Ergebnis 1 bis 9 von 9

Thema: Radiojodtherapie (RJT), Fehlerquoten und -Ursachen

  1. #1
    Benutzer mit vielen Beiträgen
    Registriert seit
    11.07.06
    Beiträge
    38.106

    Standard Radiojodtherapie (RJT), Fehlerquoten und -Ursachen

    In dieser retrospektiven Studie wurde der Nach-RJT-Werdegang von 325 (260 davon MB) RJT-Patienten zwischen 2007 und 2010 verfolgt. Als "erfolglose RJT" wurden hier Behandlungen angesehen, bei denen später eine weitere RJT oder eine Operation durchgeführt werden musste, weil die Überfunktion erneut aufgetreten ist.

    Ergebnisse:

    Bei 325 Patienten insgesamt war die RJT für 74 (22.8%) erfolglos.

    Wie ging es für die efolglosen 74 Leute weiter?

    53 (71.6%) unter diesen erfolglosen 74 bekamen eine zweite RJT,
    13 (17.6%) bekamen eine zweite RJT und eine nachfolgende Operation,
    8 (10.8%) wurden operiert.

    Was sagt die Statistik über mögliche Einflussfaktoren?

    * Je höher die Dosis, umso geringer die Fehlerquote (ja klar ... aber da gibt es Grenzen der Vertretbarkeit, deswegen wie bekannt: Keine RJT bei großer Schilddrüse)
    * Je stärker die Überfunktion bei Diagnose (d.h. je höher die Hormonwerte+der Herzfreuqenz+der Uptake-Wert), umso höher die Fehlerquote
    * in der finalen Multivarianten-Analyse zeigte auch der Faktor "(Vor-)Behandlung mit Hemmern" eine positive Korrelation mit der Fehlerquote. (Aber Hemmer-Vorbehandlung korreliert selbst stark mit hohen Hormonwerten, d.h. evtl. kein unabhängiger Einflussfaktor sondern "Mit-Faktor" bei den hohen Hormonwerten, die ja nicht unbehandelt bleiben sollten bis RJT)

    Letztlich flüstert uns die Statistik zu: RJT-Erfolg fraglich (nicht nur bei bei großen Schilddrüsen, da die Dosis zu hoch sein müsste, sondern auch) bei starker ÜF/hohen Werten bei Diagnose.


    Zeitpunkt des Rezidivs bei Erfolglosigkeit?

    Im statistischen Durchschnitt: 10.4 Monate nach Erst-RJT. Aber die Einzelheiten sind vielsagender als der Durchschnitt, der Beobachtungszeitraum wurde dabei gedrittelt:

    75.7% der erfolglosen Fälle bekamen ein Rezidiv innerhalb von 1.3 Jahren nach der ersten RJT
    9.5% der erfolglosen Fälle bekamen ein Rezidiv zwischen 1,3 und 2,6 Jahren.
    Ca. 15 % der erfolglosen Fälle bekamen ein Rezidiv später als 2,6 Jahre.

    Da bei RJT die Patienten meist gesagt bekommen, dass sich der Erfolg binnen 6 Monaten einzustellen habe, ist es interessant zu wissen, wie es innerhalb dieser 6 Monate aussieht: 20% bekommen ein Rezidiv innerhalb dieser Zeit. (Kommentar panna: Wenn man das mit der Quote "75% innerhalb von 1.3 Jahren" vergleicht, wird einem klar, warum der übliche Zeitraum 6 Monate (für die Beurteilung der RJT-Auswirkung ) knapp bemessen ist (nur 20% der Erfolglosen bekommen ein Rezidiv innerhalb von 6 Monaten, 75 % hingegen binnen 1.3 Jahren).

    Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4330099/
    Geändert von panna (07.05.17 um 11:37 Uhr)

  2. #2
    Benutzer mit vielen Beiträgen
    Registriert seit
    11.07.06
    Beiträge
    38.106

    Standard AW: Radiojodtherapie (RJT), Fehlerquoten und -Ursachen

    Antithyroid drugs can increase treatment failure rates and reduce rates of hypothyroidism if they are administered in the week before or after radioiodine treatment, respectively.
    Werden eine Woche unmittelbar vor und/oder eine Woche unmittelbar nach einer Radiojodtherapie Schilddrüsenhemmer verabreicht, kann dies den Erfolg der Radiojodtherapie negativ beeinflussen.

    Quelle:
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmedhealth/PMH0024361/

  3. #3
    Benutzer mit vielen Beiträgen
    Registriert seit
    11.07.06
    Beiträge
    38.106

    Standard AW: Radiojodtherapie (RJT), Fehlerquoten und -Ursachen

    Und noch eine retrospektive Studie, über 576 MB-Patienten, die zwischen 2006 und 2015 per RJT therapiert wurden. Die meisten von ihnen bekamen eine fixe Dosis von 400 MBq.

    323 (56%) nahmen vor und nach der RJT Hemmer.
    45 (7,8%) hatten eine bereits vor RJT bestehende EO, etwa die Hälfte der EO-Betroffenen bekam eine begleitende Cortisontherapie.
    Etwa die Hälfte der Patienten bekam die RJT binnen 6 Monate nach Diagnose.

    Die Fehlerquote betrug 17% und sie korrelierte weder mit Alter noch mit Geschlecht, auch nicht mit +/- Rauchen.

    Die Fehlerquote korrelierte positiv mit:


    • der anfänglichen Höhe des fT4,
    • dem RJT-Zeitpunkt, wenn mehr als 6 Monate nach Diagnose und
    • einer Hemmereinnahme nach RJT sowie
    • der TRAK-Höhe (>40 U/l bei Diagnose oder >20 bei RJT)


    https://www.liebertpub.com/doi/10.10...019%3B31.46-48

  4. #4
    Benutzer mit vielen Beiträgen Avatar von KarinE
    Registriert seit
    05.07.05
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    12.590

    Standard AW: Radiojodtherapie (RJT), Fehlerquoten und -Ursachen

    die Ergebnisse der Studien überraschen mich nicht wirklich. Ich hatte allerdings mit einer kleineren Fehlerrate gerechnet. Bin ich ja doch nicht die grosse Ausnahme

    Mich hätte eigentlich mehr das Ergebnis der EO-Patienten interessiert. Ich finde es eher sehr fahrlässig EO-Patienten für eine Studie, wissentlich ohne Cortisonschutz zu lassen.

  5. #5
    Benutzer mit vielen Beiträgen
    Registriert seit
    11.07.06
    Beiträge
    38.106

    Standard AW: Radiojodtherapie (RJT), Fehlerquoten und -Ursachen

    Hier: https://www.thyroid.org/patient-thyr...issue-3-p-7-8/ wird über diese Studie etwas detaillierter berichtet:

    Ein Jahr nach RJT waren also 17 % in Überfunktion ... 5,7 Prozent waren euthyroid (d.h. ohne LT) und nur der Rest war hypothyroid.

    Nach durchschnittlich 6,7 Jahren zusätzlich 11% hypothyroid, aber erst nach einer 2. oder 3. RJT. Die, die anhaltend hyperthyroid waren, bekamen Hemmer (2.3 Prozent) oder wurden operiert (0,9 Prozent).

    Und ja, 45 Patienten hatten offenbar eine vorbestehende EO und (nur) die Hälfte von ihnen bekam Cortison. Wohl einfach weil man ja "abwägt" ...

    Bei ebenfalls 45 Leuten von diesen 576 Patienten trat EO neu auf ... keine Kleinigkeit. 13 von ihnen bekamen Cortison, 4 erhielten Bestrahlung und bei 6 wurde eine operative Dekompression durchgeführt.

  6. #6
    Benutzer mit vielen Beiträgen Avatar von KarinE
    Registriert seit
    05.07.05
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    12.590

    Standard AW: Radiojodtherapie (RJT), Fehlerquoten und -Ursachen

    hier steht unter Was bedeutet diese Studie
    https://www.thyroid.org/patient-thyr...issue-3-p-7-8/

    Das war eine große Studie an Patienten , die Therapie mit radioaktivem Jod für Morbus Basedow und zeigte eine insgesamt günstige Prognose erhalten. Während einige Patienten mehr als eine Dosis von radioaktivem Jod benötigen, bis zum Ende der Studie über 97% wurden von radioaktivem Jod Therapie ausreichend behandelt. Die Gewichtszunahme ist üblich, aber in dieser Studie gemessen wurde nicht gegen Patienten Normalgewicht vor der Entwicklung von Hyperthyreose, die mit der Gewichtszunahme nach der Behandlung in Verbindung gebracht wird zuvor gezeigt wurde. Es scheint , gibt es wenig Wirkung der Therapie mit radioaktivem Jod auf vorbestehende Basedow Augenkrankheit war, obwohl einige Augenerkrankung nach Radiojodtherapie entwickeln wird. Die Mehrheit der Patienten wurden mit ihrer Behandlung zufrieden.



    - Marjorie Safran, MD, GESICHT
    ob das die betroffenen EO-Patienten auch so sehen? Mich hat es viele Jahre mit starken Einschränkungen und schmerzhaften OPs und Behandlungen gekostet.

  7. #7
    Benutzer mit vielen Beiträgen
    Registriert seit
    11.07.06
    Beiträge
    38.106

    Standard AW: Radiojodtherapie (RJT), Fehlerquoten und -Ursachen

    Zitat Zitat von KarinE Beitrag anzeigen

    ob das die betroffenen EO-Patienten auch so sehen?
    Tja ... skandalös finde ich die Nicht-Aufklärung, vor allem über die Augen. Egal wo man über die RJT liest, es liest sich wie eitel Sonnenschein. Ich bezweifle, dass die Risikorate einer EO nach RJT mit der Risikorate der Stimmbandlähmung (bei einem guten Chirurgen) explizit mit Zahlen vergleichen wird. Wer also ausreichend OP-Angst hat, ist wohl froh über die RJT *und* wird nicht aufgeklärt.

    Wobei, auch bei uns erleben wir ja ab und zu, dass trotz Aufklärung, die hier ja doch explizit betrieben wird, die RJT gewählt wird.

  8. #8
    Benutzer mit vielen Beiträgen
    Registriert seit
    16.05.11
    Beiträge
    1.033

    Standard AW: Radiojodtherapie (RJT), Fehlerquoten und -Ursachen

    Ich kann das bestätigen.
    Ich bin 2003 vor der RJT Null aufgeklärt worden,schon garnicht über die Augen.
    Auch ich hatte Panik vor einer OP.
    Die Nachsorge war dann auch eine Katastrophe,ich bin total allein gelassen worden.
    Geändert von Cactus (16.11.19 um 21:39 Uhr)

  9. #9
    Benutzer mit vielen Beiträgen
    Registriert seit
    26.05.16
    Ort
    bei Lüneburg
    Beiträge
    353

    Standard AW: Radiojodtherapie (RJT), Fehlerquoten und -Ursachen

    Skandalös ist der richtige Ausdruck.

    Der Augenarzt einer EO-Ambulanz in HH sagte mir, dass sie als Augenärzte bei Morbus Basedow IMMER von einer RJT abraten...wegen der Gefahr für die Augen.

    Da ist, was die interdisziplinäre Kommunikation angeht, noch viel Luft nach oben.

    Liebe Grüße
    Kathrin

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •