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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kompakt-Diagnostik klärt Herzstolpern



Gabi
12.09.02, 14:19
http://www.medical-tribune.de/GMS/bericht/Trommel-Test
Erst Trommel-Test, dann EKG
Kompakt-Diagnostik klärt Herzstolpern
Medical Tribune Bericht
ST. GALLEN - Herzjagen, beängstigende Pausen, Kanonenschläge im Hals - viele Ihrer Patienten klagen über Palpitationen. Hier gilt es Gefährliches herauszufiltern, ohne den diagnostischen Aufwand zu überziehen. Manchmal helfen kleine Trommelübungen auf Ihrem Schreibtisch weiter.
Schön, wenn Sie einen Patienten, der über Palpitationen klagt, bei einem der Anfälle erwischen und das Ganze per Zwölf-Kanal-EKG auf Papier bannen können. Meist haben Sie dieses Glück aber nicht - was tun? Bei jedem "Herzkasper" das ganze Diagnostikprogramm samt Echo, Langzeit- und Belastungs-EKG abzufahren bedeutet zu viel Aufwand, wenn man bedenkt, wie häufig solche Beschwerden sind. Dr. Hans Rickli und Kollegen von der Abteilung für Innere Medizin am Kantonsspital St. Gallen stellten im "Schweizer Medizinischen Forum" eine rationale Stufendiagnostik vor.
Bereits die akribische Anamnese ergibt oft wichtige Hinweise. Seit wann, wie oft, wie lang? Bestehen Begleitsymptome, und kann der Patient das Ganze beeinflussen, z.B. durch vagale Manöver? So lauten die wichtigen Fragen. Und lassen Sie Ihren Patienten doch ein wenig trommeln: Er soll die Palpitationen vorklopfen, das geht oft besser als verbal beschreiben. Dabei kann es hilfreich sein, wenn der Untersucher dem Patienten einige Beispiele vorklopft, merken die Autoren an.
Kanonenschlag und Froschzeichen
Oft werden die Patienten durch "Aussetzer" mit nachfolgend kräftigem Herzschlag irritiert. Hier handelt es sich am ehesten um ventrikuläre Extrasystolen mit kompensatorischer Pause oder um ein Wiederanspringen des Sinusknotens nach atrialer Extrasystole. Hinter raschem Flattern in der Brust steckt dagegen eher eine Sinus- oder Kammertachykardie, wobei plötzliches Anspringen und Sistieren gegen die Sinustachykardie spricht. Lässt sich das Jagen durch Karotissinusmassage stoppen, macht dies eine Störung im AV-Knotenbereich wahrscheinlich.
Bei der typischen Form der AV-Reentry-Tachykardie kann es zur AV-Dissoziation kommen, sprich Vorhöfe und Kammern schlagen unkoordiniert. Die Vorhofkontraktion bei geschlossener Mitral- bzw. Trikuspidalklappe schickt "Kanonenschläge" bis in den Hals. Dabei resultiert bei einer schnellen regelmäßigen Tachykardie evtl. das "Froschzeichen", ein regelrechtes Aufblähen des Halses. Knifflig gestaltet sich bei Assoziation mit Angst und Panik die Abgrenzung zur Panikkrankheit, die häufig von Palpitationen begleitet wird. Wie eine Studie an über 100 Patienten zeigte, erhielten 32 fälschlich das Paniketikett, weil eine supraventrikuläre Tachykardie nicht erkannt wurde.
Tachykardie nicht mit Panik verwechseln
Wichtige Indizien lassen sich auch bei der klinischen Untersuchung finden: Der midsystolische Klick weist auf Mitralklappenprolaps hin. Ein raues Holosystolikum am linken Sternalrand, verstärkbar durch Valsalvamanöver, lässt an eine hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie denken.
Als Nächstes auf der Stufenleiter folgt das EKG: Kurze PQ-Zeit und Deltawellen können ein Wolff-Parkinson-White-Syndrom aufdecken. Zeichen von Hypertrophie und Vorhofbelastung (terminal negative P-Welle in V1) sprechen für "zu dickes Herz", das erfahrungsgemäß häufig unter Vorhof- und Kammertachykardien leidet. Q-Wellen als Zeichen eines alten Infarkts lassen ebenfalls Kammertachykardien befürchten.
Die Vergrößerung des QT-Intervalls führt Sie auf die Spur des angeborenen oder erworbenen langen QT-Syndroms, das die Patienten durch erhöhtes Synkopen- oder Herztodrisiko bedroht. Letzteres gilt auch für das familiär gehäufte Brugada-Syndrom, das durch ST-Hebungen in V1-3 gekennzeichnet ist.
Wenn Anamnese, klinische Untersuchung und EKG unter Dach und Fach sind, muss nur unter bestimmten Bedingungen weitere Diagnostik erfolgen:
* bei Risikogruppen für plötzlichen Herztod (strukturelle Herzerkrankung, positive Familienanamnese),
* wenn persönliche Anamnese oder Ruhe-EKG anhaltende Tachykardien erwarten lassen,
* im Rahmen der Synkopenabklärung,
* um verunsicherten Patienten die Gutartigkeit der Palpitationen zu dokumentieren.
Wer braucht Echo und Loop-Rekorder?
Die Echokardiographie kann Hinweise auf eine strukturelle Herzerkrankung geben. Per Belastungs-EKG lässt sich die fragliche Rhythmusstörung u.U. auslösen. Eine zentrale Rolle-beim Arrhythmie-Einfangen spielt das Langzeit-EKG. Dabei bieten die neuen "Loop-Event-Recorder" den Vorteil, dass sie das EKG kontinuierlich aufzeichnen, Daten aber erst speichern, wenn der Patient bei "Herzklopfen" ein manuelles Signal gibt. Innerhalb einer Periode von 14 Tagen gelingt es bei den meisten Patienten die Palpitationen zu erfassen, so die Kollegen. Oft zeichnet das Gerät dabei benigne bzw. keine Störungen auf.
Herzkatheter oder Antiarrhythmika?
Patienten mit dokumentierten ventrikulären Extrasystolen oder nicht anhaltenden Kammertachykardien haben - bei strukturell normalem Herzen - im Vergleich zu palpitationsfreien Altersgenossen keine schlechtere Prognose. Eine antiarrhythmische Therapie muss man daher nicht einleiten. Nur bei subjektiv starkem Leidensdruck empfiehlt es sich, probatorisch Betablocker zu geben.
Bestehen dagegen anhaltende Vorhof- oder Kammertachykardien, muss eine Therapie erfolgen. Gerade bei jüngeren Patienten sollte man mit Spezialisten früh die Möglichkeit einer kathetertechnischen Behandlung diskutieren, anstatt a priori die jahrelange Antiarrhythmika-Gabe zu akzeptieren, raten die Experten.
MTD, Ausgabe 36 / 2002

nette
13.09.02, 07:59
Hallo Gaby,
zu schade, daß nicht auf ein weiteres "Syndrom" hingewiesen wird, nämlich die Häufigkeit von Arrhythmien bei SD-Erkrankungen. Dann könnte sich so mancher "jüngere Patient" auch die jahrelange Gabe von Betablockern ersparen, wenn korrekt behandelt würde.
Ich finde deine Infos immer sehr bereichernd.
Liebe grüße,
nette
>http://www.medical-tribune.de/GMS/bericht/Trommel-Test
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>Erst Trommel-Test, dann EKG
>Kompakt-Diagnostik klärt Herzstolpern
>
>Medical Tribune Bericht
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>ST. GALLEN - Herzjagen, beängstigende Pausen, Kanonenschläge im Hals - viele Ihrer Patienten klagen über Palpitationen. Hier gilt es Gefährliches herauszufiltern, ohne den diagnostischen Aufwand zu überziehen. Manchmal helfen kleine Trommelübungen auf Ihrem Schreibtisch weiter.
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>Schön, wenn Sie einen Patienten, der über Palpitationen klagt, bei einem der Anfälle erwischen und das Ganze per Zwölf-Kanal-EKG auf Papier bannen können. Meist haben Sie dieses Glück aber nicht - was tun? Bei jedem "Herzkasper" das ganze Diagnostikprogramm samt Echo, Langzeit- und Belastungs-EKG abzufahren bedeutet zu viel Aufwand, wenn man bedenkt, wie häufig solche Beschwerden sind. Dr. Hans Rickli und Kollegen von der Abteilung für Innere Medizin am Kantonsspital St. Gallen stellten im "Schweizer Medizinischen Forum" eine rationale Stufendiagnostik vor.
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>Bereits die akribische Anamnese ergibt oft wichtige Hinweise. Seit wann, wie oft, wie lang? Bestehen Begleitsymptome, und kann der Patient das Ganze beeinflussen, z.B. durch vagale Manöver? So lauten die wichtigen Fragen. Und lassen Sie Ihren Patienten doch ein wenig trommeln: Er soll die Palpitationen vorklopfen, das geht oft besser als verbal beschreiben. Dabei kann es hilfreich sein, wenn der Untersucher dem Patienten einige Beispiele vorklopft, merken die Autoren an.
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>Kanonenschlag und Froschzeichen
>Oft werden die Patienten durch "Aussetzer" mit nachfolgend kräftigem Herzschlag irritiert. Hier handelt es sich am ehesten um ventrikuläre Extrasystolen mit kompensatorischer Pause oder um ein Wiederanspringen des Sinusknotens nach atrialer Extrasystole. Hinter raschem Flattern in der Brust steckt dagegen eher eine Sinus- oder Kammertachykardie, wobei plötzliches Anspringen und Sistieren gegen die Sinustachykardie spricht. Lässt sich das Jagen durch Karotissinusmassage stoppen, macht dies eine Störung im AV-Knotenbereich wahrscheinlich.
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>Bei der typischen Form der AV-Reentry-Tachykardie kann es zur AV-Dissoziation kommen, sprich Vorhöfe und Kammern schlagen unkoordiniert. Die Vorhofkontraktion bei geschlossener Mitral- bzw. Trikuspidalklappe schickt "Kanonenschläge" bis in den Hals. Dabei resultiert bei einer schnellen regelmäßigen Tachykardie evtl. das "Froschzeichen", ein regelrechtes Aufblähen des Halses. Knifflig gestaltet sich bei Assoziation mit Angst und Panik die Abgrenzung zur Panikkrankheit, die häufig von Palpitationen begleitet wird. Wie eine Studie an über 100 Patienten zeigte, erhielten 32 fälschlich das Paniketikett, weil eine supraventrikuläre Tachykardie nicht erkannt wurde.
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>Tachykardie nicht mit Panik verwechseln
>Wichtige Indizien lassen sich auch bei der klinischen Untersuchung finden: Der midsystolische Klick weist auf Mitralklappenprolaps hin. Ein raues Holosystolikum am linken Sternalrand, verstärkbar durch Valsalvamanöver, lässt an eine hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie denken.
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>Als Nächstes auf der Stufenleiter folgt das EKG: Kurze PQ-Zeit und Deltawellen können ein Wolff-Parkinson-White-Syndrom aufdecken. Zeichen von Hypertrophie und Vorhofbelastung (terminal negative P-Welle in V1) sprechen für "zu dickes Herz", das erfahrungsgemäß häufig unter Vorhof- und Kammertachykardien leidet. Q-Wellen als Zeichen eines alten Infarkts lassen ebenfalls Kammertachykardien befürchten.
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>Die Vergrößerung des QT-Intervalls führt Sie auf die Spur des angeborenen oder erworbenen langen QT-Syndroms, das die Patienten durch erhöhtes Synkopen- oder Herztodrisiko bedroht. Letzteres gilt auch für das familiär gehäufte Brugada-Syndrom, das durch ST-Hebungen in V1-3 gekennzeichnet ist.
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>Wenn Anamnese, klinische Untersuchung und EKG unter Dach und Fach sind, muss nur unter bestimmten Bedingungen weitere Diagnostik erfolgen:
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> * bei Risikogruppen für plötzlichen Herztod (strukturelle Herzerkrankung, positive Familienanamnese),
> * wenn persönliche Anamnese oder Ruhe-EKG anhaltende Tachykardien erwarten lassen,
> * im Rahmen der Synkopenabklärung,
> * um verunsicherten Patienten die Gutartigkeit der Palpitationen zu dokumentieren.
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>Wer braucht Echo und Loop-Rekorder?
>Die Echokardiographie kann Hinweise auf eine strukturelle Herzerkrankung geben. Per Belastungs-EKG lässt sich die fragliche Rhythmusstörung u.U. auslösen. Eine zentrale Rolle-beim Arrhythmie-Einfangen spielt das Langzeit-EKG. Dabei bieten die neuen "Loop-Event-Recorder" den Vorteil, dass sie das EKG kontinuierlich aufzeichnen, Daten aber erst speichern, wenn der Patient bei "Herzklopfen" ein manuelles Signal gibt. Innerhalb einer Periode von 14 Tagen gelingt es bei den meisten Patienten die Palpitationen zu erfassen, so die Kollegen. Oft zeichnet das Gerät dabei benigne bzw. keine Störungen auf.
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>Herzkatheter oder Antiarrhythmika?
>Patienten mit dokumentierten ventrikulären Extrasystolen oder nicht anhaltenden Kammertachykardien haben - bei strukturell normalem Herzen - im Vergleich zu palpitationsfreien Altersgenossen keine schlechtere Prognose. Eine antiarrhythmische Therapie muss man daher nicht einleiten. Nur bei subjektiv starkem Leidensdruck empfiehlt es sich, probatorisch Betablocker zu geben.
>
>Bestehen dagegen anhaltende Vorhof- oder Kammertachykardien, muss eine Therapie erfolgen. Gerade bei jüngeren Patienten sollte man mit Spezialisten früh die Möglichkeit einer kathetertechnischen Behandlung diskutieren, anstatt a priori die jahrelange Antiarrhythmika-Gabe zu akzeptieren, raten die Experten.
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>MTD, Ausgabe 36 / 2002
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