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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Verweigerung der Herausgabe eines Gutachten



Alexandra
17.01.02, 19:44
Guten Abend,
habe da mal eine Frage an euch! Ein Bekannter von mir war kürzlich in einer psychosomatischen Klinik wegen Mobbing-Problemen am Arbeitsplatz.
Als er die Klinik verließ wurde ihm mitgeteilt, daß der "Bericht" an seine Ärzte (Hausarzt, Neurologe, Internist) ging. Der Neuroge verhielt sich sehr eigenartig und meinte, was mein Bekannter denn gerne hören möchte?
Er nannte ihm einige Diagnosen, mehr aber auch nicht (Mein Bekannter brach die Behandlung übrings dort nach 10 Tagen ab). Die anderen Ärzte verhielten sich genauso geheimnisvoll und eine Kopie des Gutschtens bekam er auch nicht, da dort drin stehen würde, daß es nicht gut (????) für ihn sei, wenn er dies lesen würde!
Hat man nicht das Recht als Patient (es geht ja um einen selbst), zu erfahren,
was dort vermerkt ist?? Kann man nichts dagegen machen? Das ist nun schon bereits der 3. Fall von dem ich höre, daß solche Gutachten (Psychiater etc.) nicht an den Patienten (Kopie) gegeben werden dürfen! Wer kann einem da helfen?
Nette Grüsse von Alexandra

Dani
18.01.02, 06:36
Letztendlich obliegt es dem Arzt, ob er verantworten kann, daß der Bericht dem Patienten ausgehändigt wird. Es gibt ja auch Krankheiten, z.B. Krebs, wo die Prognose infaust ist, der Patient ggf. nur noch 3 Monate zu leben hat (der Patient aber selbst sich noch nicht aufgegeben hat und an eine Heilung glaubt). Warum sollte der Arzt ihm dann den Bericht aushändigen? Genauso kann es auch mit psychiatrischen Gutachten sein, daß dort eben Dinge drin stehen, die der Patient nicht wissen sollte.
Ansonsten noch mal ggf. über den Hausarzt bzw. behandelnden Arzt probieren, der den Bericht ja erhält.
Gruß, Dani
>Guten Abend,
>
>habe da mal eine Frage an euch! Ein Bekannter von mir war kürzlich in einer psychosomatischen Klinik wegen Mobbing-Problemen am Arbeitsplatz.
>Als er die Klinik verließ wurde ihm mitgeteilt, daß der "Bericht" an seine Ärzte (Hausarzt, Neurologe, Internist) ging. Der Neuroge verhielt sich sehr eigenartig und meinte, was mein Bekannter denn gerne hören möchte?
>Er nannte ihm einige Diagnosen, mehr aber auch nicht (Mein Bekannter brach die Behandlung übrings dort nach 10 Tagen ab). Die anderen Ärzte verhielten sich genauso geheimnisvoll und eine Kopie des Gutschtens bekam er auch nicht, da dort drin stehen würde, daß es nicht gut (????) für ihn sei, wenn er dies lesen würde!
>Hat man nicht das Recht als Patient (es geht ja um einen selbst), zu erfahren,
>was dort vermerkt ist?? Kann man nichts dagegen machen? Das ist nun schon bereits der 3. Fall von dem ich höre, daß solche Gutachten (Psychiater etc.) nicht an den Patienten (Kopie) gegeben werden dürfen! Wer kann einem da helfen?
>Nette Grüsse von Alexandra

L.Brakebusch
18.01.02, 06:46
Liebe Alexandra,
ich würde da einmal einen Juristen fragen. Soweit ich informiert bin, steht es den Betroffenen immer zu Einsicht zu verlangen. Im Falle bösartiger Krebserkrankungen ist eine Offenlegung vor dem Betroffenen in jedem Fall erlaubt. Das Vorenthalten einer unagenhemen Wahrheit ist bei Nachfrage nicht möglich und nicht rechtmäßig. Bei psychiatrischen Gutachten kann ich mir das Verweigern der Einsicht nur nach Entmündigung vorstellen. Soweit sind wir noch nicht und soweit kommen wir hoffentlich auch nicht.
Liebe Grüße
Leveke Brakebusch

Kerstin
18.01.02, 07:07
Hallo Alexandra,
da Dein Bekannter dieses Gutachten über seine Krankenkasse ja bezahlt hat - ebenso, wie er die behandelnden Ärzte bezahlt hat - hat er freilich ein Anrecht darauf, es bekommen.
Um psychologische Gutachten wird diesbezüglich oft ein Brimborium gemacht, man wollte uns selbiges vom Medizinischen Dienst auch erst nicht aushändigen. Als wir es dann doch bekamen, war mir fast klar warum es "nicht gut für den Patienten ist, dies zu lesen": es war über weite Strecken hinweg einfach falsch, es hat mich fürchterlich aufgeregt, diesen Schwachsinn zu lesen.
Ich würde mal mit der Krankenkasse sprechen, die dafür ja schließlich bezahlen. Oder mit dem Hausarzt. Oder mit einem Juristen. Ich denke, daß sich da durchaus was machen läßt
Viel Glück!
Kerstin

Andrea
18.01.02, 07:40
>Guten Abend,
>
>habe da mal eine Frage an euch! Ein Bekannter von mir war kürzlich in einer psychosomatischen Klinik wegen Mobbing-Problemen am Arbeitsplatz.
>Als er die Klinik verließ wurde ihm mitgeteilt, daß der "Bericht" an seine Ärzte (Hausarzt, Neurologe, Internist) ging. Der Neuroge verhielt sich sehr eigenartig und meinte, was mein Bekannter denn gerne hören möchte?
>Er nannte ihm einige Diagnosen, mehr aber auch nicht (Mein Bekannter brach die Behandlung übrings dort nach 10 Tagen ab). Die anderen Ärzte verhielten sich genauso geheimnisvoll und eine Kopie des Gutschtens bekam er auch nicht, da dort drin stehen würde, daß es nicht gut (????) für ihn sei, wenn er dies lesen würde!
>Hat man nicht das Recht als Patient (es geht ja um einen selbst), zu erfahren,
>was dort vermerkt ist?? Kann man nichts dagegen machen? Das ist nun schon bereits der 3. Fall von dem ich höre, daß solche Gutachten (Psychiater etc.) nicht an den Patienten (Kopie) gegeben werden dürfen! Wer kann einem da helfen?
>Nette Grüsse von Alexandra
Liebe Alexandra,
ich habe damit als Juristin immer wieder beruflich zu tun. Und leider gibt es das wirklich.
Gerade im Bereich der Psychiatrie finden sich Fälle dieser Art oft. Die Kliniken haben einen Stempel, womit sie in Einzelfällen auf die Gutachten stempeln, daß diese nur für den jeweiligen Sozialversicherungsträger und die Ärzte sind. Ausdrücklich ist es dann nicht erlaubt, sie an den Patienten, aber auch nicht an dessen juristischen Vertreter herauszugeben.
Da Auftraggeber letztlich auch nicht der Patient, sondern der jeweilige Sozialversicherungsträger (Krankenkasse, BfA oder LVA) ist, sehe ich keinen Weg, da ran zu kommen. Alle Versuche meinerseits endeten jeweils damit, daß der Auftraggeber (BfA oä) erklärte, gegen den Stempel nichts unternehmen zu können. Ich könne allenfalls versuchen, über die Klinik, die den Stempel gesetzt hat, zu erreichen, daß sie ihn quasi aufhebt. Das klappte bislang nicht.
Die Situation ist außerordentlich problematisch, weil man dann in Widersprüchen oder Klagen vor dem Sozialgericht gegen Nebel kämpft. Manchmal habe ich dann Glück, daß bei späterer Akteneinsicht keiner mehr geprüft hat, ob ein solches unter Verschluss stehendes Gutachten in der Akte ist und ich hatte dann Gelegenheit, es einzusehen. Aber dafür gibt es keine Gewähr.
Die Ärzte erklären dies z.T. so, daß das Ergebnis vom behandelnden Arzt mit dem Patienten besprochen werden soll. Ich halte das auch für richtig.
Denn meist wird das Gutachten bekannt gegeben und der Patient damit allein gelassen. Ich selbst habe schon manches Mal darüber gegrübelt, ob ich ein Gutachten ohne die MÖglichkeit, den Mandanten aufzufangen, das Gutachten mit ihm zu besprechen, einfach an ihn weiterleiten soll.
Aber letztlich, wenn es allein diese Erklärung wäre, hieße das ja nur, daß man das Gutachten nicht gleich, aber jedenfalls nach der Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erhält.
Glücklicherweise handelt es sich um Einzelfälle. Ich versuche in diesen Fällen immer möglichst hartnäckig zu bleiben und, wenn ich damit scheitere, Ruhe einkehren zu lassen, um später die Akte anzufordern.
Keine dolle Lösung, ich weiß.
Liebe Grüße
Andrea

Bettina
18.01.02, 08:27
Hallo Alexandra,
ich fand die Ausführungen von Andrea sehr gut. Sicher war auch bei dieser Maßnahme die BfA oder ein anderer Rentenversicherungsträger Auftraggeber und Träger der Maßnahme. Ziel ist, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten und damit kontinuierliche Zahlungen in die Rentenkasse zu gewährleisten.
Ich habe vor 3 Jahren auch einmal eine psychosomatische Kur gemacht, und auch mir wurde nur mündlich ein abschließendes Feedback gegeben. Die schriftlichen Berichte gingen an meine Ärzte, wurden mir aber in verschlossenen Umschlägen zur Überbringung ausgehändigt. In Mißachtung des Postgeheimnisses (pfui, Bettina) habe ich mir dann selbst eine Kopie gezogen. Was da stand, war nicht gerade angenehm, aber wer sich in psychologische Behandlung begibt, muß auch damit rechnen, sich mit den eigenenen unangenehmen Seiten konfrontiert zu sehen.
Nun denke ich, gibt es bei Deinem Bekannten noch eine Besonderheit. Die Maßnahme, die ihm als Hilfestellung zur Bewältigung seiner Probleme gewährt wurde (unabhängig, ob diese nun auch objektiv geeignet ist), hat er abgebrochen. Insoweit gehe ich davon aus, daß in dem Bericht auch nicht allzu freundliche Dinge stehen. Was ich daran problematisch finde, ist, daß es wahrscheinlich nun für Deinen Bekannten nicht leicht sein wird, noch einmal Unterstützung in ähnlicher Richtung zu bekommen. Das ist sehr schade. Ich hoffe, daß er einen anderen Weg findet.
Um an den Bericht zu kommen, würde ich an Stelle Deines Bekannten erst einmal jeden Arzt, der informiert wurde, um eine Kopie bitten. Sollte das nicht klappen, würde ich den Träger der Maßnahme anschreiben.... einfach jede Möglichkeit ausschöpfen.
Grüße
Bettina

Karin Charlotte
18.01.02, 09:32
Hallo Alexandra,
diese Regelung, dass man bei psychischen Störungen die Gutachten nicht an den Patienten gibt, ist mir bekannt. Mit hat man solche Atteste auch schon verweigert. Ich fühlte mich zunächst auch etwas doof dabei, weil ich alle anderen Befunde immer sammle. Inzwischen sehe ich dies nicht mehr so eng, sondern als eine Art Schutz. Man ist bei psychischer Labilität meines Erachtens wirklich manchmal nicht in der Lage, Diagnosen richtig einzuordnen und steigert sich dann leicht in etwas hinein. Die Distanz fehlt dann einfach. Dann finde ich allerdings, dürfte man auch keine körperlichen Diagnosen in die Hand bekommen....
Ich finde inzwischen den Kontakt zum behandelnden Neurologen oder Psychiater oder Therapeuten viel wichtiger, als so ein Stück Papier, wenn der mir konkrete Aussagen über meinen Zustand und die Perspektiven machen kann und ich weiß, was zu tun und zu lassen ist, brauche ich eigentlich wirklich keinen schriftlichen Beweis mehr dafür.
So, das war meine Meinung zu dieser Sache.
Ich wünsche Dir und dem Freund einfach einen guten Arzt und einen guten Draht zu diesem.
Herzliche Grüße
Karin C.

Claudia
18.01.02, 10:28
Hallo Alexandra,
Andrea hat Dir die Problematik bereits eingehend erläutert, im Gegensatz zu ihr bin ich zwar als Rechtsanwältin mit diesen Fragen noch nicht konfrontiert worden, da ich andere Tätigkeitsschwerpunkte habe, aber ich rate dennoch dazu, dass Dein Bekannter hartnäckig sein und weiter versuchen sollte, Einsicht zu bekommen, wenn ihm wirklich daran gelegen ist. Krankenunterlagen sind Urkunden, die u.a. im Interesse des Patienten errichtet werden, so dass der Patient grundsätzlich einen Anspruch auf Vorlage und Einsichtnahme hat, soweit die Unterlagen Aufzeichnungen über physische (!) Befunge etc. betreffen. In Unterlagen über psychiatrische Behandlungen besteht dieser Anspruch aber nur, wenn dem keine schützenswerten Interessen des Patienten selbst, des Arztes oder Dritter entgegenstehen. Der Arzt muß diese entgegenstehenden Interessen kennzeichnen, zwar ohne die Angabe von Details, aber immerhin muß er dazu etwas erklären. Daher sollte Dein Bekannter schriftlich die Einsichtnahme verlangen und in diesem Schreiben auch die Angabe der Gründe bei einer Ablehnung verlangen. Danach kann man weitersehen.
Aber am Anfang sollte er sich ehrlich selbst die Frage stellen, ob ihm wirklich an der Einsicht etwas liegt, bloße Rechtsverfolgung ist hier nicht angebracht. Wie Du in den Beiträgen zu Deiner Frage sehen konntest, muß er damit rechnen, dass die Berichte der Ärzte ihm vielleicht Gründe liefern, sich aufzuregen und dass auch der Abbruch der Behandlung nach 10 Tagen nicht positiv erscheinen wird.
Herzliche Grüsse und viel Erfolg,
Claudia

Dani
18.01.02, 11:03
ich glaube, sie haben mich das falsch verstanden. es ging nicht darum, wahrheiten vorzuenthalten, sondern den patienten zu schonen (der über seine erkrankung schon bescheid weiß, aber z.b. ggf. nicht, daß er morgen schon sterben wird).
>Liebe Alexandra,
>ich würde da einmal einen Juristen fragen. Soweit ich informiert bin, steht es den Betroffenen immer zu Einsicht zu verlangen. Im Falle bösartiger Krebserkrankungen ist eine Offenlegung vor dem Betroffenen in jedem Fall erlaubt. Das Vorenthalten einer unagenhemen Wahrheit ist bei Nachfrage nicht möglich und nicht rechtmäßig. Bei psychiatrischen Gutachten kann ich mir das Verweigern der Einsicht nur nach Entmündigung vorstellen. Soweit sind wir noch nicht und soweit kommen wir hoffentlich auch nicht.
>Liebe Grüße
>Leveke Brakebusch

L.Brakebusch
18.01.02, 12:20
>ich glaube, sie haben mich das falsch verstanden. es ging nicht darum, wahrheiten vorzuenthalten, sondern den patienten zu schonen (der über seine erkrankung schon bescheid weiß, aber z.b. ggf. nicht, daß er morgen schon sterben wird).
---- alles klar, ich wollte damit sagen, dass es kein juristisches Verweigerungsrecht für den Arzt gibt bei solchen Fragen, auch nicht um den Patienten zu schonen. Ich habe einige Jahre onkologisch also mit Krebskranken gearbeitet. Mir ist es dabei nie vorgekommen, dass Erkrankte, die etwas wissen wollten, nicht nachgefragt haben. Wenn jemand fragt, habe ich eine bösartige Erkrankung, so habe ich ihm wahrheitsgemäß Auskunft gegeben, möglichst schonend aber nicht so schonend, dass es nicht stimmte (so meinen Sie das ja auch). Die Patienten die das nicht wissen wollten und solche gibt es ja auch, haben nicht nachgefragt. Das nur am Rande, ein ganz schwieriges Thema wo man als Arzt und auch als Freund oder Angehöriger sicher viel falsch machen kann und falsch macht und wo es sicher auch nicht die einizig richtige Verhaltensweise gibt.
Nach meiner Erfahrung vertragen Menschen auch eher eine schlimme Wahrheit und merken, wenn ich mich darum herum rede. Wirklich schlecht für das Verhältnis Arzt-Patient ist es, etwas falsches zu sagen auch in bester Absicht. Jetzt habe ich aber viel geschriebn, was gar nichts mit Basedow zu tun hat. Wir liegen vermutlich mit den Ansichten gar nicht weit auseinander ;-) oder stimmen ganz überein..
herzliche Grüße
Leveke Brakebusch

Elke
18.01.02, 19:20
>
Hallo, das kenne ich von psychiatrischen Gutachten über Kinder. Da kann man nur an den Hausarzt appellieren, daß er einem den Bericht zeigt und vielleicht noch kopiert. Wenn darunter steht, daß der Patient keine Kenntnisnahme erhalten soll,also alles vertraulich sein soll, stellen die sich saudumm an´.
Probierts einfach nochmal über den Hausarzt.
Guten Abend,
>
>habe da mal eine Frage an euch! Ein Bekannter von mir war kürzlich in einer psychosomatischen Klinik wegen Mobbing-Problemen am Arbeitsplatz.
>Als er die Klinik verließ wurde ihm mitgeteilt, daß der "Bericht" an seine Ärzte (Hausarzt, Neurologe, Internist) ging. Der Neuroge verhielt sich sehr eigenartig und meinte, was mein Bekannter denn gerne hören möchte?
>Er nannte ihm einige Diagnosen, mehr aber auch nicht (Mein Bekannter brach die Behandlung übrings dort nach 10 Tagen ab). Die anderen Ärzte verhielten sich genauso geheimnisvoll und eine Kopie des Gutschtens bekam er auch nicht, da dort drin stehen würde, daß es nicht gut (????) für ihn sei, wenn er dies lesen würde!
>Hat man nicht das Recht als Patient (es geht ja um einen selbst), zu erfahren,
>was dort vermerkt ist?? Kann man nichts dagegen machen? Das ist nun schon bereits der 3. Fall von dem ich höre, daß solche Gutachten (Psychiater etc.) nicht an den Patienten (Kopie) gegeben werden dürfen! Wer kann einem da helfen?
>Nette Grüsse von Alexandra