesehen werden kann, ist umstritten.


    7. Gibt es Dinge, die man als Hashimoto-Betroffene/r nun immer beachten oder gar meiden muss?


    Ganz grundsätzlich kann man mit Hashimoto völlig normal leben, braucht sich nicht einzuschränken und muss v.a. nicht mit einer Verkürzung der Lebenserwartung oder schlimmen Langzeitfolgen der Erkrankung rechnen.

    Wie unter Punkt 5 bereits angesprochen, sind größere Mengen Jod kontraindiziert. Daran sollte man auch bei Nahrungsergänzungsmitteln (NEM), jodhaltigen Medikamenten oder jodhaltigem Kontrastmittel denken und beim Arzt vorsorglich und ausdrücklich darauf hinweisen.

    Jod
    in der Nahrung gilt im Allgemeinen als unproblematisch – auch im Jodsalz. Manche Betroffene sind jedoch sehr jodempfindlich und reduzieren ihre Jodzufuhr auf das unvermeidliche Minimum. Im Zweifelsfall sollte man ausprobieren, ob sich eine Verringerung der Jodzufuhr positiv auf das Befinden auswirkt.

    Manche Medikamente beeinflussen den Hormonbedarf oder die Aufnahme der Schilddrüsenhormone. Jeder behandelnde Arzt sollte auf die bestehende Hashimoto Thyreoiditis hingewiesen werden, damit evtl. eine Behandlungsalternative ohne solche Wechselwirkungen gefunden wird oder die Schilddrüsenhormondosis angepasst werden kann. Es empfiehlt sich dennoch, die Beipackzettel der Medikamente selbst aufmerksam zu lesen.

    Wer von einer Autoimmunerkrankung betroffen ist, hat gegenüber der "Normalbevölkerung" ein leicht erhöhtes Risiko weiterer Autoimmunerkrankungen. Der Hinweis auf Hashimoto erleichtert dann ggf. die Diagnosefindung, weil auch an andere Autoimmunerkrankungen gedacht und entsprechend untersucht wird.


    8. Tipps zur Nutzung des Forums

    Eine Einschätzung von Werten oder Krankheitsverlauf setzt voraus, dass die nötigen Informationen vorliegen. Am besten füllt man hierzu das Profil aus, dann hat man alle Daten auf einen Blick und v.a. behält man sie so unter Kontrolle. Das Profil kann man jederzeit ändern, Forenbeiträge dagegen nur 48 Stunden lang - danach kann man auch sensible Daten nicht mehr löschen.

    Sinnvoll sind in der Regel folgende Informationen:
    • Art der Erkrankung(en)
    • SD-Werteverlauf
      • mit Datum und Tageszeit der BE
      • Schilddrüsenwerte mit Angabe der Einheiten und Referenzbereiche
      • Wie viele Stunden lagen zwischen letzter Hormoneinnahme und BE?
      • Höhe der Hormondosis und wie viele Wochen diese Hormondosis konstant genommen wurde
      • Befinden/Symptome in diesem Zeitraum

    • Medikamente & Nahrungsergänzungsmittel.


    Man kann und sollte sich beim Arzt Kopien der Befunde und Laborwerte geben lassen. Als Patient hat man einen Anspruch darauf, der Arzt kann lediglich verlangen, dass ihm die Kopierkosten erstattet werden.


    Beratung per PN ist laut Forenregeln untersagt, denn anders als bei öffentlichen Beiträgen bliebe per PN Falsches oder Irreführendes unwidersprochen. Solche Tipps wären also mit größter Vorsicht zu genießen.

    Dies ist ein Laienforum, alle Ratschläge werden von Laien erteilt ohne dass irgendeine Kontrolle dahingehend erfolgt, ob die Tipps medizinisch korrekt sind, ob es sich um etabliertes Wissen, Außenseitermeinungen oder reine Spekulationen handelt. Das Forum lebt von der Diskussion, von den Argumenten und Erfahrungen vieler User. Aufgrund des Gesamtbildes können Einzelne die Sinnhaftigkeit der Tipps dann besser beurteilen.



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    Geändert von Dini (03.04.18 um 20:28 Uhr)

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