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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Grad der Behinderung ?



Elfie
06.05.04, 10:49
Hallo
habe gestern meinen Bescheid über meinen GdB (30) bekommen und zwar aufgrund "seelicher Störung" ! Kann und soll ich das so stehen lassen. Hat es überhaupt Sinn den ganzen Käse nochmals aufzurollen?
Wer hat Erfahrung damit und kann mir einen Tip geben?
liebe Grüße
Elfie

Elfie
06.05.04, 10:51
>

Vera(Köln)
06.05.04, 10:53
>Hallo, Elfie,
was hattest du denn angegeben?
Hashi?
Und hattest du Atteste und wenn von welchen Ärzten? (Psychiater oder internist)
Wenn Hashi attestiert ist, ist "seelische Störung" natürlich nicht okay.
ansonsten ist 30% glaub ich erstmal "Standard".
Auch 40% würden keinen so großen Unterschied machen, glaube ich, und aus dem Stand 50% zu bekommen ist eher selten.
Lieben Gruß
Vera

Ulli G.
06.05.04, 11:17
>>Hallo Elfie, hallo Vera,
da meine Mutter als Schöffing im Sozialgericht tätig ist, hat sie mir mal so ein Buch über die GdBs gegeben. Leider wurde die SD da eher abgetan, da man ja den Hormonmangel ausgleichen kann. Hashi ist gar nicht aufgeführt.
Da ich mich auch mit dem Gedanken trage, einen Antrag zu stellen (auch wegen Migräne, Asthma, Kniedefekten) würde mich interessieren, ob es da überhaupt Aussicht auf Erfolg gibt und was einem das Ganz dann bringt steuerlich oder so?
Danke
lg
Ulli

Renate R.
06.05.04, 11:31
Hallo Ulli,
ab 50 % bekommst Du Steuervorteile, einen Freibetrag. Ich habe 70 % durch Hypophyseninsuffizienz und deren Folgen, also auch Hashi!
Es ist schon wichtig für die Zukunft einen GdB zu haben, auch wenn es "nur"
30 % sind. Wenn später etwas an Krankheiten dazu kommen sollte, wird es aufgerechnet.
Leider sehen es die Arbeitgeber nicht so gerne, wenn man einen GdB hat. Da ich sehr gesund aussehe, wurde ich allerdings auch nie gefragt. Es kam natürlich raus, als mir mehr Urlaub zustand.
Lg Renate

Vera(Köln)
06.05.04, 11:32
Liebe Ulli,
so genau weiß ich das leider auch nicht.:-(
Ich glaube zu wissen :-), dass beim Versorgungsamt NICHT die einzelnen Störungen addiert werden, sondern die jeweils schwerste gilt.
Kündigungsschutz- und urlaubsmäßig bringt das erst was ab 50%, steuerlich vielleicht indirekt auch schon eher, aber da müsste ich mich erst mal schlau machen.
LG
Vera

Ulli G.
06.05.04, 11:41
>

Ulli G.
06.05.04, 11:44
>habe mich bisher immer gescheut, einen Antrag zu ändern, auch, weil ich so oft den Arzt gewechselt habe und vor 4 Jahren umgezogen bin.
Wollte das Ganze aber doch mal angehen, auch, weil mir meine Mutter so in den Ohren liegt, dass ich das wegen der Migräne unbedingt machen solle. Ob mit Hashi was zieht, keine Ahnung....
Stimmt, man weiß nie, was noch dazu kommt!
Danke für die Info!
lg
Ulli

Liliane
06.05.04, 12:21
Was erhoffst Du Dir von all dem? Schlimmstenfalls kannst Du Probleme am Arbeitsplatz bekommen. Wenn auch nicht sofort, dann möglicherweise später mal.
VLG

Liliane
06.05.04, 12:26
<a href="http://www.shg-schmerzsyndrom.de/gdbmde01.html">GdB/MdE-Tabelle</a>
Es ist nicht nur die eine Seite, sondern wenn man ganz runterscrollt, geht es mit den <b>Rechtspfeilen</b> immer weiter....

Mouse
06.05.04, 12:44
Hallo Elfie,
ich hatte früher GdB 50 im grünen Lappen stehen. Nachdem ein Freund, der zwar beinamputiert, ansonsten aber besserverdienender Banker ist, mir von seinen immensen Steuervorteilen erzählte, hab ich einen Widerspruch versucht, um an ein "G" zu kommen. Dafür bin ich von Facharzt zu Facharzt gehoppelt und hab mir jedes noch so kleine Zipperlein attestieren lassen.
Das "G" hab ich natürlich nicht durchgekriegt mit meinem bißchen Arthrose damals, aber ich wurde auf GdB 70 hochgestuft.
Am höchsten bewertet wurde meines Wissens damals eine Rückgradverkrümmung. Es lohnt aber wohl schon, wirklich alles aufzuzählen (hab kürzlich gelesen, daß sogar Vitiligo jetzt anerkannt wird).
Ich sehe also doch gute Chancen, mehr rauszuholen, wenn Du Widerspruch einlegst.
Daß ich die Einstufung als "gehbehindert" haben wollte, lag daran, daß ich damals arbeitslos war. Das "G" hätte wenigstens enorme Einsparung bei öffentlichen Verkehrsmitteln gebracht.
Ich finde es ausgesprochen ungerecht, daß jemand, der trotz Behinderung Arbeit hat und gut verdient, auch noch extra viel Steuerermäßigung kriegt, während die, die behinderungsbedingt keine Arbeit finden oder gar von Sozialhilfe leben müssen, leer ausgehen, wenn sie "NUR" chronisch krank sind.
Viel Glück dabei,
LG,
Mouse

Gunda
06.05.04, 13:16
Wenn man das alles zusammen zählt, was man so als Hashi haben kann, kommt man bestimmt zu einer Anerkennung.
Schöne Grüsse, Gunda

Elis
06.05.04, 14:28
Ab einem bestimmten Grad (50 0der 60 bzw. in Fällen, wo man zwar einen geringeren Grad hat, aber de facto irgendwie hinaufgestuft wird), kann es schon etwas bringen. Dann besteht sogar ein höherer Kündigungsschutz in der Form, dass zum Beispiel stets eine externe Kommission (Behindertenvertretung) gefragt werden muss und zustimmen muss, wenn es darum geht, eine/n MitarbeiterIn mit solchem GdB zu kündigen, und die vertritt die Interessen dieses/dieser MitarbeiterIn, außerdem gibts einige Urlaubstage mehr und finanzielle Erleichterungen.
Bei der Einstellung kann es Vorteile bringen, aber auch Nachteile - je nachdem, ob eine Stelle ausdrücklich für Schwerbehinderte ausgeschrieben ist. Ungefragt, muss man von sich aus eine Schwerbehinderung nicht erwähnen, auch nicht, dass man einen solchen Ausweis hat. Wenn man direkt danach gefragt wird, kann es aber sein, dass man dazu verpflichtet ist. (Bisher war mans, derzeit wird das gerade etwas kontrovers diskutiert.) Dennoch sollte man immer sorgfältig abwägen und sich beraten lassen. Bei einem GdB unter 50 (es gibt aber irgendwie eine Möglichkeit, sich das de facto aufwerten zu lassen hinsichtlich des Kündigungsschutzes) kann man fast alle der oben genannten Vorteile nicht in Anspruch nehmen, außer leichten finanziellen Steuervorteilen. Anders als oft angenommen, bezieht sich der GdB nicht auf eine Addition von Einzelleiden oder auf eine bestimmte Erkrankung, sondern er "bemisst" die Einschränkung der Teilnahme an wichtigen Lebensbereichen, bzw. die Beeinträchtigung (z.B. durch Atemschwierigkeiten, Sprechschwierigkeiten, beeinträchtigte Motorik, fehlende Gliedmaßen, Gehunfähigkeit etc.) Da diese Einschränkung bei der selben Krankheit oft unterschiedlich ausgeprägt ist, kann man nicht automatisch sagen, eine Krankheit entspricht einem GdB von soundso. In der Praxis wird das zwar manchmal so gehandhabt, ist aber nur ein Hilfskonstrukt, und Patienten, die das Gefühl haben, dass dieses Hilfskonstrukt ihre subjektive Lage nicht angemessen umschreibt (und dass es nicht angemessen ist, kommt sehr oft vor), sollten Einspruch erheben - dazu muss nicht unbedingt eine Vielzahl von Krankheiten geschildert werden, es sollten aber sämtliche Beschwerden, die das Leben und vor allem die Teilnahme am sozialen Leben (also nicht nur Beruf, auch Freizeit, auch Familie) stark beeinträchtigen - dazu zählt auch die seelische Komponente! - angeführt werden.

Vera(Köln)
06.05.04, 15:55
>>

Thomas
06.05.04, 16:26
Hallo Mouse,
> Ich finde es ausgesprochen ungerecht, daß jemand, der trotz Behinderung
> Arbeit hat und gut verdient, auch noch extra viel Steuerermäßigung kriegt,
> während die, die behinderungsbedingt keine Arbeit finden oder gar von
> Sozialhilfe leben müssen, leer ausgehen, wenn sie "NUR" chronisch krank sind.
Seltsames Verständnis von Gerechtigkeit hast du. Ich gönne jedem Behinderten seine Steuerermäßigung und möchte auf keinen Fall mein Hashi bei einem beinamputierten Banker eintauschen.
Und ehrlich gesagt: wegen etwas Arthrose ein G haben zu wollen, um billig mit dem Bus fahren zu können, kommt ziemlich dem nahe, was ich als Sozialschmarotzertum bezeichnen würde. Da verliere ich bald die Lust, weiter zu arbeiten und das mit meinen Steuern zu subventionieren.
CU - Thomas
>
>Viel Glück dabei,
>LG,
>Mouse

Dietmar Rell
06.05.04, 20:42
Hallo Elfie,
ich habe da auch schon mit dem Gedanken gespielt, da was anzuleiern.
"Bringen" tut das aber erst was ab 50 % MDE, und die zu kriegen, ist schwer.
Ich bin seit 12 Jahren frühverrentet wegen 2 überaus erfolgreicher Bandscheibenoperationen mit Folgeschäden. Diesen dämlichen "kleinen Japaner" hab ich jetzt noch als i-Tüpfelchen obendrauf bekommen.
Nach 3 Gutachten und einem Prozeß habe ich 50 % mit Merkzeichen "G" erhalten.
Und das, obwohl ich seit 5 Jahren alle 6 Stunden Morphium nehmen muß um die Schmerzen auszuhalten. Es bringt mir einen kleinen Steuerfreibetrag und manchmal darf ich Behindertenparkplätze benutzen.
Die Crux ist ganz einfach, das aus ärztlicher Sicht (war bei mir der Fall) ein höherer MDE gerechtfertigt ist, im Gesetz aber ganz einfach nicht mehr vorgesehen ist für diese Erkrankung.
Die Frau eines Bekannten von mir erhielt am Tag ihrer Beerdigung einen ablehnenden Bescheid wegen der Erkrankung an der sie 3 Tage zuvor gestorben ist.
Soviel zur realistischen Beurteilung einer Erkrankung seitens der Behörden....
Es kostet immens viel Kraft, diesen "Verwaltungsakt" auf sich zu nehmen. Für ein lächerliches Resultat für alles unter 50 % MDE
Es gibt aber sehr gute und nicht teure Literatur, die sich speziell damit befasst, das würde ich eigentlich im Vorfeld als Pflichtlektüre empfehlen.
Trotzdem toi toi toi
Dietmar

Elfie
06.05.04, 21:36
Hallo
und danke für euer Interesse!
Möchte betonen, daß ich keineswegs darauf aus bin mir auf unsozialem Wege den höchsten GdB zu "erschleichen" - das widerspricht meinem Charakter. Der Antrag wurde während der Kur gemacht, darüber war ich auch erstaunt.
Ich wäre nie von selbst auf die Idee gekommen diesen Antrag zu stellen, dazu war ich zu sehr mit meiner mir unvorstellbaren Veränderung und Beeinträchtigung beschäftigt. In der UF wäre ich nie in der Lage zu solchen Aktivitäten gewesen. PC-Arbeit strengt mich heute noch enorm an und das mir als Verw.-Angestellte (seit 2 Jahren arbeitsunfähig). Mir fehlt schlicht weg die nötige Konzentration und das erzeugt seelische Schmerzen und endlos Frust aber ich ertrage es mit Geduld, mal mehr mal weniger. Natürlich war die Hashi-Diagnose mit auf der Liste aber ihr kennt das ja alle - bei Hashi nimmt man seine Hormone und schon geht alles wie von selbst so wie früher bei dem HB-Männchen. Ich wäre glücklich darüber aber leider wirkt das bei mir nicht so - es hat sich schon vieles durch die Hormonsteigerung gebessert aber an einem streßigen Arbeitsalltag könnte ich noch nicht teilnehmen. Mir geht es nur darum, daß nicht wie immer alles als psychisch abgetan wird und die "Ursache" und all die zusätzlichen gesundheitlichen Probleme völlig außer Acht bleiben. Dem Schreiben konnte ich entnehmen, daß zur Beurteilung einfach nur Beeinträchtigungen herangezogen werden können, die in diesem Katalog für die Beurteilung stehen und davon wird der markanteste genommen. Aber bei all diesen ärztlichen Berichten waren einige noch aus der Zeit vor der Hashi-Diagnose oder von Ärzten, die diese Krankheit nicht anerkennen.
Ich wollte es schwarz auf weiß haben, daß Hashimoto der Grund für die ganze Geschichte ist - an sonsten ist es mir egal was auf dem Papier steht.
liebe Grüße
Elfie