Da die Probleme neuer Mitglieder meist sehr ähnlich sind, bitten wir Euch, die Infobeiträge in diesem Beitragsbaum sorgfältig zu lesen, bevor ihr uns Fragen stellt, damit die Basis-Infos nicht mehrmals am Tag wiederholt werden müssen. Es gibt 3 Infobeiträge zu MB:
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M O R B U S _ B A S E D O W
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Morbus Basedow (MB) ist eine Autoimmunkrankheit, bei der Autoimmun-Antikörper namens TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper) die Schilddrüse (SD) und häufig auch das Gewebe um und hinter den Augen sowie die Augenmuskeln angreifen (Endokrine Orbitopathie, EO, Augenbeteiligung). Die genauen Ursachen für den Angriff der TRAK sind nicht bekannt, das Leitsymptom (autoimmun bedingte Überfunktion) ist therapierbar.
A U S L Ö S E R
Der unmittelbare Auslöser des MB sind die TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK). Die TRAK besetzen in der Schilddrüse diejenigen Rezeptoren, die für das Steuerhormon TSH vorgesehen sind. Das TSH gibt das Signal an die Schilddrüse, je nach Bedarf mehr oder weniger von den beiden stoffwechselwirksamen Hormonen T4 und T3 zu produzieren. Gibt es zu wenig T4 und T3 im Blut, sollten also mehr Hormone produziert werden, wird das TSH höher. Gibt es zu viel T4 und T3 im Blut, sollten also weniger Hormone produziert werden, wird das TSH niedriger. Die TRAK verdrängen das TSH aus ihren Rezeptoren in der Schilddrüse, verhindern damit die echte Signalfunktion des TSH und regen die Schilddrüse zur Überproduktion an. So entsteht die für MB typische Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose). Der Laborbefund zeigt ein nicht mehr messbar niedriges ("supprimiertes") TSH und erhöhte freie Hormonwerte (fT3 und fT4) oberhalb des Labor-Referenzbereichs. Ist nur der TSH-Wert supprimiert und die freien Hormonwerte (noch) nicht erhöht, spricht man von einer latenten Überfunktion.
(Eine Überfunktion kann nicht nur durch MB entstehen. Eine sog. Schilddrüsen-Autonomie, eine postpartale Thyreoiditis oder eine akute Entzündung im Rahmen von Hashimoto Thyreoiditis erzeugen auch eine Überfunktion. Die diagnostische Differenzierung ist nicht immer leicht, die Szintigrafie spielt dabei eine wichtige Rolle.)
D I A G N O S E
Zur sicheren Erstdiagnose gehören die Laborwerte, die Sonographie und eine Szintigraphie der Schilddrüse.
L a b o r w e r t e
1. S c h i l d d r ü s e n h o r m o n - W e r t e _ u n d _ i h r _ R e f e r e n z b e r e i c h
Der Referenzbereich der SD-Hormonwerte (TSH, fT3, fT4) ist von Labor zu Labor unterschiedlich. Daher bitten wir euch, die Werte immer zusammen mit dem jeweiligen Referenzbereich anzugeben, sonst ist keine Beurteilung möglich. Die Werte sollten möglichst immmer im gleichen Labor gemacht werden, weil Werte aus Labors mit unterschiedlichen Messmethoden und Referenzbereichen schlecht vergleichbar sind.
FT4 freies T4 ----- Wert oberhalb des Referenzbereichs: Überfunktion (unterhalb: Unterfunktion)
FT3 freies T3 ----- Wert oberhalb des Referenzbereichs: Überfunktion (unterhalb: Unterfunktion)
TSH das „Regulierhormon“, das die T3-/T4-Produktion steuert ------------Wert oberhalb des Referenzbereichs: Unterfunktion (unterhalb: Überfunktion)
fT4 (freies Thyroxin)
T4 wird von der der Schilddrüse produziert. Das Gesamt-T4 ((T)T4) ist für uns irrelevant, wichtig ist die Menge des wirksamen, weil aus der Eiweißbindung gelösten freien T4 (fT4). T4 ist nur geringfügig stoffwechselwirksam, es wird im Körper ins stoffwechselwirksame T3 umgewandelt. Thyreostatische Medikamente (=Schilddrüsenhemmer) wirken vor allem auf die T4-Produktion, indem sie diese chemisch unterbinden/hemmen.
fT3 (freies Trijodthyronin)
T3 ist das primär stoffwechselwirksame Schilddrüsenhormon. Ein kleiner Anteil entsteht in der Schilddrüse selbst, der Rest wird im Körper aus T4 umgewandelt. Auch hier gilt: für uns ist nur aus der Eiweißbindung gelöste freie T3 (fT3) wichtig.
TSH (Thyreoida-stimulierendes Hormon, Thyreotropin)
Das TSH verhält sich den freien Werten Gegenüber wie eine Waage: Sind die freien Werte (fT3 und fT4) zu hoch, geht es in den Keller, sind fT3 und fT4 zu niedrig, wird es hoch. Auf diese Weise signalisiert das TSH bei Gesunden, ob mehr oder weniger T4 produziert werden soll. Bei MB wird dieser Mechanismus gestört, weil die TRAK die TSH-Rezeptoren an der Schilddrüse besetzen. Daher gilt bei MB labor- und normunabhängig :
- Das TSH ist beim Ausbruch von Morbus Basedow dank TRAK-Aktivität eine Weile supprimiert (=unterdrückt, Wert: < 0,01). Das bleibt oft auch dann noch so, wenn die freien Hormonwerte fT3 und fT4 infolge Hemmer-Therapie bereits wieder im Referenzbereich sind. Aus diesem Grund reicht die Bestimmung des TSH-Wertes bei MB niemals aus! Für die Hemmer-Dosis sind die freien Werte ausschlaggebend.
Im Laufe der medikamentösen Therapie normalisieren sich die freien Hormonwerte, das TSH kommt aus der "Versenkung" und wird messbar.
Die Beurteilung eurer Werte durch Forenmitglieder ist nur möglich, wenn wir diese Werte (mitsamt Referenzbereich) kennen. Darum bitte:
Stellt euren Werteverlauf mit genauesten Datumsangaben für die Kontrollen und die Dosierung des Hemmers in euer Profil --> BEISPIELE . Euer Profil findet ihr im Forumsmenü: „Kontrollzentrum“ > „Profil ändern“. Dort Werte mit Referenzbereich und der Dosis, die die zu den Werten führte (ab-bis) einstellen.
Anmerkung: Prozentumrechnung für Hormonwerte
Für die Umrechnung der Werte in Prozente ("wie hoch liegt mein fT3/fT4-Wert innerhalb des Normbereichs, in Prozenten ausgedrückt?") steht hier ein Werterechner zur Verfügung. Die im Forum beliebte Umrechnung in Prozente und das Vergleichen der Werte mittels Prozentwerte ist jedoch mit großer Vorsicht zu genießen. Wenn die Blutkontrolle in unterschiedlichen Labors mit unterschiedlichen Referenzbereichen gemacht wird, sind die Werte (gleich ob "in natura" oder in Prozente umgerechnet) nicht wirklich vergleichbar! Nur wenn man sie im gleichen Labor machen lässt, kann man sie vergleichen - dann allerdings leicht auch ohne Prozentumrechnung.
2. A n t i k ö r p e r - W e r t e
Folgende Autoimmun-Antikörperwerte sollten zumindest bei Diagnosestellung und später von Zeit zu Zeit, insbesondere vor einem Auslassversuch überprüft werden:
TRAK ----- (TSH-Rezeptor-Antikörper), MB-typischer Antikörper
TPO-AK -- kommt sehr oft vor, aber nicht spezifisch MB-typisch/beweisend für MB
Tg-AK ---- kommt oft vor, nicht spezifisch MB-typisch/beweisend für MP
Populäre Irrtümer bezüglich der Laborwerte - gern auch von Ärzten geäußert:
"alles bestens, Ihre Werte sind in der Norm!"
Wenn der Arzt diesen Satz sagt, es euch aber nicht gut geht: lasst es nicht dabei bewenden. Der Referenzbereich ist ein statistisch ermittelter Bereich auf Grund einer Vielzahl gesunder Menschen. Nicht jeder Bereich ist gut für jeden. Das Herausfinden des eigenen Wohlfühlbereichs innerhalb der Norm ist euere eigene Aufgabe. Deutlich niedrige Werte (d.h.: knapp am unteren Rand des Normbereichs) sind erfahrungsgemäß keine Wohlfühlwerte und sind außerdem bei Endokriner Orbitopathie ungünstig für die Augen.
„Der TSH-Wert reicht für die Kontrolle Ihrer Schilddrüse!“
Neue Untersuchungen belegen, dass dem nicht so ist. Für eine stichhaltige Beurteilung müssen immer alle drei SD-Werte bestimmt werden. Die Kassen zahlen die freien Werte (fT3/fT4), wenn eine SD-Erkrankung vorliegt.
S o n o g r a p h i e
Bei der Sonographie der Schilddrüse wird die Größe und die Beschaffenheit des Organs visuell dargestellt. MB-Schilddrüsen sind häufig vergrößert. Bei der Beschaffenheit kommt es bei einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung (bei MB und auch Hashi) auf zwei Kriterien an: Wie homogen erscheint das Gewebe (Homogenität) und wie reflektieren sie die Schallwellen (Echogenität). Die Schilddrüse ist bei MB typisch inhomogen und echoarm. Man erkennt auch Knoten per Ultraschall, ihre Qualität (heiße oder kalte Knoten?) jedoch ist nicht genau zu beurteilen.
S z i n t i g ra p h i e
Die Szintigraphie beruht auf der Tatsache, dass die Schilddrüse bei MB "jodhungrig" ist, um aus Jod immer mehr Hormone zu produzieren, wie es bei einer Überfunktion typisch ist. Es wird zuerst eine schwach radioaktive Substanz namens Technetium-99 als Kontrastmittel in die Vene gespritzt, das sich daraufhin, genau wie Jod, in der Schilddrüse anreichert. Die Intensität der Aufnahme ("uptake") wird quantifiziert (uptake-Wert) und mit Hilfe einer Gammakamera auch sichtbar gemacht. Bei einer MB-Schilddrüse ist die gesteigerte Aktivität mehr oder weniger über das ganze Gewebe verteilt, bei heißen Knoten ist eine auf ein umschriebenes Gebiet konzentrierte gesteigerte Aktivität feststellbar, bei kalten Knoten zeigt ein umschriebenes Areal keine Aktivität.
T H E R A P I E _ D E S _ M O R B U S _ B A S E D O W
M e d i k a m e n t ö se _ T h e r a p i e
MB wird in der Regel zunächst durch eine ein-anderthalbjährige Therapie mit Schilddrüsenhemmern behandelt. Die geläufigsten Wirkstoffe/Handelsnamen:
- Thiamazol (in Thiamazol, Methizol, Favistan),
- Carbimazol (in Carbimazol,)
- Propylthiouracil (in Propycil)
Bei allergischen (Haut-)Reaktionen oder Verschlechterung des weißen Blutbilds und/oder der Leberwerte bei einer anfänglich hohen Dosis kann der Wechsel des Wirkstoffs helfen. Da Carbimazol im Körper sofort auch zu Thiamazol umgewandelt wird, ist der Wechsel dieser beiden Präparate nicht zielführend. Ziel der Therapie: eine euthyreote Lage, d.h.: im Normbereich liegende Schilddrüsenwerte zu erreichen. Nach Ablauf von 1-1,5 Jahren wird ein Auslassversuch (Weglassen des Schilddrüsenhemmers) eingeleitet, der am besten durch vorsichtiges Ausschleichen eingeleitet wird. Bei andauernder Beschwerdefreiheit bei guten Werten spricht man von einer Remission. Tritt ein Rückfall (Rezidiv) in Form von erneuter Überfunktion auf, kann man unter Umständen eine zweite medikamentöse Therapie erwägen, oder eine sog. definitive Therapie (SD-Operation oder Radiojodtherapie (RJT) in Erwägung ziehen. Die Rezidivrate ist ca. 50%. Je kürzer die medikamentöse Therapie (< 1 Jahr), und je höher die TRAK-Antikörper (> ca. 10), umso ungünstiger sind die Chancen für eine Remission. Im Laufe der medikamentösen Therapie geht meist der TRAK-Wert zurück, d.h. der Autoimmunprozess beruhigt sich.
Kontrolle der Werte und der Hemmer-Dosis
Während der Therapie ist eine engmaschige Kontrolle der SD-Werte sehr wichtig, damit die Dosis laufend angepasst und so eine durch ein Zuviel an SD-Hemmern verursachte Unterfunktion verhindert werden kann. Die Wirkung der Medikamente ist etwa 2 Wochen nach Einnahme/Dosisänderung an den Werten ablesbar. Kontrollen sollen am anfangs häufig (alle 2 Wochen), später, bei stabilerer Lage, etwa monatlich/alle 6 Wochen erfolgen. Die Kontrolle des TSH alleine reicht nicht aus, die freien Werte müssen mitbestimmt werden. Weißes Blutbild und Leberwerte müssen (vor allem in der Anfangsphase) jedes Mal mit kontrolliert werden!
Eigene Maßnahmen- Das Rauchen einstellen (s. dazu weiter unten im 3. Artikel über EO)
- Stress meiden/Ruhe bewahren/Geduld üben
- Jod möglichst meiden: kein Jodiertes Speisesalz und keine Meerestiere. Wer auf Jod merkbar empfindlich reagiert, kann seinen Speiseplan durch Zuhilfenahme folgender Tabelle zum Jodgehalt in Nahrungsmitteln und Getränken modifizieren. Jod ist auch in vielen Medikamenten enthalten, hier eine nicht umfassende Liste. Am besten immer Beipackzettel durchlesen und bei Kontrastmitteln ausdrücklich nachfragen!
Rezidivwahrscheinlichket nach medikamentöser Therapie?
Statistisch gesehen hat man etwas schlechtere Karten, wenn:
D e f i n i t i v e _ T h e r a p i e
Wenn die medikamentöse Therapie ein- oder auch zweimal fehlschlägt, wird eine Operation oder eine Radiojodtherapie vorgeschlagen. Diese Maßnahmen heilen MB nicht, sie entfernen aber den Hauptangriffspunkt: die SD. Bei beiden Methoden ist das Ziel die vollständige Entfernung bzw. Ausschaltung der Schilddrüse mit nachfolgender Hormonsubstitution. Reste bieten weiterhin eine Angriffsfläche für die Antikörper, können so einen Rezidiv auslösen und auch wachsen.- Die RJT ist kontraindiziert (1) bei Vorliegen einer Endokriner Orbitopathie (2) bei einer stark vergrößerten Schilddrüse und (3) bei sehr dringendem Kinderwunsch (da die Dauer des Zerstörungsprozesses bei RJT unberechenbar ist und im Extremfall mehr als 1 Jahr oder länger andauern kann).
- Die Operation sollte eine sog. „near-total“ bzw. subtotale oder totale Operation sein. Da sich die für den Kalziumhaushalt verantwortlichen Nebenschilddrüsen und der Stimmbandnerv im/am Schilddrüsengewebe befinden, ist eine 100%-ige Entfernung selten möglich. Es dürfen jedoch nur Minimalste verbleiben, damit MB kein Zielgewebe mehr findet.
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Detaillierte Infos zur RJT und Operation findet ihr im
unten folgenden 2. Beitrag dieses Beitragsbaumes!
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L E X I K O N _ U N D _ S U C H E _ I M _ F O R U M
1. Lexikon: Oben in der Menüleiste verlinkt, bitte stöbern! In den Forumsbeiträgen sind die im Lexikon beschriebenen Begriffe unterstrichelt. Klick darauf führt zur Beschreibung im Lexikon!
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L I N K S
Allgemein
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morbusbasedow.de (Infoseiten der Forumsbetreiber)
schilddruesenspezialisten.de (mit Ärzteliste)
schilddruesenguide.de (SD-Netz Hannover)
schilddrüsenpraxis.de (Prof. Hotze)
Kompetenznetz KIT-online
Antikörper
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Typische Nährstoffmängel bei MB
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