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Kassandra
12.07.06, 12:09
:)


Budgets werden abgeschafft von Lisa Braun

Die Gesundheitsreform steht in ihren Grundzügen fest. Union und SPD haben sich auf Eckpunkte verständigt, die im Herbst in Gesetze gegossen werden sollen. ÄP hat die wichtigsten Neuerungen für Hausärzte aus dem 54-seitigen Eckpunktepapier herausgefiltert.
Was die Parteivorsitzenden von CDU, CSU und SPD in Berlin ausgehandelt haben, sieht zunächst so aus, als werde es den Vertragsärzten sehr entgegenkommen. Diesmal ist es nicht der Doktor, der als „Sparschwein“ ins Visier genommen wird, sondern es trifft in erster Linie die gesetzlichen Krankenkassen.

Hoffnung auf positive Veränderungen für Hausärzte

Für Hausärzte verkünden die Eckpunkte viel Positives. Sie können die berechtigte Hoffnung haben, dass ihr Arbeitsalltag in Zukunft an Qualität gewinnt. Langjährige Forderungen der Ärzte an die Politik sind endlich erhört worden. Nach immer mehr Kostendämpfungsgesetzen, wie zuletzt dem Arzneiversorgungswirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG), haben die Regierungsverantwortlichen nun erkannt, dass in den Praxen „nichts mehr zu holen ist“. Die zahlreichen Proteste in den letzten Wochen und Monaten über spürbar schlechtere Arbeitsbedingungen zu Lasten der Patienten mögen ihren Anteil an dem Grundtenor haben, der die Eckpunkte durchzieht.

Von zentraler Bedeutung für Vertragsärzte: Die Reformer machen Schluss mit der Budgetierung, die das Finanzvolumen für die ärztliche Versorgung an die Grundlohnsumme knüpft. Das Morbiditätsrisiko soll voll auf die Krankenkassen übergehen und nicht wie bisher von den Ärzten geschultert werden. Außerdem soll es ab 2009 ein neues ärztliches Vergütungssystem geben, das nicht nur die Bezahlung in Euro vorsieht, sondern auch Honorarzuschläge für besondere Qualität in der Leistungserbringung.

Vor besonders teuren Therapien muss eine Zweitmeinung eingeholt werden

Große Schritte kündigt die Reform beim Bürokratieabbau an. Während eine eigens eingerichtete Entbürokratisierungs-Kommission im Bundesgesundheitsministerium vor kurzem noch ihre sehr bescheidenen Ergebnisse vorstellte (ÄP berichtete), gehen die Reform-Eckpunkte wesentlich weiter. In Zukunft ist Schluss mit Wirtschaftlichkeitsprüfungen, die sich auf viele Jahre Zurückliegendes beziehen und wie ein Damoklesschwert die Existenz der Praxis bedrohen. Regresse sollen „auf gravierende Fälle von Ressourcenverschwendung begrenzt werden“. Und weiter: „Das Prüfverfahren wird gestrafft und auf höchstens zwei Jahre nach dem Verordnungsquartal begrenzt.“

Ärzte, die hochpreisige Arzneimittel, Diagnostika oder Hilfsmittel verordnen, müssen sich künftig mit einem fachlich besonders ausgewiesenen Kollegen abstimmen und bei ihm eine Zweitmeinung einholen. Die näheren Bestimmungen dazu trifft die gemeinsame Selbstverwaltung.

Für die gesetzlichen Kassen hat es die Reform in der Tat in sich

Die Kassen laufen nun Sturm gegen die angekündigte Reform, die es in der Tat für sie in sich hat. Merkel und ihre Mannen wagen es, mit der Reform die Gesetzliche Krankenversicherung ganz neu zu denken. Nämlich so: Die Kassen erhalten ihre Finanzmittel entsprechend ihrer Versichertenklientel aus einem gemeinsamen Topf. In diesen Fonds fließen alle Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie sukzessive Steuergelder zur Finanzierung der Kinderkrankenversicherung. Kommt eine Kasse mit dem an sie überwiesenen Geld nicht aus, muss sie eine Prämie von den Versicherten nachfordern.

„Auf diese Weise können die Menschen erkennen, welche Krankenkasse effizient arbeitet und welche nicht“, so Merkel. Dank dieses Verteilungsmechanismus, der ab 2008 greifen soll, gebe es keine Nehmer- und Geberkassen mehr, sondern der Ausgleich von Einkommensunterschieden und Risikostruktur würde bereits von Anfang an bei der Geldverteilung kalkuliert. Verschwendung durch zu hohe Verwaltungskosten würde auf diese Weise sichtbar, meint die Kanzlerin.


ÄP HINTERGRUND

Die wichtigsten Punkte für den Hausarzt auf einen Blick


Die Budgetierung wird abgeschafft, die Anknüpfung des Finanzvolumens an die Grundlohnsumme wird beendet.

Die Vergütung ambulanter ärztlicher Leistungen erfolgt mit festen Euro-Preisen innerhalb vereinbarter Mengen bei weitgehender Pauschalierung.

Bei besonderer Qualität gibt es Honorarzuschläge.

Ambulante Leistungen in Krankenhäusern und Praxen sollen vergleichbar vergütet werden.

Es gibt mehr Verteilungsgerechtigkeit durch bundesweite Rahmenvorgaben der Honorarverteilungsregelungen.

Für ärztliche Leistungen gibt es nur noch wenige Komplexgebühren.

Zu- und Abschläge zum Abbau von Unter- und Überversorgung sind in der Gebührenverordnung vorzusehen.

Für hausärztliche Leistungen werden möglicherweise zusätzliche Versichertenpauschalen pro Quartal wegen förderungswürdiger Leistungen wie Hausbesuche oder Prävention vorgesehen.

Jede Kasse zahlt unabhängig von der Kassenart grundsätzlich den gleichen Preis.

Jede Kasse muss einen Hausarzttarif anbieten.

In der Praxis sollen gesetzliche und private Kassen für vergleichbare Leistungen eine vergleichbare Vergütung zahlen (mit der Möglichkeit von Steigerungssätzen).

Die Inhalte von Integrationsverträgen werden offen gelegt.
lWirtschaftlichkeitsprüfungen werden auf zwei Jahre nach dem Verordnungsquartal begrenzt.

Das Morbiditätsrisiko geht auf Krankenkassen über.

Die Hauptaufgaben der Kassenärztlichen Vereinigungen sind das Qualitätsmanagement und die Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung, darüber hinaus sollen sie vermehrt als Dienstleister auftreten.


Was sich sonst noch ändert


Es soll kassenartenübergreifende Fusionen und eine Neustrukturierung der Verbände geben.

Es wird eine Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln eingeführt.

Die Entscheidungsgremien im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) werden hauptamtlich besetzt.

Die Sitzungen des G-BA sollen in der Regel öffentlich sein.

Wenn der G-BA nicht in angemessenen Fristen entscheidet, bleibt eine in Frage stehende Leistung im GKV-Leistungskatalog, eine neue Leistung wird automatisch aufgenommen.

Ein Gesetz soll die Portabilität der Altersrückstellungen in der PKV festschreiben, damit mehr Wettbewerb in Gang kommt.

lDie PKV muss für alle freiwillig Versicherten einen Basistarif anbieten mit GKV-Leistungen und Kontrahierungszwang ohne Risikoprüfung.

Die Arzneipreisverordnung wird aufgehoben, Höchstpreise werden eingeführt.


ÄP KOMMENTAR

Und wer soll das bezahlen?

Die große Koalition hat es geschafft. Vorerst. Denn dies ist nur ein Etappensieg. Alle Beteiligten im System wissen nun, wohin die Reise gehen soll. Jetzt heißt es: Koffer packen, umsteuern oder Gas geben. Bei den Kostenträgern bleibt nichts mehr, wie es ist. Ein Großteil der Reform wirkt strukturverändernd. Wie viel nachhaltiges finanzielles Einsparungspotenzial jedoch in den Eckpunkten steckt, weiß noch niemand. Genauso nebulös ist bislang, wie die künftigen Mehrkosten für Morbidität finanziert werden sollen. Wichtige Voraussetzung für den Gesundheitsfonds: Nur wenn die Kassen ohne Verbindlichkeiten ins neue Fonds-Zeitalter gehen, kann das System 2008 umgestellt werden. Schon jetzt ist klar, dass die Beitragssatzerhöhung im Jahr 2007 um rund 0,5 Prozentpunkte nicht kostendeckend sein wird.
Quelle: www.aerztlichepraxis.de


LG Kassandra :)

stängli
12.07.06, 13:14
Na da dürfen wir ja mal wieder gespannt sein, was für uns dabei rumkommt!

Sabinchen
12.07.06, 18:16
Na da dürfen wir ja mal wieder gespannt sein, was für uns dabei rumkommt!

Auf alle Fälle müssen wir wieder mehr zahlen!

stängli
12.07.06, 20:39
Ja was sonst<a href="http://www.smileycentral.com/?partner=ZSzeb008_ZNfox000" target="_blank"><img src="http://smileys.smileycentral.com/cat/36/36_1_4.gif" alt="Crying 2" border="0"></a>

Kassandra
13.07.06, 09:00
:)



...ab 01.07. werden ohnehin nur - wenn aufgelistet - die zuzahlungsbefreiten Medikamente verschrieben.
Meine Schwägerin, die auch Hashi hat, hat gestern statt Thyroxin von Henning welches von Beta bekommen u. das nur, weil das um 14 Cent billiger ist. :mad:

Da kann man sich schon ausrechnen, wie es sein wird, wenn man jahrelang ein bestimmtes Medikament nimmt u. gut eingestellt ist u. dann wegen der Cent-Fuchserei auf ein anderes wechseln muß.

LG Kassandra :)