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Thema: Bitte Erklärung: Wirkungsdauer Radiojod?

  1. #1
    Benutzer
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    Frage Bitte Erklärung: Wirkungsdauer Radiojod?

    Hallo zusammen,

    hätte da mal ein paar Fragen, nachdem ich gelesen habe, dass bei Sabinemoto 1 Jahr nach der RJT die SD die weiteren 5 Jahre extrem geschrumpft ist und von anderen, dass man sich mind 1 Jahr Zeit lassen soll.
    Hat das vielleicht auch etwas mit "Spontanheilung" zu tun oder ist das RJ tatsächlich solang in der SD?
    Wielange kann das RJ wirken, also aus aktivem Gewebe inaktives machen? Wie funktioniert das, strahlt das dann immer noch oder was passiert genau?
    Mir wurde von 3 Spezialisten gesagt, dass durch das RJ die SD max. 1/3 kleiner werden kann und das dann noch Rest(Narben?)gewebe vorhanden ist.

    Danke für jede Antwort, hoffe, hier gibt es jemanden, der das ganz genau erklären kann, bin nämlich recht unwissend, was das anbelangt.

    Danke!
    Andrina

  2. #2
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    Standard AW: Bitte Erklärung: Wirkungsdauer Radiojod?

    Ich kann dir nicht alles beantworten - habe aber schon etliche Male gelesen, dass die Wirkung von RJT eben auch 1-1,5 Jahre dauern KANN - nicht muss. Bei manchen geht es viel schneller.

    Ob die SD wirklich nur um max. 1/3 kleiner wird ... die Antwort würde mich auch interessieren (die Sache mit der Narbengewebe). An sich würde es einleuchten, denn Materie geht nicht verloren ... und wenn die SD drin bleibt, nur "kaputtgemacht" wird, dann muss sie ja auch Masse (tote Masse sozusagen) haben.

    Grüße
    panna

  3. #3
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    Standard AW: Bitte Erklärung: Wirkungsdauer Radiojod?

    Hallo Andrina!

    hätte da mal ein paar Fragen, nachdem ich gelesen habe, dass bei Sabinemoto 1 Jahr nach der RJT die SD die weiteren 5 Jahre extrem geschrumpft ist und von anderen, dass man sich mind 1 Jahr Zeit lassen soll.
    Hat das vielleicht auch etwas mit "Spontanheilung" zu tun oder ist das RJ tatsächlich solang in der SD?
    Nein, das Radiojod zerfällt nach der RJT ziemlich schnell, das dabei verwendete Isotop Jod 131 hat nur eine Halbwertszeit von ca. 8 Tagen, d.h. nach 8 Tagen ist Jod 131 bereits zur Hälfte (zum stabilen Xenon) zerfallen, nach weiteren 8 Tagen um nochmals die Hälfte von der Hälfte u.s.w..

    Das radioaktive Jod selbst zerstört nur relativ wenig SD-Gewebe (die bei Jod 131 hauptsächlich auftretete Betastrahlung hat nur eine Reichweite im Gewebe von höchstens 1-2 mm). Die direkt von der Strahlung betroffenen Zellen zerfallen.

    Allerdings löst dieser Zellzerfall dann (sozusagen als "Kettenreaktion") einen mal mehr oder weniger heftig verlaufenden Entzündungsprozeß in der Schilddrüse aus (Strahlenthyreoiditis).

    Diese Entzündung wiederum führt dazu, daß auch nachdem die radioaktive Strahlung schon längst wieder abgebaut ist, immer mehr SD-Gewebe kaputtgeht, das SD-Gewebe fibrosiert (wird in funktionsloses Bindegewebe umgewandelt), schrumpft und vernarbt.

    Bei den meisten Patienten verläuft die Entzündung fast unbemerkt und symptomlos (silent), in manchen Fällen kommt es allerdings (besonders nach sehr hochdosierter RJT) auch zu einer richtig heftigen (akuten) Entzündung mit starken Schmerzen und Schwellungen im Bereich der Schilddrüse, auch Fieber kann auftreten. In solchen Fällen wird dann mit Antiphlogistica (Entzündungshemmern) wie z. B. Diclofenac behandelt (oder auch mit Cortison) und die Patienten erhalten eine Eiskrawatte zum Kühlen der entzündeten SD, um die akute Entzündung rasch zurückzudrängen.

    Bei den meisten Patienten kommt es aber wie gesagt nach einer RJT nicht zu so einer akuten Entzündung, sondern der Entzündungsprozeß verläuft hier leise und still und ohne große Symptome - bis auf das auch diese Patienten natürlich irgendwann merken, daß ihre SD-Funktion abnimmt und auch eine vergrößerte Sd wieder kleiner wird.

    Dieser Entzündungsprozeß kann nach einer RJT lange Zeit anhalten. Und das ist dann der Grund dafür, warum die SD sich auch noch lange Zeit nach der RJT immer mehr verkleinern kann und warum auch die SD-Funktion im Laufe der Zeit noch immer mehr zurückgehen kann (wobei bei autoimmunen SD-Erkrankungen natürlich auch noch der autoimmunbedingte Entzündungsprozeß dazukommt und ebenfalls zur fortschreitenden Zerstörung des SD-Gewebes beitragen kann).

    Es gibt Fälle, wo Patienten, die wegen einer Struma oder heißen Knoten mit einer gar nicht so großen Radiojoddosis bestrahlt wurden (funktionsoptimierte RJT, bei der die SD-Funktion erhalten bleiben soll und nicht (wie bei MB) die SD gänzlich zerstört werden soll), anfänglich noch eine völlig normale SD-Funktion haben und auch keine Hormone brauchen, Jahre (bis Jahrzehnte) später aber trotzdem auf einmal eine UF entwickeln. Zu so einer Späthypothyreose kommt es bei ca. 3 % der Patienten nach RJT.

    Zusammengefasst kann man sagen: es ist die durch die RJT ausgelöste SD-Entzündung, die die Schrumpfung und den Funktionsverlust der SD verursacht. Und da jeder Mensch eine etwas andere SD hat und auch Entzündungen bei jedem Menschen etwas unterschiedlich verlaufen, erklärt das auch, warum RJT`s hinsichtlich ihrer Effekte auf die Größenreduktion der SD ziemlich unterschiedliche Ergebnisse zeigen kann.

    Liebe Grüße
    Jutta
    Geändert von Jutta K. (13.12.07 um 09:29 Uhr)

  4. #4
    Benutzer mit vielen Beiträgen Avatar von KarinE
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    Daumen hoch AW: Bitte Erklärung: Wirkungsdauer Radiojod?

    Hallo Jutta,
    Danke für die wirklich tolle Erklärung.
    Einfach super
    LG Karin

  5. #5
    Benutzer
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    Standard AW: Bitte Erklärung: Wirkungsdauer Radiojod?

    Ganz lieben Dank, vor allem an Jutta!

    Noch eine kurze Frage, wenn der Entzündungsprozess abgeschlossen ist und die SD wieder oder noch aktives Gewebe hat, muss man dann eine 2.RJT machen? Und kann man denn genau feststellen, ob dem dann so ist?


    LG
    Andrina

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