Dr. Michael Lam (
www.LamMD.com )
Die Stressreaktion aus der hormonellen Perspektive
Was passiert, wenn Ihr Chef Sie in der Arbeit anschreit? Lassen Sie uns jetzt einige der Auswirkungen innerhalb ihres Körpers aus der hormonellen Perspektive untersuchen.
- Ihr Hypothalamus signalisiert Ihrer Hypophyse, dass sie ACTH ausschütten soll.
- Das ACTH stimuliert das Nebennierenmark, Adrenalin und die Nebennierenrinde Cortisol auszuschütten, neben einigen anderen Hormonen.
- Ihr Cortisol-Spiegel wird ansteigen und dadurch mehr gespeichertes Glykogen zur Energiegewinnung in Blutzucker umwandeln. Die Energieverfügbarkeit wird ebenfalls durch das Adrenalin der Nebennieren gesteigert.
- Ihr Herzschlag steigt an (durch das Adrenalin)
- Sie neigen vermehrt zum Schwitzen (durch das Cortisol)
- Ihre Muskelspannung verstärkt sich (durch das Cortisol und Adrenalin)
- Ihre Verdauung verlangsamt sich, da das Blut zu wichtigeren Geweben geleitet wird. Ihr Blasen- und Schließmuskel kann sich entspannen.
Wenn die oben beschriebene Körperreaktion über einen längeren Zeitraum anhält oder auch in bestimmten Fällen während des akuten Stresses, kann eine Nebennierenschwäche auftreten, da sich die Drüsen der Nebennieren erschöpfen.
Die fortschreitende Entwicklung der Nebennierenschwäche
Krankheiten entwickeln sich normalerweise in Stufen, da der Körper immer mehr abbaut. Lassen Sie uns genauer hinsehen:
1. Stufe: Alarm-Reaktion („Kampf-oder-Flucht-Reaktion“)
In diesem Stadium ist der Körper durch die Stressfaktoren alarmiert und fährt eine agressive Anti-Stressreaktion hoch, um das Stressniveau zu reduzieren. Manche Ärzte nannten dies das Frühstadium der Nebennierenschwäche.
Typischerweise ist das ACTH aus der Hypohyse erhöht, das die Drüsen der Nebenniere bis zum Anschlag stimuliert, um eine Verteidigungsreaktion vorzubereiten. Das Nebennierenmark wird stimuliert, mehr Adrenalin zu produzieren und die Gesamtausschüttung des Cortisols aus der Nebennierenrinde wird erhöht. Die DHEA-Produktion ist entsprechend vermindert. Während dieser Phase benötigt der Körper Cortisol, um mit dem Stress fertig zu werden. Daher wird die Cortisol-Produktion weiter erhöht. Nach einer Weile haben die Nebennieren Schwierigkeiten, der ständigen Forderung des Körpers nach mehr Cortisol nachzukommen.
2. Stufe: die Resistenz-Reaktion
Bei chronischem oder akutem Stress sind die Nebennieren schließlich nicht mehr in der Lage, mit den Forderungen nach Cortisol Schritt zu halten. So kommt es, dass die Cortisol-Produktion von einem Höchststand aus anfängt, auf normale Spiegel abzusinken, während das ACTH auf hohem Niveau bleibt. Bei erhöhtem ACTH und schwachen Nebennieren wird weniger Cortisol produziert, weil sich die Nebennieren immer mehr erschöpfen. Während die Cortisol-Spiegel am morgen, Mittag und Nachmittag oft niedrig sind, sind sie am Abend normalerweise auf normalem Niveau.
Jetzt stellt sich ein Phänomen ein, das der „Pregnenolon-Diebstahl“ genannt wird (auch Cortisol-Weiche genannt). Der Pfad in Richtung Cortisol-Herstellung wird vorherrschend, da der Körper das Cortisol innerhalb der Gesamt-Hormonherstellung bevorzugt. Andere Hormone wie das Pregnenolon, DHEA, Testosteron und das Östrogen werden weniger begünstigt und ihre Produktion nimmt immer weiter ab. Die Folge ist eine Reduzierung des Gesamt-Pregnenolons, aber die Gesamt-Cortisolherstellung bleibt auf normalem Niveau. Sorgfältige Beobachtung des Cortisol-Tagesprofils deckt das Muster einer gestörten Funktion auf, mit unnormal niedrigem Cortisol am Morgen. Zu dieser Tageszeit wird das Cortisol am meisten benötigt. Oft ist das Cortisol am Abend immer noch im normalen Bereich.
3. Stufe: Erschöpfung
Trotz des steigenden ACTH sind die Nebennieren nicht mehr länger in der Lage, mit den steigenden Forderungen nach Cortisol Schritt zu halten. Dies kann sich über mehrere Jahre hinziehen. Daher wird die Gesamtproduktion des Cortisol reduziert und das DHEA fällt weit unter den Durchschnittswert. Üblicherweise fällt das Cortisol am Abend ab, da die Hypothalamus-Hypophysen-Achse zusammenbricht und der Körper nicht mehr in der Lage ist, die Homöostase (Selbstregulation) aufrecht zu erhalten. Schwere Ungleichgewichte bei den Sexualhormonen sind dann üblich und Vorboten einer Nebenniereninsuffiziens.
4. Stufe: Zusammenbruch
Letztendlich sind die Nebennieren total erschöpft. In diesem Stadium haben die Patienten ein erhöhtes Herzinfarktrisiko und ein erhöhtes Risiko zu sterben.
Grafik: http://www.lammd.com/A3R_brief_in_do..._fatigue.cfm#9
Warum die herkömmliche Medizin bei der Diagnose der Nebennierenschwäche fehlschlug
Trotzdem die subklinische Nebennierenschwäche mit ihren verschiedenen Stufen als deutlich klinisches Syndrom seit Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt ist, sind die meisten Ärzte mit diesem Zustand nicht vertraut. Aus dem einfachen Grunde, weil sie schwer durch den herkömmlichen Bluttest zu diagnostizieren ist. Normale Bluttests sind dazu konzipiert worden, schwere und absolute Nebennieren-Hormon-Mängel aufzudecken, die als Morbus Addison bekannt sind. Diese Krankheit betrifft nur 4 von 100.000 Menschen und ist oft die Folge einer Autoimmunerkrankung oder infektiösen Ursprungs. Die Bluttests sind auch dazu geeignet, extrem hohe Nebennieren-Hormon-Spiegel aufzudecken, die bekanntlich bei Morbus Cushing auftreten.
Nebennierenhormone weisen bei einer Nebennierenschwäche niedrige Spiegel auf, sind aber immer noch im „normalen“ Bereich und nicht niedrig genug, um die Diagnose Morbus Addison in den regulären Bluttests zu bestätigen. Tatsächlich können Ihre Nebennieren-Hormone auf der Hälfte des optimalen Stands sein und immer noch als „normal“ angesehen werden. Dass die Spiegel der Nebennieren-Hormone auf „normalem“ Level liegen, heißt nicht, dass der Patient keine Nebennierenschwäche hat. Konventionelle Ärzte lernen nichts von der Bedeutung der subklinischen Nebenniereninsuffizienz. Sie werden von Bluttests irregeführt, die nicht sensitiv genug sind, um die subklinische Nebenniereninsuffizienz aufzudecken. Dies führt zu dem Ergebnis, dass den Patienten, deren Nebennierenfunktion untersucht wird, gesagt wird, sie sei „normal“. In Wirklichkeit aber arbeiten die Drüsen der Nebennieren nicht optimal, mit deutlichen Zeichen und Symptomen, da der Körper nach Hilfe und Aufmerksamkeit schreit.
Die Nebennierenschwäche betrifft mehr Menschen als der Morbus Addison. Sie wird nicht erkannt und hat massvie Ausmaße angenommen. Um die Nebennierenschwäche sicher zu diagnostizieren, sind mehr sensitive Labortests und eine äußerst gewissenhafte und genaue Aufzeichnung des vollständigen Krankheitsverlaufes notwendig.
Labor Tests
Die Nebennierenschwäche wurde durch Laborstudien der stellvertretenden Marker der Nebennierenfunktion nachgewiesen. Zwei dieser Marker, die verwendet wurden, sind Cortisol und DHEA.
Die beste Methode, die Gesundheit Ihrer Nebennieren zu überprüfen, ist den Spiegel der wichtigsten, freien Hormone zu messen, wie das Cortisol und das DHEA. Speicheltests werden bevorzugt, da dieser die Menge der freien und zirkulierenden Hormone misst, anstatt der gebundenen, die üblicherweise in Bluttests gemessen werden.
DHEA kann zu jeder Tageszeit gemessen werden. Cortisol dagegen hat seinen Höchststand am Morgen und seinen niedrigsten am Abend, vor der Schlafenszeit. Am genauesten ist es, wenn man 4 Proben von Cortisol nimmt (8 Uhr morgens, Mittags, 17 Uhr und vor dem Schlafengehen). Mit mehereren Proben, die über den Tag verteilt abgenommen werden, können wir den Tagesverlauf des freien Cortisols im Körper im Verhältnis zum DHEA-Spiegel aufzeichnen. Dies gibt uns ein viel genaueres Bild der Nebennierenfunktion.
Wenn Sie Hormone wie DHEA oral einnehmen oder Hormoncremes benutzen, kann man den Anstieg im Speicheltest sofort messen. Im Bluttest kann man den Anstieg der Hormone ebenso erkennen, allerdings wird er erst nach ungefähr 3 Monaten sichtbar.
Stress kann die Spiegel der Nebennieren-Hormone ebenso beeinflussen. Wenn Sie Ihren Cortisol-Spiegel nach einem ruhigen und entspannenden Morgen messen, werden Sie ein deutlich anderes Ergebnis haben, als wenn Sie das Cortisol unter enormem Stress messen.
Um eine subklinische Infektion als Ursache für die Nebennierenschwäche auszuschließen, ist eine spezieller Test notwendig, der die Immunglobulin-Reaktion misst, da normale Tests mit Bakterien- oder Parasitenkulturen oft negativ ausfallen.