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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : @ Thomas: Krankenvers. und Wiedervereinigung (Antw. v. unten)



Saskia
25.05.03, 11:46
Hallo Thomas!
Ich befürchte, daß der Beitrag unten schnell auf S. 2 verschwinden wird, darum die Antwort hier oben.
Wie ich schon sagte, bin ich nicht mit allem einverstanden, was da so im Eifer des Gefechts hochkocht.
Jedoch sind einige Punkte unbestritten. Neben der Abzocke, die stattfindet, ist das der Einfluß und vor allen Dingen das Zusammentreffen der vielen Chemikalien, denen wir ausgesetzt sind u. von deren tatsächlicher Wirkung im Zusammenspiel nicht einmal die Wissenschaftler eine Ahnung haben. Das wird schließlich offen zugegeben.
Was nun die Abzocke der Patienten angeht, so möchte ich noch auf etwas hinweisen, was ich gelesen habe. Der Beitrag stammt nicht von mir, die Hashis aus den neuen Bundesländern mögen also bitte nicht über den Boten herfallen.
Jedenfalls macht einen das schon nachdenklich und mich, der ich ohnehin eine bestimmte politische Richtung favorisiere, bestätigt das nur. Und es bestätigt auch die Aussage von Oskar, der sich damals mit der stufenweisen, langsamen Umstellung unbeliebt gemacht hat. Doch das ist ein anderes Thema.
<a href="http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=12672">Studie: Ohne Wiedervereinigung GKV-Beiträge wie 1991</a>
Liebe Grüsse

Thomas
25.05.03, 14:30
Hallo Saskia,
> Jedoch sind einige Punkte unbestritten. Neben der Abzocke, die stattfindet,
> ist das der Einfluß und vor allen Dingen das Zusammentreffen der vielen
> Chemikalien, denen wir ausgesetzt sind u. von deren tatsächlicher Wirkung im
> Zusammenspiel nicht einmal die Wissenschaftler eine Ahnung haben. Das wird
> schließlich offen zugegeben.
Ich stimme zu, dass die Lebensumgebung für Städter sicher nicht das ideale Biotop sind. Aber bei aller berechtigten Kritik muss man doch auch ein paar positive Tendenzen anerkennen:
1. die Menschen werden immer älter und bleiben immer länger gesund - das deutet nicht darauf hin, dass die Lebensumstände heute schlimmer sind als früher!
2. Umweltbelastungen durch Industrie werden in Europa weniger (leider nehmen sie in Ländern der dritten Welt zu) - als Beispiel denke ich gern daran, dass Anfang der 70er zu Hause (im Ruhrgebiet) weisse Wäsche möglichst nicht draussen trocknen sollte. Heute kann man in der Ruhr wieder schwimmen (muss man aber nicht...)
3. Trotz aller Lebensmittelskandale ernähren wir uns heute gesünder als früher und die Auswahl an hochwertigen Lebensmitteln ist groß (obwohl natürlich ein Schnitzel vom Biobauern oder unbehandeltes Obst doppelt so viel kostet wie im Supermarkt - aber das ist die Entscheidung jedes Einzelnen, ob er gutes Essen oder einen neuen Daimler braucht).
4. Arbeit ist gesünder - Ergonomie wird großgeschrieben und gesetzlich verankert, die Arbeitszeit wird immer kürzer. Körperlich schwere Arbeit wird mehr und mehr automatisiert. Heute sterben (wohlgemerkt in Deutschland) Bergleute nicht mehr reihenweise an Staublungen und Rückenprobleme kommen meist davon, dass die Leute ihren Arsch nicht mehr hochkriegen und nicht vom schweren Heben.
> Jedenfalls macht einen das schon nachdenklich und mich, der ich ohnehin eine
> bestimmte politische Richtung favorisiere, bestätigt das nur. Und es
> bestätigt auch die Aussage von Oskar, der sich damals mit der stufenweisen,
> langsamen Umstellung unbeliebt gemacht hat. Doch das ist ein anderes Thema.
Stimmt - ich habe glaube ich dasselbe Parteibuch und Oskar hat damals zu Unrecht viel Prügel als "Vaterlandsverräter" bezogen. Aber nachher hat er sie zu Recht bekommen und ist - wie ich finde auch zu recht - heute in der SPD "persona non grata".
Aber im Rückblick finde ich, die Alternativen im Vorgehen waren nicht da. Hätte man die Wiedervereinigung anders aufgezogen, wäre die DDR schnell menschenleer gewesen. HInzu kommt, dass die DDR nach GG immer ein Bestandteil der Bundesrepublik mit allen Rechten war (halt nur vorübergehend fremdbestimmt) - das ist, nebenbei bemerkt, heute auch ein Problem der Rentenkassen: alle haben lange gearbeitet, von dem Geld, das sie eingezahlt haben ist nix mehr da und meine Generation zahlt die Zeche. Aber das kann ich den Leuten nicht vorwerfen. Also hätte Oskar nur wenig anders machen können, aber Helmut hätte uns nicht "blühende Landschaften" versprechen dürfen, weil er es besser gewusst haben muss.
Also, wieso ärgern über Dinge, die wir nicht mehr ändern können? Ich bin vielmehr gespannt, wie die Sozis de Karren aus dem Dreck ziehen wollen. Mein Vorschlag: alles kaputtschlagen und neu aufbauen ;-)
Ciao - Thomas

Saskia
25.05.03, 16:12
Hallo Thomas, dem ist nicht viel hinzuzufügen, lediglich daß man gerade beim wichtigsten Lebensmittel, dem Wasser, nicht "ausweichen" kann - egal ob Stadt- oder Landbewohner.
<a href="www.umweltdaten.de/down-d/chempol2.pdf ">Umweltchemikalien, die auf das Hormonsystem wirken</a>
Einen schönen Restsonntag, Saskia

Saskia
25.05.03, 16:16
Das Leerzeichen hatte ich leider übersehen, daher so:
www.umweltdaten.de/down-d/chempol2.pdf

Gabi aus München
25.05.03, 20:07
Hallo Thomas!
Ich bin mir nicht sicher, ob solche Diskussionen in dieses Forum gehören, weil die Beiträge, in denen wir um Hilfe wegen Werten, Befinden usw sehr schnell auf die 2. Seite geraten. Außerdem scheint es auch auf Frau Levekes Kosten zu gehen.
Da ich aber als frisch diagnostizierte KPUlerin und Entdeckerin dieses Forums als Studentin gerade mit erheblichen Kosten zu kämpfen habe und nicht aus einem begüterten Elternhaus stamme und außerdem schon die "unteren sozialen Gegenden" dieser Gesellschaft kennengelernt habe, konnte ich mich nach Deinem Abschluß-satz nicht zurückhalten.
>1. die Menschen werden immer älter und bleiben immer länger gesund - das deutet nicht darauf hin, dass die Lebensumstände heute schlimmer sind als früher!
--->Ich will das grundsätzlich in Zweifel ziehen, möchte aber darauf hinweisen, daß die Lebenserwartung eine statistische Größe ist. Wenn also eine hohe Kindersterblichkeit herrscht, dann sinkt die allgemeine Lebenserwartung. Das heißt aber nicht unbedingt, daß es vor 100 Jahren keine 80-Jährigen gab. Menschen mit Geld hatten schon immer ein gesünderes Leben als Arme.
>3. Trotz aller Lebensmittelskandale ernähren wir uns heute gesünder als früher und die Auswahl an hochwertigen Lebensmitteln ist groß (obwohl natürlich ein Schnitzel vom Biobauern oder unbehandeltes Obst doppelt so viel kostet wie im Supermarkt - aber das ist die Entscheidung jedes Einzelnen, ob er gutes Essen oder einen neuen Daimler braucht).
--->das ist schön....wenn man überhaupt diese Wahl hat. Leider ist das nicht die Regel. Muß ich dazu noch was sagen?
>4. Arbeit ist gesünder - Ergonomie wird großgeschrieben und gesetzlich verankert, die Arbeitszeit wird immer kürzer. Körperlich schwere Arbeit wird mehr und mehr automatisiert. Heute sterben (wohlgemerkt in Deutschland) Bergleute nicht mehr reihenweise an Staublungen und Rückenprobleme kommen meist davon, dass die Leute ihren Arsch nicht mehr hochkriegen und nicht vom schweren Heben.
Schön, wenn man einen Betriebsrat hat. In kleinen Betrieben findet das so nicht statt. Die Realität ist eher so, daß ziemlich viele Menschen viel mehr arbeiten müssen, als das betriebsverfassungsgesetz zuläßt, und man mit Gesundheitsschutz im Betrieb wirklich nicht anzukommen braucht, wenn man seinen Job behalten will. Ich kenne Leute, die arbeiten für 2,5 Euro die Stunde.
>Also, wieso ärgern über Dinge, die wir nicht mehr ändern können? Ich bin vielmehr gespannt, wie die Sozis de Karren aus dem Dreck ziehen wollen. Mein Vorschlag: alles kaputtschlagen und neu aufbauen ;-)
Das war dieser Abschluß-Satz...nicht sehr hilfreich für die Menschen in diesem Land, die bereits bis zum Anschlag angespannt sind. Ich plädiere dafür, die Situation nicht nur aus der eigenen, bürgerlichen Perspektive zu betrachten.
Nix für ungut
Gabi

Thomas
25.05.03, 21:35
Hallo Gabi,
>Das war dieser Abschluß-Satz...nicht sehr hilfreich für die Menschen in diesem Land, die bereits bis zum Anschlag angespannt sind. Ich plädiere dafür, die Situation nicht nur aus der eigenen, bürgerlichen Perspektive zu betrachten.
Vielleicht habe ich manchnmal eine zynische Ausdrucksweise, aber wie kommst du darauf, dass ich eine "bürgerliche Perspektive" habe? Natürlich sind mir die Probleme bewusst und ich bin selbst betroffen. Nur wird die finanzielle lage dazu führen, dass das Gesundheitssystem früher oder später kollabiert. Und da war mein Vorschlag, sich irgendwann hinzusetzen und das alte in die Tonne zu kloppen und ein neues zu basteln. Hilfreich für die menschen wäre es, Ihnen reinen Wein einzuschenken und gemeinsam etwas neues zu erstellen. Rumwursteln ist IMO das schlimmste, was man machen kann...
LG - Thomas

Thomas
25.05.03, 21:43
Nur noch kurz ein Satz: es ging mir nicht darum, die Welt in himmelblau zu schildern, wie gesagt ging es um "Tendenzen". Dass es in Einzelfällen anders aussieht ist unbestritten, aber das war noch nie anders und in der Historie gab es nur wenig Zeiten, in denen die Versorgung allgemein so gut war. Was nicht heisst, dass es nicht besser sein könnte!!!
Gute nacht - Thomas
>Hallo Thomas!
>
>Ich bin mir nicht sicher, ob solche Diskussionen in dieses Forum gehören, weil die Beiträge, in denen wir um Hilfe wegen Werten, Befinden usw sehr schnell auf die 2. Seite geraten. Außerdem scheint es auch auf Frau Levekes Kosten zu gehen.
>Da ich aber als frisch diagnostizierte KPUlerin und Entdeckerin dieses Forums als Studentin gerade mit erheblichen Kosten zu kämpfen habe und nicht aus einem begüterten Elternhaus stamme und außerdem schon die "unteren sozialen Gegenden" dieser Gesellschaft kennengelernt habe, konnte ich mich nach Deinem Abschluß-satz nicht zurückhalten.
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>>1. die Menschen werden immer älter und bleiben immer länger gesund - das deutet nicht darauf hin, dass die Lebensumstände heute schlimmer sind als früher!
>--->Ich will das grundsätzlich in Zweifel ziehen, möchte aber darauf hinweisen, daß die Lebenserwartung eine statistische Größe ist. Wenn also eine hohe Kindersterblichkeit herrscht, dann sinkt die allgemeine Lebenserwartung. Das heißt aber nicht unbedingt, daß es vor 100 Jahren keine 80-Jährigen gab. Menschen mit Geld hatten schon immer ein gesünderes Leben als Arme.
>
>>3. Trotz aller Lebensmittelskandale ernähren wir uns heute gesünder als früher und die Auswahl an hochwertigen Lebensmitteln ist groß (obwohl natürlich ein Schnitzel vom Biobauern oder unbehandeltes Obst doppelt so viel kostet wie im Supermarkt - aber das ist die Entscheidung jedes Einzelnen, ob er gutes Essen oder einen neuen Daimler braucht).
>--->das ist schön....wenn man überhaupt diese Wahl hat. Leider ist das nicht die Regel. Muß ich dazu noch was sagen?
>
>>4. Arbeit ist gesünder - Ergonomie wird großgeschrieben und gesetzlich verankert, die Arbeitszeit wird immer kürzer. Körperlich schwere Arbeit wird mehr und mehr automatisiert. Heute sterben (wohlgemerkt in Deutschland) Bergleute nicht mehr reihenweise an Staublungen und Rückenprobleme kommen meist davon, dass die Leute ihren Arsch nicht mehr hochkriegen und nicht vom schweren Heben.
>
>Schön, wenn man einen Betriebsrat hat. In kleinen Betrieben findet das so nicht statt. Die Realität ist eher so, daß ziemlich viele Menschen viel mehr arbeiten müssen, als das betriebsverfassungsgesetz zuläßt, und man mit Gesundheitsschutz im Betrieb wirklich nicht anzukommen braucht, wenn man seinen Job behalten will. Ich kenne Leute, die arbeiten für 2,5 Euro die Stunde.
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>>Also, wieso ärgern über Dinge, die wir nicht mehr ändern können? Ich bin vielmehr gespannt, wie die Sozis de Karren aus dem Dreck ziehen wollen. Mein Vorschlag: alles kaputtschlagen und neu aufbauen ;-)
>
>Das war dieser Abschluß-Satz...nicht sehr hilfreich für die Menschen in diesem Land, die bereits bis zum Anschlag angespannt sind. Ich plädiere dafür, die Situation nicht nur aus der eigenen, bürgerlichen Perspektive zu betrachten.
>
>Nix für ungut
>Gabi