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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage zu Selen



lexi
25.04.03, 18:14
Hallo zusammen!
Was bewirkt Selen eigentlich bei einer Schilddrüsenerkrankung wie Hashi?
Ich höre immer wieder, dass es von manchen SD-Erkrankten eingenommen wird, weiß aber noch nicht wieso. Wer kann mich aufklären?
Liebe Grüße Lexi

Mic
25.04.03, 18:52
Hallo Lexi,
deine Frage:
>Was bewirkt Selen eigentlich bei einer Schilddrüsenerkrankung wie Hashi?
Selen ist im Körper nötig für die Funktion einiger wichtiger Enzyme. Von den bereits bekannten sind besonders zwei Gruppen bei SD-Autoimmunerkrankungen wichtig:
1. Glutathion-Peroxidasen (GPx)
2. Dejodinasen
Enzyme der ersten Gruppe schützen die Körperzellen vor Schäden durch agressive Sauerstoffradikale. Besonders gefährdet ist die Schilddrüse, weil das Jod zum Einbau in die SD-Hormone T3 und T4 oxidiert werden muss und dabei grosse Mengen aggressiver Radikalverbindungen anfallen. Bei Selenmangel gibt es nicht genug von den GPx-Enzymen um diese gefährlichen Nebenprodukte abzufangen und die Radikale zerstören in den SD-Zellen alles was in ihre Nähe kommt - von anderen Enzymen (z.B. TPO) und Proteinen über die Zellmembranen bis hin zum Erbgut (DNA) der Zelle. Die so geschädigten Zellen können dann das Immunsystem auf den Plan rufen und so einen Autoimmunprozess in Gang setzen oder weiter fördern. Eine Zelle mit geschädigter DNA kann auch entarten und zu einer Krebszelle werden. Das gilt natürlich auch für andere Körperzellen die besonders starkem Stress durch aggressive Radikale ausgesetzt sind. Ausreichend Selen schützt vor solchen Schäden und den nachfolgenden Gefahren. Das Ansteigen der Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse mit Beginn der Jodprophylaxe in vielen Ländern hängt wahrscheinlich mit der gleichzeitig schlechten Selenversorgung in diesen Ländern (auch in D, A, CH) zusammen. Denn mehr Jod, in der Schilddrüse verarbeitet, bedeutet zugleich auch mehr Stress durch Radikale (oxidativer Stress) - bei gleichzeitigem Selenmangel eine kritische Fehlentwicklung. Die Zusammenhänge mit Selen sind allerdings erst in den letzten Jahren erkannt worden, und irgendwann wird wohl jeder wissen, dass Jodeinnahme ohne gleichzeitige gute Selenversorgung ein Spiel mit dem Feuer ist (im wahrsten Sinne des Wortes).
Dejodinasen aus der zweiten Enzymgruppe sind sehr wichtig für eine optimale Wirkung der SD-Hormone. Sie wandeln je nach Bedarf T4 in T3 um und bauen die Hormone auch ganz ab. Sie sorgen für die Feinregulation in den einzelnen Körpergeweben und auch für eine funktionierende Steuerung der Schilddrüse durch ZNS und Hypophyse.
Selen ist also ein sehr wichtiges Spurenelement das häufig nicht ausreichend in der Nahrung vorhanden ist und zudem durch Schwermetallbelastungen aus Umwelt und Amalgamfüllungen inaktiviert wird. Dabei kann eine ausreichende Selenversorgung auch vor Schäden durch diese giftigen Schwermetalle (insbesondere Quecksilber) schützen. Selen ist allerdings selbst auch giftig in Mengen die nur wenig über dem optimalen Bedarf liegen. Die Spanne zwischen lebenswichtiger optimaler Versorgung und schädlicher Überversorgung ist sehr gering. Die allgemein empfohlenen Substituierungen bei Hashimoto von 200 µg/Tag sind allerdings normalerweise unbedenklich. Selenspiegel im Serum sollten allerdings vor und während der Substitution immer wieder mal bestimmt werden. Bei Krebserkrankungen gibt man Selendosen bis 500 µg und mehr.
Liebe Grüße,
Mic

Cornelia
26.04.03, 09:14
Hallo Mic! Deine Ausführungen zu Selen waren hochinformativ. Bei einem Versuch wurden Studenten, die an Hashimoto erkrankt waren, täglich 200 mcg gegeben und die Zahl der Antikörper sank. Was ich allerdings nicht verstehe ist, warum sollen MB-Patienten, die noch im Besitz ihrer SD sind, kein Selen nehmen. Es gibt ja Thyreoprotect mit und ohne Selen.
Viele Grüße von Cornelia

Beate G.
26.04.03, 11:27
>Hallo Mic! Deine Ausführungen zu Selen waren hochinformativ. Bei einem Versuch wurden Studenten, die an Hashimoto erkrankt waren, täglich 200 mcg gegeben und die Zahl der Antikörper sank. Was ich allerdings nicht verstehe ist, warum sollen MB-Patienten, die noch im Besitz ihrer SD sind, kein Selen nehmen. Es gibt ja Thyreoprotect mit und ohne Selen.
>Viele Grüße von Cornelia
Hallo, Cornelia,
weil Selen die Umwandlung von T4 zu T3 fördert u. somit die ÜF noch verstärken kann.
Bei mir haben 200 µg Natriumselenit pro Tag schon mal
zu ÜF-Symptomen geführt, damals lag mein TSH aber noch bei 0,0 (latente ÜF).
100 µg pro Tag haben bei mir noch nie zu ÜF-Symptomen geführt.
Ich meine, dass das Selen bei mir dazu beigetragen hat, dass meine
EO im Anfangsstadium schließlich Ruhe gegeben hat.
Derzeit komme ich langsam in die UF und 200 µg/Tag schaden mir derzeit nicht, im
Gegenteil, ich fühle mich dadurch besser, die Wirkung hält aber nicht
allzulange an.
Wegen dem Versuch mit den Antikörpern (Gärtner-Studie) habe ich
Dr. Eversmann in München gefragt. Er sagte, er würde
Prof. Gärtner kennen u. die Studie wäre nur in einem sehr eingegrenzten Patienten-
kreis durchgeführt worden. Bei einigen Patienten würde das Selen nichts an den AK
ausrichten.
Ich glaube, dass es bei mir durch das Selen schon zu einem Rückgang der TPO-AK
gekommen ist. Die TRAK haben sich aber leider bis heute nicht verändert, diese hartnäckigen
Zeitgenossen.
LG Beate

Beate G.
26.04.03, 13:03
P.S.Hier die Email von Prof.Gärtner auf meine Anfrage zu seiner Studie.
Daraus ist ersichtlich, dass Selen in Form von Natrium-Selenit gegeben wurde.
Selen-Hefe wird meines Wissens nach vom Körper anders verarbeitet als Natrium-Selenit.
Es könnte deshalb sein, dass Selenhefe höher dosiert werden müßte, um
die gleiche Wirkung wie Natrium-Selenit zu haben.
Das ist allerdings reine Vermutung von mir (bin Nicht-Mediziner).
Prof.Gärtner hat mir freundlicherweise folgendes geantwortet:
"In unserer Studie haben wir 200 µg Natrium-Selenit über 3 Monate
gegeben. Als Präparate kommen in Frage: Cefasel 100 2 x 1 oder
Selenase peroral 100 2 x 1 oder Selit Tabl 2 1/2 pro Tag.
Mit freundlichen Grüßen und gute Besserung
Prof. Dr. R. Gärtner"
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-- Prof. Dr. Roland Gaertner --
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-- Medizinische Klinik am Klinikum Innenstadt, University of Munich --
-- Ziemssenstr. 1, D-80336 Munich, Germany --
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Cornelia
26.04.03, 19:10
Liebe Beate, vielen Dank für Deine Antwort. Mein TSH liegt derzeit bei 0,02, aber ich habe kaum Symptome, mein Puls liegt zw. 60 und 70 und die Muskelschmerzen beschränken sich auf den Morgen. Ich nehme ein Multivitaminpräparat und des enthält 50 mcg Selen, schliesslich ist es ein hochwirksames Antioxidantium. Jetzt kann ich es beruhigt weiternehmen, danke! LG Cornelia