Cortisolmangel aufgrund einer SD-Unterfunktion

In Folge einer lange anhaltenden und/oder schweren Schilddrüsenunterfunktion kann es zu Störungen der sog. Stressachse kommen (Hypothalamus - Hypophyse - Nebennierenrinde), die letzten Endes mit einem Mangel des NNR-Hormons Cortisol einhergehen. Es handelt sich hier um eine sekundäre oder tertiäre Nebennierenrindeninsuffizienz, die i.d.R. nur "mild" und durch Beheben der Schilddrüsenunterfunktion reversibel ist. Die Einstellung mit Schilddrüsenhormonen kann jedoch problematisch werden, da die Hormone aufgrund des Cortisolmangels zunächst nur schlecht vertragen werden.

Die NNR sind voll funktionsfähig, u.U. nach längerer Zeit geringer Stimulation aber nicht sofort im gewünschten Maß stimulierbar, was dann zu Symptomen führt. Strittig ist, ob und wie eine solche milde NNI zu diagnostizieren und zu behandeln wäre.

Manche Alternativmediziner diagnostizieren hier eine sog. NNS (Adrenal Fatigue) und behandeln mit Hydrocortison, was sehr problematisch werden kann:
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Hydrocortison (Synonym: Cortisol, Abkürzung: "HC") ist ein den Körper stimulierendes Steroidhormon, das beim gesunden Menschen in der Nebennierenrinde produziert wird. Es wird in der Medizin vielfältig eingesetzt. Zum Beispiel wird bei Patienten mit durch Morbus Addison zerstörter Nebennierenrinde 20-25mg Hydrocortison pro Tag als lebenswichtige Ersatzdosis gegeben. Aber auch bei Krankheiten, die gar nichts mit der Nebenniere zu tun haben, wird Hydrocortison gegeben und führt oft zu einer Verbesserung der Symptome (z.B. bei schweren Fällen von allergischen Reaktionen oder Rheumatismus). Es ist also durchaus möglich, dass Hydrocortison auch bei einem Patienten, dessen Nebennierenrinde nicht krankhaft zerstört ist, positive Wirkungen auf die gefühlten Symptome hat.

Die Produktion von Hydrocortison wird durch das in der Hypophyse gebildete Hormon ACTH gesteuert. ACTH stimuliert die Nebennierenrinde zur Produktion von Hydrocortison und weiterer Hormone wie z.B. DHEA. Steigt der Spiegel von Hydrocortison im Blut, sinkt ACTH ab, da aus Sicht von Hypothalamus/Hypophyse zu viel Hydrocortison im Körper ist. Dies passiert insbesondere immer dann, wenn man Hydrocortison als Medikament einnimmt. Auch kleine Mengen von extern zugeführtem Hydrocortison führen damit zu einer Verringerung der körpereigenen Produktion von Hydrocortison und auch von weiteren in der Nebennierenrinde produzierten Hormonen, die jedoch in der Regel nicht auch eingenommen werden (z.B. DHEA). Außerdem wird das Nebennierenrindengewebe weniger stimuliert und bildet sich über längere Zeit zurück ("Atrophie").

Daher kann man die Einnahme von Hydrocortison wenn man es über einen längeren Zeitraum eingenommen hat, nicht sofort wieder beenden, sondern die Dosis muss - meist über viele Monate - sehr langsam reduziert werden, bis das Nebennierenrindengewebe nach und nach wieder ausreichend stimuliert wurde und sich zurückgebildet hat. Dies gilt auch bei kleinen Mengen von 5-15mg pro Tag, die in aller Regel die körpereigene Produktion nicht vollständig ausschalten.

Patienten, die dauerhaft auf externe Zufuhr von Hydrocortison angewiesen sind (also eine tertiäre Form der Nebenniereninsuffizienz entwickelt haben), haben oft eine deutlich eingeschränkte Lebensqualität. Die Lebenserwartung vermindert sich bei Frauen um 3 Jahre, bei Männern um 11 Jahre. Nach langfristiger Pharmakotherapie mit Hydrocortison kann es selbst bei formal ausreichender eigener Hydrocortisonproduktion beziehungsweise -substitution zu Beschwerden kommen, die denen einer NNR-Insuffizienz gleichen und als Steroidentzugssyndrom bezeichnet werden (Quelle: http://www.aerzteblatt.de/archiv/151...tigen-Ursachen)

Nimmt man größere Mengen Hydrocortison ein (insb. >20mg/Tag), wird ACTH und damit die körpereigene Produktion der Nebennierenrinde zumeist komplett ausgeschaltet. Über einen längeren Zeitraum ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich das Nebennierenrindengewebe vollständig oder fast vollständig und irreversibel zurückbildet und sich eine "tertiäre Nebennniereninsuffizienz" entwickelt. Die Nebennierenrinde kann dann nie wieder genügend Hydrocortison bilden. Es muss dann lebenslang in hoher Dosis weiter eingenommen werden, ein Absetzen führt zu schwersten Symptomen und in wenigen Tagen zum Tod ("Addison-Krise").

Nimmt man Hydrocortison langfristig (>3-4 Wochen) und regelmäßig ein, ist der Körper auch nicht mehr dazu in der Lage, angemessen auf Stresssituationen zu reagieren, da das Nebennierenrindengewebe sich zurückgebildet hat oder die Eigenproduktion nicht schnell genug hochfahren kann. Hat man also viel Stress, eine Erkrankung oder eine Operation, muss man die Tagesdosis um ein vielfaches erhöhen. Es wird empfohlen, ständig einen Notfallausweis mit sich zu führen, damit bei einem Unfall mit notwendiger Operation die Ärzte wissen, dass der Körper alleine nicht mehr ausreichend Hydrocortison produzieren kann.

Oft hilft die Einnahme einer nur kleinen Dosis von 5-10mg pro Tag den Patienten nicht weiter oder verschlimmert sogar deren Zustand, da die Eigenproduktion zurückgeht. Hier im Forum berichten viele Betroffene daher, dass sie ihre Hydrocortisondosis auf 25mg und mehr erhöhen mussten, um positive Effekte zu bekommen. Bei so hohen Dosen wird die Eigenproduktion mit großer Sicherheit völlig ausgeschaltet.

Außerdem greift jede Zufuhr von Hydrocortison in die natürliche Tagesrhytmik der Hydrocortisonproduktion ein. Dieser Tagesrhythmus (zirkadiane Rhythmik) kann mit Hydrocortison in Tablettenform niemals perfekt nachgeahmt werden. Zudem geht die Produktion von anderen Hormonen wie DHEA, deren Bildung in der Nebennierenrinde ebenfalls durch ACTH stimuliert wird, auch bei der Zufuhr geringer Dosen von Hydrocortison zurück. DHEA wird im Allgemeinen nicht substituiert, unter anderem da es im Körper in Androgene (z.B. Testosteron) umgewandelt wird und insbesondere bei Frauen zu Nebenwirkungen wie Vermännlichung führen kann.

Die externe Zuführung von Hydrocortison - auch in geringer Dosis - verändert eine ganze Reihe von hormonellen und stoffwechselbezogenen Prozessen im Körper, z.B. hat Hydrocortison immunsuppresive Wirkung (schwächt das Immunsystem) und erhöht den Bluzucker bzw. begünstigt die Entstehung von Insulinresistenz/Diabetes. Hohe Glukokortikoid-Substitutionsdosen über 25 mg bis 30 mg Hydrocortison pro Tag verursachen Knochenveränderungen im Sinne einer Osteoporose. Außerdem wird häufig über eine Gewichtszunahme (oft 10 kg und mehr) und höhere Cholesterinwerte berichtet.

Hier im Forum gibt es vereinzelte Berichte von Teilnehmern/Teilnehmerinnen, die langfristig Hydrocortison in verschiedenen Dosen einnehmen und teils über deutliche positive Effekte berichten. In der Regel wollen oder können diese Teilnehmer/innen Hydrocortison nicht ausschleichen oder absetzen, weil sie sich dann immer wieder schlechter fühlen.

Ebenfalls vereinzelt, jedoch noch seltener, stößt man auf Berichte von Patienten, die Hydrocortison eine Zeit lang mit positiven Effekten eingenommen haben und danach die Dosis langsam reduzieren und es zum Schluss ganz ausschleichen konnten ohne dass ihre Symptomatik sich wieder verschlechtert hat.
Quelle: http://www.ht-mb.de/forum/showthread...=1#post3288503


Wichtige Informationen von Jutta K. erklärt:
http://www.ht-mb.de/forum/showthread...=1#post2968842

http://www.ht-mb.de/forum/showthread.php?1220314-Nebennierenschw%E4che-Dr-Windsto%DFer-Deggingen-Erfahrungen-Arzt-gesucht-BaW%FC!&p=2968845&viewfull=1#post2968845

http://www.ht-mb.de/forum/showthread.php?1220314-Nebennierenschw%E4che-Dr-Windsto%DFer-Deggingen-Erfahrungen-Arzt-gesucht-BaW%FC!&p=2968846&viewfull=1#post2968846