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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : @Thomas AW zur Schwerbehinderung



Mouse
06.05.04, 20:39
Hallo Thomas,
Nachtrag zum Thema:
<i style="#949494"> Ich finde es ausgesprochen ungerecht, daß jemand, der trotz Behinderung
Arbeit hat und gut verdient, auch noch extra viel Steuerermäßigung kriegt,
während die, die behinderungsbedingt keine Arbeit finden oder gar von
Sozialhilfe leben müssen, leer ausgehen, wenn sie "NUR" chronisch krank sind.</i>
Du schreibst:
<i style="#949494">&quot;Seltsames Verständnis von Gerechtigkeit hast du. Ich gönne jedem Behinderten seine Steuerermäßigung und möchte auf keinen Fall mein Hashi bei einem beinamputierten Banker eintauschen.&quot;</i>
Als wie wenn es darum ginge, irgendwelche Krankheiten zu tauschen? Arbeitslose nicht gehbehinderte Behinderte haben automatisch die Arschkarte gezogen. Die haben nämlich rein gar nix von der Steuerermäßigung und kriegen auch noch viel schwerer einen Job. Und darüber hinaus dürfen sie sich auch noch als Schmarotzer beschimpfen lassen.
Zu der Zeit, aus der das von mir Geschilderte stammt, mußte ich mir jede Busfahrt vom Mund absparen. Ich war krank (natürlich hatte ich weit mehr als nur Arthrose) und es kam tatsächlich vor, daß ich (in Eigeninitiative) nach einem Job suchte, aber das Geld für die Fahrt zum Vorstellungsgespräch nicht aufbringen konnte (Das Arbeitsamt erstattet nur rückwirkend). Und bei mir ging es ja nicht nur ums Busfahren. Ich konnte mich damals kaum anständig ernähren und teilweise nicht mal die Miete bezahlen. Heute würde ich so einen aussichtslosen Antrag auch nicht mehr stellen, aber damals fiel mir in der Not nix besseres ein.
Versuch jetzt aber mal ernsthaft, Dir vorzustellen, wie es sich anfühlt, wenn man jeden Tag Angst hat, nichts mehr zu Essen kaufen zu können, oder gar obdachlos zu werden. Und jetzt stell Dir vor, in dieser Situation erzählt Dir einer, daß er wegen seiner Behinderung, die ihn nicht bei der Arbeit beeinträchtigt, soviel Steuern sparen kann, daß er davon drei Wochen Urlaub in Kandada machen kann. Verstehst Du, worauf ich hinaus will?
Es ging nie darum, einfach nur billig Busfahren zu können, es ging darum, überhaupt Busfahren zu können!
Du schreibst:
<i style="#949494">&quot;Da verliere ich bald die Lust, weiter zu arbeiten und das mit meinen Steuern zu subventionieren.&quot;</i>
1. Soviel kannst selbst Du gar nicht verdienen, als daß auch nur 1 Cent von Deinen Steuern in der Sozialhilfe oder Arbeitslosenhilfe auftauchen würde.
2. Trotz allem erwirtschafte ich heute durchaus meinen Lebensunterhalt selber und zahle wie Du Steuern. Wenn Du wirklich Ahnung hättest, wie das Leben unter der Armutsgrenze ist, würdest Du nicht so reden. Und ich wünsche Dir nicht, den sozialen Abstieg bzw die Angst davor, je kennenzulernen.
Ich hatte mich jetzt schon so daran gewöhnt, daß von Dir differenzierte und tiefsinnige Beiträge kommen. Das eben war Stammtischniveau.
LG,
Mouse
(Der alte Vorschlag z.Thema. journalistische Eigeninitiative gilt noch von meiner Seite)

Vera(Köln)
06.05.04, 21:14
>

Alba
07.05.04, 08:22
Hallo Mouse,
ich habe nach SD-Krebs für 5 Jahre 50 % GdB zuerkannt bekommen. Ich arbeite Vollzeit. Die jährliche Steuerersparnis beträgt etwa 400 €. Da sehe ich keine Chance für einen Urlaub in Kanada. Das ist genau so eine dumme Klischeevorstellung wie die vom Sozialschmarotzer.
Wenn die fünf Jahre vorbei sind, bekomme ich gar nichts mehr.
MfG Alba

Mouse
07.05.04, 09:50
Hi Alba,
besagter Freund verdient nicht wenig bei einer Bank und hatte damals (nach seiner Aussage) nach krebsbedingter Beinamputation einen GdB von 100. Wie hoch seine tatsächliche Steuerersparnis war, kann ich Dir nicht sagen, die Aussage, daß damit sein dreiwöchiger Kanada-Urlaub finanziert ist, stammt von ihm selber.
Es geht hier also nicht um irgendwelche Klischees, sondern um Aussagen Betroffener. Unabhängig davon, ob er damit nun übertrieben hat, oder ob die Ersparnis tatsächlich den kompletten Urlaub finanzierte, ich empfand es, da ich damals selber kaum genug zum Überleben hatte, als sehr ungerecht, daß die Höhe des "Ausgleichs" so gar nicht in Relation mit der tatsächlichen Einschränkung bei der Berufsausübung steht.
Stell Dir doch nur mal vor, wie hoch die Steuerersparnis bei einem beinamputierten Spitzenmanager sein dürfte. Und dagegen stellst Du die Steuerersparnis eines beinamputierten ungelernten Hilfsarbeiters. Ist der Verlust des Beines für den Spitzenmanager schlimmer zu bewerten, als des Hilfsarbeiters?
LG,
Mouse

Thomas
07.05.04, 10:42
Hallo Mouse,
in meinen Augen machst du hier einen Fehler, den viele andere auch machen, wenn sie sich über Postings erregen: du vermischt nämlich deine Realität mit dem, was du geschrieben hast. Meine Antwort bezog sich auf mein Verständnis von dem, was du geschrieben hast. Die ganzen Erläuterungen, die du jetzt bringst, werfen natürlich ein anderes Licht auf die Sache. Aber um das klarzustellen: deine Situation kannte ich nicht und deine Aussagen waren so oder so interpretierbar, das hat nichts damit zu tun, dass ich dich persönlich angreife, nur dein Posting - für mich ist das ein Unterschied. Genauso interpretierst du ja auch:
> Wenn Du wirklich Ahnung hättest, wie das Leben unter der Armutsgrenze ist,
> würdest Du nicht so reden. Und ich wünsche Dir nicht, den sozialen Abstieg
> bzw die Angst davor, je kennenzulernen.
Ich nehme dir das nicht übel, aber du hast ebensowenig Ahnung von meiner Historie und meiner Lebenssituation. Du interpretierst mein Leben aus meiner Antwort. Um nur einen Eindruck zu vermitteln: ich habe mit 16 meine Eltern verloren und mich dann noch um meine 6 Jahre jüngere Schwester kümmern müssen - leider ohne fettes Erbe. Ich behaupte, dass ich weiß, was Sorgen sind und mir ein Urteil erlauben kann. Und ich behaupte auch, dass viele das soziale System ausnutzen, weil sie mit dem Arsch nicht hochkommen. Mein Argument mit den Steuergeldern ist natürlich populistisch - ich zahle das ohne Murren, aber zum Teil stinkt es mir gewaltig, was und wer davon unterstützt wird.
CU - Thomas

Alba
07.05.04, 12:10
Hi Mouse,
ich weiß nicht, ob es bei 100 % Behinderung vielleicht einen höheren Betrag gibt als bei 50. Ich glaube aber, es ist sowieso nur ein Pauschbetrag für alle, den man steuerlich geltend machen kann und nicht abhängig vom Gehalt. Ganz sicher bin ich mir aber nicht, denn unsere Steuererklärung macht immer mein Mann.
Schönes Wochenende wünscht Alba

Mouse
07.05.04, 12:30
<div style="#427BAD">Hallo Thomas,</div>
<i style="color:gray">in meinen Augen machst du hier einen Fehler, den viele andere auch machen, wenn sie sich über Postings erregen: du vermischt nämlich deine Realität mit dem, was du geschrieben hast.</i>
<div style="#427BAD">Naja. Woher soll ich meine Erfahrungen und Schlußfolgerungen denn nehmen, wenn nicht aus meiner Realität? Oder versteh ich da jetzt was falsch?</div>
<i style="color:gray">Meine Antwort bezog sich auf mein Verständnis von dem, was du geschrieben hast. Die ganzen Erläuterungen, die du jetzt bringst, werfen natürlich ein anderes Licht auf die Sache. </i>
<div style="#427BAD">Das wurde mir hinterher auch klar. Deshalb hab ich ja auch die näheren Umstände, wie ich zu meinen Einsichten kam, nachgeliefert.</div>
<i style="color:gray">Aber um das klarzustellen: deine Situation kannte ich nicht und deine Aussagen waren so oder so interpretierbar, das hat nichts damit zu tun, dass ich dich persönlich angreife, nur dein Posting - für mich ist das ein Unterschied.</i>
<div style="#427BAD">Damit sprichst Du einen enorm wichtigen Unterschied an, den man, gerade auch hier im Forum, gar nicht genug betonen kann. Die Unterscheidung zwischen der Person an sich und deren Aussagen im Detail. Aus Deiner diesbezüglichen Aussage konnte ich eine solche Unterscheidung aber nicht so ganz klar herauslesen. Mir fiel auch nach wiederholtem Lesen keine andere Interpretation als folgende ein: Meinungen, wie die meine, würden für Dich an Sozialschmarotzertum grenzen. Für mich heißt das schon irgendwie, daß Du mir einen derart verwerflichen Lebenswandel vorwarfst.</div>
<i style="color:gray">Genauso interpretierst du ja auch:
>
>> Wenn Du wirklich Ahnung hättest, wie das Leben unter der Armutsgrenze ist,
>> würdest Du nicht so reden. Und ich wünsche Dir nicht, den sozialen Abstieg
>> bzw die Angst davor, je kennenzulernen.</i>
<div style="#427BAD">O.K. Ich gebs ja zu, das war billige Provokation...</div>
<i style="color:gray">Ich nehme dir das nicht übel, aber du hast ebensowenig Ahnung von meiner Historie und meiner Lebenssituation. Du interpretierst mein Leben aus meiner Antwort. Um nur einen Eindruck zu vermitteln: ich habe mit 16 meine Eltern verloren und mich dann noch um meine 6 Jahre jüngere Schwester kümmern müssen - leider ohne fettes Erbe. Ich behaupte, dass ich weiß, was Sorgen sind und mir ein Urteil erlauben kann.</i>
<div style="#427BAD">...eben deswegen. Gerade hier in der Anonymität des Forum kann kaum einer beurteilen, aus welcher Situation heraus jemand zu seiner Einstellung bestimmten Themen gegenüber gelangt ist. Wenn sich die Leute hier dieses erhöhten Potentials an Mißverständnissen bewußter wären und toleranter damit umgehen könnten, hätten wir wahrscheinlich nicht so viele dramatische Abgänge gehabt.</div>
<i style="color:gray">Und ich behaupte auch, dass viele das soziale System ausnutzen, weil sie mit dem Arsch nicht hochkommen. Mein Argument mit den Steuergeldern ist natürlich populistisch - ich zahle das ohne Murren, aber zum Teil stinkt es mir gewaltig, was und wer davon unterstützt wird.</i>
<div style="#427BAD">Es sei Dir unbenommen das zu behaupten und daran zu glauben.
Ich mußte mich seinerzeit auch des öfteren gegen solche Vorwürfe wehren, gerade weil man mir die Probleme nicht gleich ansah und das ist natürlich auch der Hauptgrund, warum ich das ausdiskutieren muß.
Aber meine Erfahrung geht doch auch sehr stark in andere Richtungen. Insbesondere Fälle, bei denen hilfsbedürftigen Menschen, das Notwendigste verweigert wurde, einfach, weil ihnen die Kraft und das Wissen fehlte, um ihre Ansprüche durchzusetzen, könnte ich Dir zuhauf aufzählen.
Und aus meiner Biographie kann ich dem hinzufügen, daß für mich der Umgang mit Behörden teilweise so anstrengend war, daß ich davon oft wochenlang nur noch flach lag.
Abgesehen von den üblichen Hörensagen-Geschichten von irgendwelchen Leuten, die mit dem neuen Mercedes beim Sozialamt vorfahren etc, kenne ich aber niemanden, dem ich ernsthaft Sozialbetrug vorwerfen könnte. Dagegen habe ich des öfteren weniger arme Leute erzählen hören, wie sie dies und jenes in ihrer Steuererklärung getrickst hätten. Für mich sitzen die Aufreger doch in den etwas besser situierten Gesellschaftsschichten.<br>
LG,<br>
Mouse</div>

Mouse
07.05.04, 12:36
Hi Alba,
<i>"ich weiß nicht, ob es bei 100 % Behinderung vielleicht einen höheren Betrag gibt als bei 50."</i>
Glaub schon und ich bilde mir auch ein, es wär vom Gehalt abhängig. Aber ich weiß es auch nicht besser (Hab nämlich auch Steuerberater...).
Schönes Wochenende Dir auch
LG,
Mouse

Renate R.
07.05.04, 12:57
Hallo Mouse,
ja, der Freibetrag ist an den Prozentsatz der Schwerbehinderung gestaffelt.
Lg Renate

Renate R.
07.05.04, 13:08
Hallo Thomas,
mit Dir möchte ich wirklich mal ein persönliches Gespräch führen, denn Du schreibst mit sehr "spitzer Feder" und hast Dir schnell, manchmal vorschnell,
ein Urteil gebildet, ohne die Situation des Anderen zu kennen.
Ich möchte hier nicht meine Lebensgeschichte darlegen, Mouse bestimmt auch nicht, aber es gibt nun mal Menschen die es schwerer getroffen hat und die sich auch alleine aus dem tiefen Lebensloch heraus gezogen haben, ohne die Gesellschaft zu belasten.
Ich könnte noch endlos weiter schreiben, aber das ist hier nicht der richtige Ort.
Lg Renate