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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Verdacht auf SD-Erkrankung;brauche dringend Hilfe



Dana
27.05.01, 14:50
Hallo,Forummitglieder!
Ich hoffe sehr bei Euch Hilfe zu finden:Ich bin weiblich und 30 Jahre alt. Ich litt seit März 2000 (nach einer Fehlgeburt)unter Schwindelattacken-erst nur vor einsetzen der Periode.Im Juli 2000 bin ich schließlich total zusammengebrochen. Tage vorher litt ich unter rasenden Kopfschmerzen. Außerdem bemerkte ich in den Monaten zuvor, Wesensveränderungen an mir. Ich war rastlos und gereizt gleichzeitig aber auch irre müde und litt unter komaartigen Einschlafattacken. Seit 1997 verliere ich ständig Gewicht ohne eine Diät zu machen. Nach meinem Zusammenbruch setzten dann auch Haarausfall, Akne, Kribbeln in Händen und Füßen, Unruhe und Müdigkeit im Wechsel ein. Mein Blutdruck lag und liegt in Spitzenzeiten bei 90/60. Ich ließ alles untersuchen. Auch meine seit 1997 bestehenden, angeblich eingebildeten- Blinddarmschmerzen ließ ich untersuchen. Magen- und Darmspiegelung, MRT-Kopf, Untersuchung der SD-Blutwerte und der Neben-SD sowie eine Sonographie brachten kein Ergebnis. Meine Hormonwerte waren auch alle o.k.! Man diagnostizierte mir schließlich eine vegetative Dystonie und eine ausgeprägte Angstkrakheit. Ferner stellte man nach dreitägiger Abführmittelgabe eine Laktose- und Fructoseintoleranz fest. Ich soll nunmehr kein Obst,Gemüse und Milchprodukte mehr essen, damit müsste es mir besser gehen; tut es aber nicht. Im Januar 2001 flog ich schließlich zur Bekämpfung meiner angeblichen Angstkrankheit auf die Kanaren. Dort bekam ich eine starke Sonnenallergie und ein unbeschreibliches Engegefühl im Hals mit Schluckbeschwerden. Dachte erst an eine Erkältung. Aber selbst nach Rückkehr wollten die Beschwerden nicht besser werden. Erneut ließ ich die SD untersuchen; jetzt stellte man eine vergrößerte SD fest (28ml)und einen winzigen Knoten rechts (6mm). lutwerte waren weiterhin alle o.k( fT3, fT4, TSH, Tak und MAK). Man machte daraufhin mit mir einen TRH-Test (Atepan oder so ähnlich i.V), der mich fast endgültig den Verstand kostete. Danach dachte ich, ich müsste mich anschnallen, damit ich nicht vor lauter Unruhe aus dem Fenster springe. Der Zustand hielt ca. 4 Tage an. Schließlich blieb meine Periode aus und ich dachte es sei der Stress. Ich war jedoch wieder schwanger und das bereits während des TRH-Testes, der keinen auffälligen Befund ergab. Das Kind entwickelte sich nur zögerlich und ich habe es schließlich in der 10. SSW verloren. Während der Schwangerschaft ging es mir bedeutend besser. Ich war sehr ruhig und auch die Akne ging zurück. Da nach der Schwangerschaft eine bereits seit langer Zeit bestehende Brustentzündung sich erneut entwickelte, besteht nun der Verdacht eines Progesteronmangels. Habe nun gehört, dass ein unentdeckter Progesteronmangel einen Hashimoto"verdecken" kann, obwohl es sich so anfühlt als ob man eine Überfunktion hätte. Ich bemerke auch, dass sich mein Gesundheitszustand nach der Fehlgeburt langsam wieder verschlechtert. Sicher ist eine psychische Belastung nicht auszuschließen, die auch zu solch eine Symptomatik führen kann. Aber selbst die von mir begonnene Psychotherapie will keine Besserung bringen. Ich spüre einfach, dass etwas mit der SD nicht stimmt. Zur Information: Mein Vater wurde vor 2 Jahren wegen eines follik.SD-Karzinoms die gesamte SD entfernt. Meine Mutter war wegen einer SD-Funktionsstörung so unerträglich, dass ich den Kontakt nicht aufrecht erhalten konnte. Komme mir langsam wie ein Abziehbild meiner Eltern vor.
Sorry für diesen langen und ausführlichen Beitrag. Aber ich bin wirklich beinahe am Ende. Was kann ich bloß noch tun, um endlich wieder ein normales Leben zu führen? Gibt es vielleicht noch jemand, der eine ähnliche Ärztetournee hinter sich hat? Ich bin für jeden Hinweis unendlich dankbar. Vielen Dank für Eure Antworten.

Michael D‘Angelo
27.05.01, 17:47
Hallo Dana!
Vorab: Ärztetourneen für Kranke sind in Deutschland leider bei einer Schilddrüsenerkrankung die Regel, weil es massiv an der Ausbildung der Ärzte bezüglich der Schilddrüse, speziell der Autoimmunerkrankungen, in Deutschland habert.
Wenn ich Dir einen Tipp geben dürfte: Bitte keinen jodhaltigen Präparaten (manche Meeresalgenextra in Tabletten, thyroxinhaltiges Jod oder Jodeten) essen, wenn man nicht nachgewiesener Maßen an Jodmangel leidet. Wenn man nämlich eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse hat, dann ist Jod das falscheste, was man geben kann.
Fragen bzw. Antworten an Dich:
(1) Wann wurden die ersten Blutuntersuchungen mit der Schilddrüse gemacht und wie waren die genauen Werte?
Das Problem bei mancher Hashimoto-Thyreoiditis: Man kann sie nicht in den Blutwerten anhand der Antikörper finden, sondern nur in der Schilddrüse selber. Grund für dieses Nichtfinden der Antikörper: Die TAKs und TPOAKs ist organzspezifische Antikörper, d.h. sie greifen nach jetzigem Wissen nur die Schilddrüse an und nichts anderes. Daher kann es häufig sein, daß man keine Antikörper findet, aber diese in der Schilddrüse ihren Zerstörungsprozeß schon betreiben.
Zudem tritt häufig das Problem auf, daß der einfach Arzt die eigens angeordneten Blutwerte und -analysen seines Patienten nicht lesen bzw. richtig intpretieren kann. Manche sagen, ist alles okay, während andere sofort an den gleichen Werten erkennen können, hier stimmt was nicht!!!! Und dies passiert sehr häufig bei der Schilddrüse, weil die Normwerte gemeinsam interpretiert werden müssen und nicht jeder Wert extra mit der Norm verglichen werden müssen! Je nach Lage des eine und des anderen Wertes in der Norm kann schon was nicht stimmen.
Deswegen immer Kopien der letzten Blutwerte, Auswertung oder Berichte von Deinem Arzt geben lassen, denn auch hier gilt: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!
(2) Bei welchem Arzt ist Du und mit welchem Ultraschallgerät wurdest Du untersucht?
Man sollte eigentlich immer zu einem erfahrenen Endokrinologen bei Schilddrüsefragen gehen, weil es leider den normalen Hausarzten die spezielle Ausbildung für die Schilddrüse und deren Erkrankungen bzw. die spezielle Ausbildung für die Erkennung von Schilddrüsenerkrankung per Ultraschallgerät fehlt.
Häufig findet man in Hashimoto-Schilddrüse ein echoarmes Schilddrüengewebe, d.h. die Follikel der Schilddrüsen wurden schon zerstört. Auch ist bei Hashimoto eine Vergrößerung der Schilddrüse möglich, wie es bei Dir schon geschehen ist. Aber bei Morubs Basedow ist eine Vergrößerung hier in Deutschland eher die Regel.
Du mußt also einen guten Arzt finden, der sich mit der Schilddrüse auskennt und auch eine gutes Ultraschallgerät hat (Dopplersonographen zeigen die Durchblutung der SD besser.)
(3) Wurde schon einmal ein Szintigramm bei einem Radiologen gemacht?
Ich persönlich und viele viele andere haben die Erfahrung gemacht, daß die Blutwerte, die meistens nur morgens genommen werden, vollkommen normal sind. Es sollte alles in Ordnung sein nach den Blutwerten, aber den Leuten geht es schlecht und hinter stellte sich raus, daß sie doch eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse hatten. Blutwerte alleine zeigen meist zu spät an, besonders nur die Blutwerte der Schlddrüse, daß eine Autoimmunerkrankung bzw. deren Erkennung nur in der Spätphase, also wenn die Schilddrüse schon so zerstört ist, vorliegt.
Man sollte deshalb auch unbedingt bei solchen schwankenden Stimmungslagen die Schilddrüse genauesten untersuchen, auch mit einer Szintigraphie. Hier entdeckt man sehr gerne die heißen und kalten Knoten in der Schilddrüse, oder sehr gerne diese autonomen Adenomen (heiße Knoten, die sich von der Hypophyse überhaupt nicht mehr steuern lassen), die man meisten gar nicht im Ultraschall sieht. Wenn die Aufnahme der Schilddrüse (uptake des Technetiums 99 oder radioaktiven Jodids) zu gering oder zu hoch, kann dies auch ein Hinweis auf eine Schilddrüsenerkrankung sein.
(5)Wurden auch folgende andere Hormone:
a) Prolaktin (Hypophyenhormon), daß zu Brustspannung und zu Milchdrüsenbildung verantwortlich ist
b) Progesteron (Eierstockhormon), daß im Zyklus schwankt. Bei einem zu niedrigen Progesteronwert stimmt die Regel nicht und man hat schilddrüsenartige Unterfunktionssymptome. Der Arzt findet aber nichts an den Schilddrüsenwerten.
c) FSH und LH (Hyhpophysenhormone), diese steuern auch enorm viele Prozesse in menschlichen Körper (bei Frau und Mann!!!!!)
d) Auch das männliche Testosteron sollte überprüft werden, denn auch bei der Frau kann ein zuviel oder zuwenig daran massive Folgen für die ganzen Stoffwechsel, besonders des Leberstoffwechsel und des Schilddrüsenstoffwechsels haben.
(6) Wurden schon einmal die Globuline TBG (für den Transport von Thyroxin im Blut) und SHBG (Sexualhormon bindendes Globulin) untersucht? Wenn es zuviel oder zuwenig von diesen Eiweißstoffen im Blut gibt, dann stimmt auch etwas nicht. Das TBG wird im allgemeinen nicht extra festgestellt, sondern man sagt, wenn es mit den Schilddrüsenwerte im Blut nicht stimmt, dann könnte manche Anzeichen auf einen TBG-Mangel hindeuten (ist gibt einen erblichen TBG-Mangel).
(7) Wie sieht es mit der Leber bei Dir aus? Bitte glaube nicht, daß die Leber die Leber mit der Schilddrüse nichts zu tun haben sollte, daß ist leider total falsch. In der Leber finden viele wichtige Stoffwechselprozesse statt, die auch die Schilddrüse bzw. die Umwandlung von Schilddrüsenhormonen (T4 in T3) massive betreffen. Außerdem findet dort hauptsächlich die Bildung von TBG statt, dem Transporteiweißstoff für Thyroxin, wozu man meistens Testosteron benötigt, auch als Frau. Vor allem die Fettleber tritt häufig bei hashimoto auf bzw. die Fettwerte sind zu hoch (Triglyzeride bzw. Cholesterine), obwohl keine Hepatitis vorgelegen hat und die Ernährung ausgewogen ist. Vor allem GGT, GPT und GOT sollten regelmäßig kontrolliert werden, denn diese sind häufig zu hoch bei Hashimoto-Erkrankten.
(8) Warst Du schon einmal bei den Immunologen und schon einmal an eine Schilddrüsenpunktion gedacht? Diese sind Experten auf dem Gebiet der Autoimmunerkrankung, also eigentlich auch die Experten bei Hashimoto, aber diese Gebiet wird aufgrund von medizin-historischen Gründen von Endokrinologen besetzt.
Immunologen haben andere Verfahren zur Erkennung von Autoimmunerkrankungen des Körpers. Wenn alle Stricke reisen, dann ab zu einem Immunologen, denn diese haben meiner persönlichen Ansicht (bin kein Mediziner oder Arzt) nach die besseren Verfahren zur Erkennung einer Autoimmunerkrankung aller Art, auch bei Hashimoto, nicht nur durchs Blut, auch durch durch das Doppelimmunfluoreszensverfahren bei Gewebeproben! Aber diese Verfahren sind aufwendig und teuer, daher gibt es keine freien Immunologen und diese sitzen meistens alle in Uni-Kliniken.
Hier können nicht nur die Zerstörungsprozesse von Antikörpern in der Schilddrüse unterm Mikroskop nachgewiesen werden (wozu man sehr sehr viel Erfahrung braucht und auch häufig einfach nur das Standardverfahren nimmt), auch die Antikörper selber können in der Schilddrüse nachgewiesen werden.
Hoffentlich helfen Dir meine Hinweise weiter
Liebe Grüße
Michael D‘Angelo