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Thema: Angehörige sucht Rat - MB und Manie!?

  1. #11
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    Standard AW: Angehörige sucht Rat - MB und Manie!?

    Hallo,
    vielleicht kann man leichte Formen der Manie mit ner dicken Überfunktion verwechseln. Weiß ich nicht. Wie lange hat denn diese manische Phase gedauert und vor allem, was hat er in dieser Zeit alles gemacht? Mein Vater hatte die bipolare Störung und die manischen und depressiven Phasen wechselten ab und waren sehr extrem. In seinen manischen Phasen hat er dann völlig absurde Dinge getan und meinte, er sei der Tollste auf der Welt (z.B. mit dem Taxi nach Sylt). In manischen Phasen sind die Leute unberechenbar und handeln nach Lust und Laune ohne Rücksicht auf ihre Familie. War es bei deinem Freund so extrem? Ich glaube schon, dass man so ein Verhalten von einer Überfunktion unterscheiden können müsste. Vor allem folgt einer manischen Phase i.d.R. immer irgendwann eine depressive Phase, in der die Erkrankten zu kaum etwas in der Lage sind (viel im Bett liegen etc.). Ich bin kein Psychiater, aber ich habe noch nie gehört, dass es ne bipolare Störung gibt, bei er nur manische Phase auftreten? Vielleicht gibt es das aber doch oder könnte nach Absetzen der Medikamente noch auftreten, keine Ahnung. Mein Vater wollte irgendwann auch keine Medikamente mehr nehmen, weil die Nebenwirkungen sehr groß waren.

    lg Barbara

  2. #12
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    Standard AW: Angehörige sucht Rat - MB und Manie!?

    also ich selbst habe die beiden Phasen nicht mitgemacht und kenn es folglich nur von Erzählungen. Das 1. Mal hat er fast nur noch Party gemacht und nicht mehr geschlafen, war völlig überdreht und angespannt. Beim 2. Mal ist er auf dem Weg zu seiner Umschulung in den flaschen Zug gestiegen, hat sich verfahren, ist dann 3 Tage durch die Gegend getigert (50km gelaufen - 10 Kilo abgenommen) und hat sich verfolgt gefühlt. Jedesmal endete mit einem Klinikaufenthalt.

    Seine Neurologin sagt auch immer er hatte nie eine depressive Phase.
    Die Medis sind ja unser Problem...

  3. #13
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    Standard AW: Angehörige sucht Rat - MB und Manie!?

    Hm, also nach einer reinen Überfunktion hört sich das irgendwie nicht an. Ich hatte eine krasse Überfunktion, aber in diese Richtung ging es bei mir nicht annähernd. Ich war zwar irgendwie aufgedreht, aber gleichzeitig auch ganz schön müde und erschöpft. Mehrere Nächte hätte ich damals nie durchmachen können :-).
    Wusste Dein Freund denn noch, was er damals tat? War er einsichtig? Wie stark schwoll der Hals in diesen Phasen an? Kamen die Augen raus?

    Ich schreibe ich jetzt einfach, was mir spontan dazu einfiel: Sucht Euch einen Arzt, der einen Medikamentenabsetzversuch begleitet und Deinen Freund währenddessen gut im Auge behält, so dass er sofort eingreifen kann, falls er wieder manisch wird. Gleichzeitig lasst MB fachkundig behandeln - vermutlich wird es auf eine operative Entfernung der Schilddrüse hinauslaufen. Danach auf eine gute Einstellung mit SD-Hormonen achten. Vielleicht reicht das ja schon, um Deinen Freund vollständig wiederherzustellen. Vielleicht auch nicht - aber für den letzeren Fall wäre ja dann gleich ein Arzt zur Stelle.

  4. #14
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    Standard AW: Angehörige sucht Rat - MB und Manie!?

    Zitat Zitat von Kristeltina Beitrag anzeigen
    also ich selbst habe die beiden Phasen nicht mitgemacht und kenn es folglich nur von Erzählungen. Das 1. Mal hat er fast nur noch Party gemacht und nicht mehr geschlafen, war völlig überdreht und angespannt.
    Überdreht und angespannt ja, aber nicht mehr geschlafen passt so nicht zu MB.
    Wie keinepanik schreibt, bei MB mit ÜF ist einormer Tatendrang vorhanden, nicht stillhalten können, aber müde, sogar entsetzlich müde und erschöpft ist man nach Anstrengung schon.

    Beim 2. Mal ist er auf dem Weg zu seiner Umschulung in den flaschen Zug gestiegen, hat sich verfahren, ist dann 3 Tage durch die Gegend getigert (50km gelaufen - 10 Kilo abgenommen) und hat sich verfolgt gefühlt. Jedesmal endete mit einem Klinikaufenthalt.
    3 Tage orientierungslos mit Verfolgungswahn klingt schon sehr nach bipolarer Störung.

    Seine Neurologin sagt auch immer er hatte nie eine depressive Phase.
    Die Medis sind ja unser Problem...
    Ausgesprochen depressive Episoden muss es bei bipolarer Störung nicht geben, vermutlich gehört dein Angehöriger eher zum Mischtyp.


    lG Sabine

  5. #15
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    Standard AW: Angehörige sucht Rat - MB und Manie!?

    Und wie gesagt, lassen sich die Medis vielleicht reduzieren, wenn die SD-Sache besser/stabil ist.

  6. #16
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    Standard AW: Angehörige sucht Rat - MB und Manie!?

    Hallo Kristeltina!

    Vielleicht hilft dieser Artikel (hoffe, du kannst Englisch?) ein wenig weiter: http://www.beforeyoutakethatpill.com...psych_2006.pdf Der Artikel gibt eine Übersicht über möglichen Zusammenhängen zwischen Schilddrüsenüberfunktion/MB und psychiatrischen Erkrankungen

    Aus einem Fachbuch für Schilddrüsenerkrankungen heißt es unter Symptomen der Hyperthyreose:
    "Nervensystem: Unruhe, unmotivierte Bewegungen, feinschlägiger Tremor, Reflexsteigerung und Schlafstörungen sind häufig. Die Kranken sind ruhe- und rastlos. Die Erregbarkeit kann sich zu deliranten, psychotischen Zuständen steigern."
    Quelle: Schilddrüsenerkrankungen, W. Meng, Urban & Fischer Verlag
    also ich selbst habe die beiden Phasen nicht mitgemacht und kenn es folglich nur von Erzählungen. Das 1. Mal hat er fast nur noch Party gemacht und nicht mehr geschlafen, war völlig überdreht und angespannt. Beim 2. Mal ist er auf dem Weg zu seiner Umschulung in den flaschen Zug gestiegen, hat sich verfahren, ist dann 3 Tage durch die Gegend getigert (50km gelaufen - 10 Kilo abgenommen) und hat sich verfolgt gefühlt.
    War bei diesen "Party machen" evtl. auch Drogen (z. B. Ecstasy, Speed, Cannabis) mit im Spiel? Ich frage, weil solche Drogen natürlich auch psychiatrische Symptome und solche Beschwerden wie nicht mehr schlafen, Überdrehtheit und Anspannung verursachen können. http://psylex.de/psychologienews/rau...esundheit.html

    Und kannst du ihn vielleicht mal befragen, ob er während diese beiden Episoden denn evtl. neben einer drückenden Schilddrüse auch typische Überfunktionssymptome hatte (z. B. dauerhafte Tachykardie (hoher Puls, auch in Ruhe), Palpitationen (harter Herzschlag, der überdeutlich wahrgenommen wird, im Kopf/Hals oder im ganzen Körper dröhnt), Schwitzen, Wärmeintoleranz (kann sich z. B. in Beklagen "es ist viel zu warm hier" trotz normaler oder sogar niedriger Umgebungstemperatur äußern oder in zur Außentemperatur unangemessener Kleidung (z. B. T-Shirt oder keine Jacke trotz kaltem Wetter)), Zittern der Hände/Finger oder auch Beine, häufiger Stuhlgang/Durchfall, gesteigerter Appetit/Heißhunger, Muskelschwund und Muskelschwäche)?
    Jedesmal endete mit einem Klinikaufenthalt.
    Existieren von diesen Klinikaufenthalten evtl. noch Befunde über körperliche Untersuchungen und Laborbefunde? Falls noch nicht geschehen, sollte dein Freund jedenfalls evtl. mal versuchen, an solche Befunde aus den Kliniken heranzukommen (anfordern lassen über seinen Arzt), evtl. ergeben sich ja aus den Befunden Hinweise, daß damals schon eine Überfunktion vorgelegen haben könnte.

    Hinweise auf ÜF könnten z. B. sein, daß bei körperlichen Untersuchungen hoher Puls/hoher Blutdruck, Zittern, Schwitzen, erhöhte Körpertemperatur, auffallende Schwäche, schlechter Allgemein- und Ernährungszustand (z. B. deutliche Abmagerung) aufgefallen sind und/oder daß einige Laborwerte aus der Norm waren, z. B. erniedrigtes TSH, erhöhte Leberwerte (GGT, GOT, GPT), niedrige Cholesterinwerte, erniedrigte alkalische Phosphatase, erhöhtes Calcium, erhöhtes Phosphat, erhöhtes Eisen im Serum, erhöhte Harnsäure, erhöhte Creatin-Kinase.

    Im übrigen würde ich empfehlen, mal Vitamin B12/Holo-Tc bei deinem Freund testen zu lassen, denn auch Vitamin B12-Mangel (der leider bei autoimmunen SD-Erkrankungen wie MB nicht selten vorkommt) kann zu einem Erscheinungsbild einer Manie, bipolaren Störung oder auch zu Psychosen mit schizoiden Symptomen wie Verfolgungswahn führen. http://www.gjpsy.uni-goettingen.de/gjp-article-kate.pdf

    Liebe Grüße
    Jutta

  7. #17
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    Standard AW: Angehörige sucht Rat - MB und Manie!?

    Liebe Jutta,

    tausend Dank für deine umfangreiche Antwort. Ich versuche mich mal durchzuboxen...

    Zum Party machen: fairer Weise muss ich gestehen, dass wohl Alkohol und Drogenmissbrauch (diverses) in nicht unerheblicher Größenordnung zum Zeitpunkt der Ausbrüche vorgelegen hat. (Jugendzeit) Da seine Neurologin ihn auf die Kondensatorwirkung von Drogen hingewiesen hat, hörte er irgendwann damit auf. (Gott sei Dank!)

    Laut seiner Aussage war er schon immer sehr hitzeempfindlich... läuft ständig in kurzer Hose und Oberkörper frei rum. Manchmal ist seine Haut richtig heiß und feucht. Dazu kommt ein sehr starker Herzschlag. Dies hat er auf jeden Fall wohl schon solange er denken kann. Was den Rest an geht, müsste ich ihn erstmal befragen.

    Klinikaufenthalte: Vom 1. gibt es Befunde, die wohl betreffend der Schilddrüse auch außerhalb der Norm waren. Deshalb bekam er Valproat und nicht Lithium und zusätzlich Thiamazol verordnet. Vom 2. haben wir leider keine Befunde vorliegen, da er da in einer Klinik außerhalb war.

    Die von dir genannten Werte werden wir mal checken lassen. Beim Schub vom MB anfang des Jahres hat er sehr extrem schnell abgebaut (10 kg in 3 Wochen, weniger Schlaf, sah abgespannt aus etc.)

    Freu mich auf weitere Antworten
    GLG

  8. #18
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    Standard AW: Angehörige sucht Rat - MB und Manie!?

    Hallo Kristeltina,

    ich würde auf jeden Fall ne qualifizierte Zweitmeinung einholen...und sicherlich versuchen die Psychmedis auszuschleichen.

    Muss ja nicht alles sofort sein....Zeit lassen, macht dann auch weniger Angst.

    Viel Erfolg!!!

    LG

    Süßnase

  9. #19
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    Standard AW: Angehörige sucht Rat - MB und Manie!?

    Hallo Kristeltina,

    ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Ärzte (insbesondere Psychiater / Neurologen) sich mit Schilddrüsen-Problemen und den zugehörigen Symptomen überhaupt nicht auskennen und dann schnell die Gefahr besteht, dass man in eine total falsche Schublade eingeordnet wird.

    Ich hatte nach einem schlimmen MB starke Depressionen bekommen und war nach Absetzen des Carbimazols mehrere Monate in einer psychiatrischen Klinik. Die Psychiater dort wollten wissen, wie der MB entdeckt worden war (meine Vermutung war, dass die Depressionen durch die Schilddrüsen-Probleme und den MB ausgelöst worden waren) und welche Symtome ich vor der Diagnose und vor der Behandlung hatte und ich habe von den Symptomen meiner Überfunktion erzählt (große Aktivität, Hektik, schneller Puls, schnelles Reden, Aufgedrehtheit, wenig Schlafbedürfnis; In der Zeit war ich so überdreht und fühlte mich so fit und wach, dass ich nachts um 2 Uhr im Fitnessstudio war und kaum noch Schlaf gebraucht habe..). Aufgrund der Symptome waren bei mir damals die Blutwerte untersucht worden und eine riesige Überfunktion festgestellt worden. Nach Behandlung der ÜF gingen diese Symptome schnell weg.

    Die Ärzte in der Klinik waren jedoch felsenfest davon überzeugt, dass ich vor der Depression anscheinend eine Hypomanie hatte, d.h. die Vorstufe einer manischen Phase, und haben mich zusätzlich zu den normalen Anti-Depressiva mit Psychopharmaka (Neuroleptika) gegen die "Manie" behandelt. Nach einer Woche dieser Behandlung ging es mir sehr schlecht und ich war durch die Medikamente wie betäubt. Mein ganzes Wesen (Denken und Reden und Handeln) war extrem verlangsamt, ich konnte mich kaum noch unterhalten und ich stand völlig neben mir, so dass ich sehr darum gekämpft habe, die Medikamente direkt wieder abzusetzen. Zum Glück haben die Psychiater gemerkt, dass die Wirkung nicht so war, wie geplant, so dass ich die Manie-Medikamente tatsächlich absetzen durfte und wir etwas anderes versucht haben.

    Ich habe mit Händen und Füßen versucht zu argumentieren, dass die Symptome alle durch die Schilddrüsen-Überfunktion kamen (war ja auch die Meinung meiner behandelnden Endokrinologin), aber die Psychiater haben bis zum Schluss darauf beharrt, dass das durch eine manische Phase kam. Von daher bin ich fest überzeugt, dass Psychiater keine Ahnung von MB oder ähnlichem haben.

    Ich würde an Eurer Stelle dringend eine Zweitmeinung einholen (am besten auch durch einen erfahrenen Endokrinologen).

    Viel Erfolg und viele Grüße,
    Maike

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