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Beate S.
08.03.04, 18:47
Hallo zusammen und guten Abend!
Ich habe mal so eine allgemeinde Frage im Bezug auf die Arbeit.
Ich arbeite nun schon 14 Jahren auf dem Büro in diversen Firmen. Dabei habe ich festgestellt, dass ich erst bei einer Firma (inkl. 2 Jahre Lehrzeit) total 4 Jahre war und bei allen (ca. 7) andere Firmen in jeweils nur ein- bis eineinhalb Jahre. Es gibt viele Gründe hierfür wie z.B. Fusionen etc. Aber ich habe auch festgestellt, dass es mir immer nach ca. 1 Jahr fürchterlich langweilig wird und ich absolut desinteressiert an die Arbeit gehe, obwohl ich fürs Leben gerne Arbeite.
Seit 3 Mt. weiss ich, dass ich Hashimoto habe und weiss auch, dass meine Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Vergesslichkeit etc. von dieser Krankheit her stammen. Darum kann ich mich selber auch besser verstehen. Meine Werte sind erst seit ca. 3 Wochen in der Norm und ich fühle mich noch nicht optimal darum werde ich demnächst meinen Arzt wieder aufsuchen.
Meine Arbeitsqualität und Leistung ist deswegen dementsprechend eingeschränkt, obwohl ich mir so sehr Mühe gebe. Aber eben ich gebe mir Mühe und hier liegt schon das Problem. Meine Arbeit ist leider stets fehlerhaft und man kann sich nicht auf mich verlassen. Aber was soll ich machen, ich kontrolliere mich selber und schreibe alles auf damit ich nichts vergesse. Trotzdem ist es in diesem Zustand enorm schwierig.
Dazu muss ich noch erwähnen, dass ich seit ca. 15 Jahren an chronischen Kopfschmerzen leide. Ich habe absolut alles versucht um das zu beheben. Leider erfolglos. Aber ich habe festgestellt, dass diese Schmerzen enorm zurückgegangen sind seit ich mit den SD-Hormonen behandelt werde, obwohl K-Schmerzen eigentlich nicht unbedingt ein Symptom sind. Aber ich hoffe es bleibt so. Diese chr. K-Schmerzen machten die Arbeit zusätzlich sehr schwer zu bewältigen.
Meine Arbeitskollegin hat erwähnt, dass ich mich mehr konzentrieren soll etc. Damals wusste ich von meinem Problem noch nicht. Es tut mir ihr gegenüber sehr leid, dass ich immer Schwierigkeiten mache und ich kann ihr Ärgernis auch verstehen. Aber was soll ich machen, wenn mir irgend wann mal gekündigt wird? Mahnungen genut in Sachen Arbeitsqualität habe ich eben schon erhalten.
Ich habe dies meinem Arzt auch gemolden, dass ich Probleme habe. Sollte ich ihn mal darauf ansprechen? Wenn mir dann gekündigt würde (habe enorm Angst davor) könnte man da ein Ärztliches Zeugnis erhalten?
Wer hat hier schon Erfahrungen gemacht?
Besten Dank fürs Lesen und Antworten.
GLG Beate

Jane
08.03.04, 20:25
Liebe Beate,
ich fürchte, daß der Arzt dich bei Entlassung bzw. Abmahnungen nicht entlasten kann. Dazu ist das Krankheitsbild viel zu diffus und (leider!) zu wenig anerkannt.
Aber vielleicht findet sich ein Weg. Wichtig ist nur, die Verantwortung für deine Ausfälle nicht jemand anders zu übertragen, nach dem Motto "Ich hab euch doch gesagt, daß...
Ich bin ja auf der Arbeitgeberseite und kenne das Problem. Ich hatte lange Jahre eine ganz liebe, superkompetente Sekretärin, die eine extreme Sehschwäche hatte. Erst hat sie versucht, das zu verschweigen, bis ich sie danach gefragt habe. Da wußte ich, worauf ich achten muß, sie hat z.B.immer den neuesten und besten Monitor in der Firma gehabt und ich habe ihr große Buchstaben eingestellt. Das Kleingedruckte in der Geschäftskorrespondenz habe ich gelesen bzw. sie hat eine Lupe benutzt. Und bei mir hatte sie einen Job am Telefon, d.h. mußte keine Leute am Gesicht erkennen.
Ihre Defizite beim Sehen hat sie kompensiert mit Supertempo beim Maschineschreiben und hervorragendem Steno.
Da ist vielleicht der Ansatzpunkt. Schau, was du besonders gut kannst und wie du es bei deinem Job nutzen kannst.
Daß es wichtig ist, bei Konzentrationsproblemen alles aufzuschreiben, ist klar. Ich mache das auch, besonders in Zeiten, wo mein Gedächtnis nicht mal 20 Sekunden was festhält.
Am Abend oder zwischendurch kannst du die Liste abhaken und dann merkst du, was vergessen wurde. Aber das sollte per se nichts Schlechtes für deinen Chef und deine Kollegen sein, eher auf Akribie hindeuten. Ich lege auch manchmal Dinge offen hin, damit mich die anderen darauf hinweisen bzw. ich sie selber sehe. Wen bei mir ein Schriftstück per Post angefordert wird, schicke ich es schon während bzw. kurz nach Ende des Telefonates zum Drucker. Wenn ich vergesse, es einzupacken, finde ich es bei nächsten Gang zum Drucker, bzw. ich werde gefragt, ob das meins ist.
Ich glaube, wichtig ist, daß du an deinem Arbeitsplatz die Freiheit bekommst, dir den Job so zu organisieren, daß dein Netz von kleinen Hilfsmitteln und Eselsbrücken funktioniert. Das kann jeder tolerieren, wenn alle sehen, daß man sich auf dich verlassen kann. Die verständliche Angst deiner Kollegen ist doch eher die, daß sie Fehler von dir ausbaden bzw. deine Arbeit mitmachen müssen. Wenn das nicht der Fall ist, kannst du deine Arbeit auf dem Kopf stehend machen, wenn sie dir dann besser von der Hand geht.
Auch ich kenne das Problem, das ich nach spätestens 3 Jahren in einer Tätigkeit restlos demotiviert bin. Mir geht es genauso, daß ich eigentlich nur im ersten Jahr, mit dem Kick (Adrenalinschub?) des Neuen ohne Mühe konzentriert bin. Ich dachte, das geht nur mir so. Aber vielleicht ist es das typisch UF-Temperament, daß man nur im Streß voll da ist. Ich habe mal eine Frau gekannt, der ging es ähnlich, die hatte auch eine UF und erzählte sie mir, daß sie sich nur Liebeseskapaden vor der kompletten Lethargie schützen konnte.
Na,das wäre sicher auch ein Weg, nur wo finden wir Hashifrauen die vielen armen Opfer, wenn wir als femmes fatales durch die Welt touren?
LG Jane